Eine umfassende Regulierung der Energiemärkte fordert die Umweltorganisation Attac mit Unterstützung anderer Umwelt-NGOs und des ÖGB.
Eine leistbare Grundversorgung der Menschen mit Strom müsse gesichert sein, darüber hinaus gehender "verschwenderischer Luxuskonsum" solle mit höheren Preisen verrechnet werden. Außerdem sollten steigende Preise für fossile Energieträger den Umbau zu erneuerbaren Energieträgern stützen. Attac legte dazu am Dienstag eine Petition vor.
Die Attac-Forderungen: Den Börsenhandel mit Energie beenden, Energieversorger als gemeinnützige Unternehmen aufstellen, den Energie-Grundbedarf aller Haushalte sowie kleiner und mittlerer Unternehmen günstig abdecken und ein "klima- und sozial gerechtes" Energiesystem aufbauen. Der Markt könne das nicht leisten, so Max Hollweg von Attac mit Unterstützung des Ökonomen Stephan Schulmeister und der ÖGB-Chefökonomin Helene Schuberth.
Der
liberalisierte Energiemarkt sei Schuld an den aktuell hohen
Energiepreisen, sagte Hollweg am Dienstag in einem Pressegespräch. Die
Energiepreise müssten sich an den Herstellungskosten orientieren. Die
erneuerbaren Energieträger hätten sich nur durchsetzen können, "weil sie
durch Subventionen vor dem liberalisierten Markt geschützt wurden".
Das aktuelle Preisbildungssystem über die Börsen habe versagt und
könne grundsätzlich bei einem Produkt der Daseinsvorsorge wie Energie
nicht funktionieren, so Schulmeister. So dominierten bei der
Stromproduktion die fixen Kosten, die Börse reagiere aber nur auf
variable Kosten, die bei der erneuerbaren Energie "null" seien. "Eine
Frechheit" sei es, den Strompreisindex der Leipziger Börse als Basis für
Strompreise in Österreich zu nehmen, meint Schulmeister, denn dieser
habe mit der Stromproduktion in Österreich "null zu tun". "Als Ökonom
muss man sich schämen, dass das Handelsgericht Wien, also Juristen,
darauf gekommen sind, dass das nicht geht", nahm Schulmeister auf ein -
nicht rechtskräftiges - Urteil des Handelsgerichts Bezug, wonach die
Strompreiserhöhung des Verbund auf Basis des ÖSPI nicht rechtens sei.
Schuberth verwies darauf, dass aus Sicht des ÖGB die Energieversorgung Teil der Daseinsvorsorge sein, und dass Unternehmen und
Haushalte mit Energie zu leistbaren Preisen versorgt werden müssten.
Die Strompreisbremse - die bis zu 2.900 KWh pro Haushalt subventioniert -
sei als "Grundprinzip" eines Preisdeckels für den Grundbedarf gut, so
etwas sollte man langfristig machen. Zugleich müsse es Anreize zum
Stromsparen geben. "Tarife" für Energie müssten von Regulierungsbehörden
festgelegt und "nicht den absurden Marktturbulenzen unterworfen" werden.
Wenig Freude haben Hollweg, Schulmeister und Schuberth mit der von der EU-Kommission angekündigten Reform des Strommarktes. Es gebe darin keine "Veränderungen, die an die Wurzel der Probleme gehen", es werde "weiter auf Energiebörsen und intransparenten Handel mit Energie" gesetzt. "Die Reformpläne tragen eindeutig die Handschrift der großen Energiekonzerne, die sich ihre Profite sichern möchten", schreibt Hollweg in einer Aussendung.