Im Verhältnis zu Wirtschaftsleistung hat Österreich in Europa eines der größten Maßnahmenpakete gegen hohe Inflation und Energiepreise geschnürt.
Zwischen Jänner 2022 und Mai 2023 gab es Maßnahmen vom Bund, die bis 2026 auf 48,1 Mrd. Euro kommen. 37,7 Mrd. Euro entfallen auf Privathaushalte. Gut 87 Prozent davon (32,8 Mrd. Euro) werden laut Wifo einkommensunabhängig gewährt, das sei ein grober Indikator zur Treffsicherheit. Viele Hilfen seien auch "klimakontraproduktiv".
7,7 Mrd. Euro Entlastungen für private Haushalte
Von den 37,7 Mrd. Euro Entlastungen für private Haushalte sind 14,6 Mrd. Euro kurzfristige bzw. befristete Hilfen, so das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) weiter. 23,1 Milliarden stellen hingegen dauerhaft-strukturelle Entlastungen dar - wie etwa die Kompensation der kalten Progression und Valorisierung bestimmter Sozialleistungen.
Das Verhältnis von einkommensabhängigen und einkommensunabhängigen Hilfen
ändert sich bei einer nach der Fristigkeit der Maßnahmen
differenzierten Betrachtung: Unabhängig vom Einkommen sind 69,8 Prozent
der kurzfristig wirkenden, jedoch 98 Prozent der strukturell wirkenden
Maßnahmen. Das ist laut Wifo-Wissenschafterinnen und -Wissenschaftern
bedingt durch die Kompensation der kalten Progression und die
Valorisierung einiger Sozialleistungen. Der Fokus der
einkommensabhängigen kurzfristig-temporären Maßnahmen liege auf
Einmalzahlungen für Transferempfängerinnen und -empfänger inklusive
Bezieherinnen und Bezieher von geringen Pensionen, Arbeitnehmerinnen und
Arbeitnehmer mit niedrigen Einkommen sowie Familien mit Kindern.
Hilfen gegen Teuerung: Großteils einkommensunabhängig
Der
Anteil, der hierzulande privaten Haushalten zukommt, beläuft sich auf
78,4 Prozent. An Unternehmen sowie die Land- und Forstwirtschaft gehen
21,6 Prozent.
Für die Unternehmen sowie die Land- und
Forstwirtschaft werden 8,3 Mrd. Euro an kurzfristigen und 2,1 Mrd. Euro
an dauerhaft-strukturellen Maßnahmen wie etwa eine Senkung der
Lohnnebenkosten gewährt.
18,1 Mrd. Euro der Entlastungsmaßnahmen des Bundes weisen einen direkten Energiebezug auf. Schließlich ist die Teuerung wesentlich durch den Anstieg der Energiepreise getrieben. Und bei diesen Entlastungsmaßnahmen wiederum gibt es
laut dem Wirtschaftsforschungsinstitut bei einen erheblichen Anteil
"(nicht intendierte) klimakontraproduktive Wirkungen". Das sei bei 93,3
Prozent dieser Hilfen mit Energiebezug in der Höhe von 16,9 Mrd. Euro der Fall, da es "insgesamt verabsäumt wurde, Anreize für Energiesparmaßnahmen zu setzen".
Bei
Energiekostenzuschüssen, die auf einkommensschwache Haushalte
fokussieren, ist laut Wifo generell nicht davon auszugehen, dass
Energiesparanreize konterkariert werden, da Energiekosten für diese
Haushalte auch nach Bezuschussung einen relevanten Kostenfaktor
darstellen und Einsparpotenziale ohne starke Einschränkungen hier kaum
gegeben seien.
Maßnahmen für einkommensschwache Haushalte stellen Minderheit dar
Allerdings stellen solche auf einkommensschwache
Haushalte fokussierte Maßnahmen die klare Minderheit dar. Mit 93,3
Prozent (16,9 Mrd. Euro) habe ein erheblicher Anteil der
energiebezogenen Entlastungsmaßnahmen (unbeabsichtigte)
klimakontraproduktive Wirkungen. Das entspreche 35,1 Prozent der
gesamten Unterstützungsleistungen des Bundes. Als klimaproduktiv seien
dagegen 530 Mio. Euro (gut 2,9 Prozent der energiebezogenen Maßnahmen)
einzuordnen. 675 Mio. Euro (3,6 Prozent) werden vom Wifo als
klimaneutral eingestuft.
Österreich liegt mit der Höhe seiner Hilfen
(insgesamt 48,7 Mrd. Euro, zu den 48,1 Mrd. vom Bund kommen 600 Mio.
Euro von den Ländern) im Verhältnis zur Wirtschaftleistung im
Europavergleich mit 5,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf Rang 5.
Mehr investierten in BIP-Relation nur die Slowakei (gut 9 Prozent),
Deutschland (gut 7 Prozent), Malta (knapp 7 Prozent) und Bulgarien
(knapp 6 Prozent).
Das Gesamtvolumen besteht hierzulande zu knapp 47 Prozent aus ausgabenseitigen Entlastungen und zu gut 53 Prozent aus Steuer- bzw. Abgabenentlastungen. Von den 37,7 Mrd. Euro Entlastungen für private Haushalte sind 38,7 Prozent kurzfristig bzw. befristet, 61,3 Prozent sind dauerhaft-strukturelle Entlastungen.