Am Donnerstag forderte der dritte Nationalratspräsident Norbert Hofer (FPÖ) in einer Aussendung, touristische Führungen durch das Parlament nur "qualifizierten Personen" zu überlassen.
Anlass dafür war, dass der SPÖ-Abgeordnete Mario Lindner für 13. Juni zu einer gemeinsamen Führung mit der Dragqueen Candy Licious geladen hatte. Hofer zeigte sich besorgt, dass das Hohe Haus "immer mehr zu einem Veranstaltungszentrum mit geduldeter Gesetzgebung" werde.
"Ich freue mich über das große Interesse am Zentrum unserer Demokratie. Für die Führungen im Haus stehen Abgeordnete, qualifizierte Mitarbeiter sowie eigenes dafür beschäftigte Demokratiebildner zur Verfügung", so der Dritte Nationalratspräsident. Jedem Mandatar stehe es frei, Besucher zu eigenen Führungen einzuladen, dass diese Personen aber selbst beworbene Führungen ausrichten, widerspreche den Gepflogenheiten des Hauses.
"Als Abgeordneter und ehemaliger Präsident des Bundesrates sehe ich mich durchaus als qualifizierte Person für eine Führung durch
das Hohe Haus", entgegnete Lindner dem gegenüber der APA. Dass er die
Führung gemeinsam mit Candy Licious mache, sei ein wichtiges Zeichen,
"in einer Zeit, in der Dragqueens immer öfter zum Opfer rechter Hetze
und Gewalt werden". So mobilisierten rechte und rechtsextreme Gruppen im
April massiv gegen eine Kinderbuch-Lesung einer Dragqueen, vor einem
Jahr hatten eben jene Gruppen vor dem Eingang einer Bücherei, in der
eine Lesung von Candy Licious stattfand, aus Protest eine Mauer
errichtet.