Am Donnerstag waren die Fronten beim Treffen der EU-Verkehrsminister in Luxemburg in Sachen Brenner-Transit verhärtet geblieben.
Verkehrsministerin Leonore Gewessler (Grüne) erklärte am Freitag gegenüber der APA, dass sie sich mit ihrem deutschen Kollegen Volker Wissing (FDP) auf "weitere Gespräche" geeinigt habe. Dazu müsse aber auch Italien bereit sein, an den Verhandlungstisch zurückzukehren.
Thema Transit: Gewessler kündigt Gespräche mit Italien an
Zudem gelte: Zu einem Treffen der Verkehrsminister aus Österreich, Deutschland und Italien könne es erst dann kommen, wenn "alle fachlichen Fragen auf Beamt:innenebene geklärt werden", so Gewessler. "Es muss deutlich erkennbar sein,
dass das Transit-Problem endlich von unseren Nachbarn anerkannt und
konstruktiv an Lösungen mitgewirkt wird, anstatt zu poltern", ließ die
Ministerin wissen. Die Einigung mit Wissing begrüße sie aber sehr.
Aussagen von Wissing ließen Bewegung in der Causa vermuten
Zuvor
hatten Aussagen von Wissing Bewegung in der Causa vermuten lassen. Der
Minister hatte nämlich gegenüber der dpa erklärt, dass Deutschland,
Österreich und Italien die EU-Kommission bitten würden, bis Juli zu einem Ministertreffen einzuladen. Davon wollte man indes im Büro Gewesslers
nichts wissen. Das sei so nicht vereinbart worden, hieß es. Ansonsten
verwies die Verkehrsministerin einmal mehr auf die enorme
Transitbelastung für die Tiroler Bevölkerung und stellte sich hinter die
"Notmaßnahmen" des Bundeslandes zum Schutz der Bevölkerung. Man sei
immer offen für lösungsorientierte Gespräche. "Aber es kann wirklich nicht sein, dass Österreich die Last und Verantwortung hier immer alleine trägt", machte Gewessler klar.
Mattle betonte man werde an Anti-Transitmaßnahmen festhalten
Tirols
Landeshauptmann Anton Mattle (ÖVP) betonte unterdessen gegenüber der
APA erneut, dass an den Anti-Transitmaßnahmen festgehalten werde. Die
EU-Verkehrsminister seien angehalten, "an der Verkehrswende zu arbeiten,
anstatt auf die fossile Retro-Verkehrspolitik von Matteo Salvini
hineinzufallen". "Tirol fordert seit Jahren den Ausbau der Schiene, hat
konstruktive Vorschläge zum Abbau der Schienenhürden vorgestellt, ebenso
Gespräche mit
Südtirol und Bayern aufgenommen und mit dem Slot-System einen neuen
Lösungsansatz präsentiert, um den Transit in die richtigen Bahnen und
letztendlich auf die Schiene zu lenken", erklärte der Landeshauptmann.
Schieder ortete eine "Kopf durch die Wand-Mentalität" von Italien
SPÖ-EU-Abgeordneter und Delegationsleiter Andres Schieder ortete indes eine "Kopf durch die Wand-Mentalität" von Italiens
Verkehrsminister Matteo Salvini. "Es braucht endlich ein Einvernehmen
aller Anrainerstaaten, damit wir zu einer nachhaltigen Lösung des seit
Jahren immer größer werdenden Transitproblems kommen. Man kann den
freien Warenverkehr nicht gegen die Gesundheit von hunderttausenden
Tiroler*innen entlang der Brennerroute aufwiegen", so Schieder in einer
Aussendung.
Lkw-Verkehr über die Brennerroute deutlich gestiegen
Der Lkw-Verkehr über die Brennerroute hat in den
vergangenen Jahrzehnten deutlich zugenommen. Die Zahl der Lastwagen
stieg von 1,1 Millionen im Jahr 2000 auf 2,5 Millionen 2022. Damit
entfielen auf den Brenner heute 40 Prozent des gesamten Alpentransits im
Güterverkehr.
Mit Blockabfertigungen an der austro-deutschen
Grenze dosiert Tirol seit Jahren den Lkw-Verkehr an bestimmten Tagen. In
der Folge kommt es zu langen Staus in Bayern. Dies hatte in den
vergangenen Jahren für viel Streit zwischen Bayern und Tirol gesorgt -
bis hin zu Klagsdrohungen aus dem Freistaat.
Salvini agitiert seit Monaten mit Drohgebärden und heftiger Kritik
Salvini agitiert seit
Monaten mit Drohgebärden und heftiger Kritik gegen die Tiroler
Anti-Transit-Maßnahmen wie Sektorales Fahrverbot, Nachtfahrverbot und
ähnlichem. Er forderte die EU-Kommission sogar offiziell auf, deshalb
ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Österreich einzuleiten. Seinen
deutschen Amtskollegen Wissing hatte er mit im Boot, was die Kritik an
Fahrverboten und transiteinschränkenden Maßnahmen betrifft.
Söder, Mattle und KOmpatscher versuchten das Eis zu brechen
Die
Landeschefs von Bayern, Tirol und Südtirol - Markus Söder (CSU), Mattle
und Arno Kompatscher (SVP) - hatten im April in Kufstein versucht, das
Eis zu brechen und öffentlichkeitswirksam eine Erklärung über ein
"Slot-System" mit buchbaren Lkw-Fahrten präsentiert. Für ein solches
digitales, grenzüberschreitendes Verkehrsmanagement müsste ein Staatsvertrag zwischen Österreich, Deutschland und Italien
abgeschlossen werden. Salvini zeigte sich bisher jedoch strikt
ablehnend - er will erst darüber reden, wenn die transiteinschränkenden
Maßnahmen und Fahrverbote aufgehoben werden. Auch Deutschland reagierte
sehr reserviert. Ablehnend äußerte sich am Freitag übrigens auch der
heimische Zentralverband Spedition & Logistik. Das "Slot-System" für
den Brennerkorridor sei "keine Lösung und ein Angriff auf den freien
Warenverkehr."