In Wien und in Salzburg haben am Donnerstag die Freizeitpädagogen gegen eine geplante Reform ihres Berufsbildes demonstriert.
Ein noch im Diskussionsstadium befindlicher Gesetzesentwurf des Bildungsministeriums sieht vor, dass sie zu "Assistenzpädagogen" werden, auch im Lernteil ganztägiger Schulformen eingesetzt werden und in ein anderes Gehaltsschema wechseln. Matura soll Voraussetzung für die Ausbildung werden, deren Dauer dafür halbiert werden soll.
Demos in Wien und Salzburg
Demo von Freizeitpädagogen am Wiener Stephansplatz
In Wien
hat der Betriebsrat von "Bildung im Mittelpunkt" (BiM), das an 142
öffentlichen Volksschulen den Freizeitteil gestaltet, für 15 Uhr zur
öffentlichen Betriebsversammlung am Stephansplatz und anschließendem
Demomarsch zum Bildungsministerium aufgerufen. 2.000 Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter, waren - unterstützt von Eltern und Kindern - dem Aufruf
nach Angaben von Polizei und Veranstaltern gefolgt. Die Reform brächte
eine Verschlechterung nicht nur für die Freizeitpädagoginnen und
-pädagogen selbst sondern für das gesamte pädagogische Berufsfeld,
warnten die Demonstrierenden. "Wir sind keine Assistentinnen, wir sind
eine eigene Profession!", betonte die "BiM"-Betriebsratsvorsitzende
Selma Schacht, die weiteren Widerstand gegen die geplante Reform
ankündigte. Eine Aktionswoche ab dem 12. Juni wird gerade vorbereitet.
Freizeitpädagogen demonstrierten am Salzburger Mozartplatz
Bereits
von 8.00 bis 10.00 Uhr fand eine vom Betriebsrat des Salzburger "Verein
für Freizeitbetreuung" und der Gewerkschaft GPA organisierte Kundgebung
auf dem Mozartplatz in der Salzburger Altstadt statt. Laut
GPA-Salzburg-Geschäftsführer Michael Huber nahmen daran rund 50 Personen
teil. Am morgigen Freitag sollen die Freizeitpädagoginnen und
-pädagogen in Kärnten auf die Straße gehen, am 15. Juni in der
Steiermark.
Laut dem "BiM"-Betriebsrat, der rund 2.300 Freizeitpädagoginnen und -pädagogen in Wien
vertritt, brächte die geplante Reform Gehaltskürzungen von bis zu einem
Fünftel, "unsinnige Einstiegshürden", eine Verschlechterung der
Ausbildung, eine unklare arbeitsrechtliche Situation und bedeute das Aus
für die Freizeitpädagogik-Anbieter. Die Sozialwirtschaft Österreich
(SWÖ) kritisierte, dass bei dem neuen Modell anstelle von
Trägerorganisationen wie z.B. Hilfswerk, Volkshilfe oder Kinderfreunden
die Bildungsdirektionen der Länder das Angebot direkt verantworten
sollen. Die Reform würde "ein bestens funktionierendes System" zu
gefährden.
Geplante Reform des Berufsbildes von Freizeitpädagogen
Die SPÖ-Bundesbildungsorganisation befürchtet indes,
dass die Reform weniger Ferienbetreuung und ein Abgehen vom
verschränkten Unterricht in Ganztagsschulen bedeuten würde. In Wien,
das bereits über ein gut organisiertes System der Ganztagesbetreuung
verfüge, wäre die Reform "eine enorme Verschlechterung". Die Wiener SPÖ hat deshalb unter https://www.spoe.wien/ganztagsschule-in-gefahr eine Petition gestartet.
Die
Berufsgruppe der Freizeitpädagogen wurde vor zehn Jahren geschaffen, um
trotz Lehrermangels den Personalbedarf beim Ausbau der schulischen
Tagesbetreuung decken zu können. Freizeitpädagogen sind "nur" für die
Freizeitgestaltung zuständig. In der individuellen Lernzeit, in der die
Schüler bei den Hausaufgaben unterstützt werden, dürfen derzeit nur
Lehrer und Erzieher eingesetzt werden.
Freizeitpädagoge und Erzieher als "Assistenzpädagogen"
Der Reformentwurf sieht nun
vor, dass ab Herbst 2024 die zwei Berufsbilder Freizeitpädagoge und
Erzieher durch "Assistenzpädagogen" ersetzt werden, die im gesamten
Betreuungsteil an ganztägigen Schulen einsetzbar sein und diesen sogar
leiten dürfen sollen. Auch bei Bewegungseinheiten und
fächerübergreifenden Einheiten in der Sommerschule sollen sie einsetzbar
sein. Im neuen Modell soll die Matura Zugangsvoraussetzung für die
Ausbildung zum Assistenzpädagogen sein, die Dauer wird im Vergleich zur
Freizeitpädagogen-Ausbildung mit 30 ECTS halbiert. Außerdem soll die
neue Berufsgruppe eine eigene Gehaltstabelle im Lehrerdienstrecht und
eine Lehrverpflichtung von 32 Wochenstunden bekommen.
Grünen-Bildungssprecherin Sibylle Hamann hat die Reform zuletzt gegen Kritik verteidigt. Geplant sei eine Aufwertung der bisherigen Freizeitpädagogen, Verschlechterungen soll es keine geben. Außerdem stecke man noch in den Verhandlungen.