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Warnung vor Badeunfällen vor allem bei Kindern

1-06-2023, 05:00

Das Kuratorium für Verkehrssicherheit warnt angesichts steigender Temperaturen vor tödlichen Badenunfällen. In Österreich würden 9.000 Schwimmkurse für Schulkinder fehlen.

Aufgrund der Ausfälle fehlen laut dem Bereich Sport- und Freizeitsicherheit im KFV für Österreichs Schulkinder mindestens 9.000 Schwimmkurse. In diesem Jahr sind bereits mindestens zwei Kinder, ein Jugendlicher und ein junger Erwachsener ertrunken – inklusive den Erwachsenen starben mindestens 13 Menschen im Wasser. Das KFV warnt angesichts steigender Temperaturen vor weiteren Opfern und fordert die Umsetzung des Regierungsprogramms.

KFV warnt vor tödlichen Badenunfällen mit Kindern

Bereits im Schulalter würden laut KFV große Defizite bei Mädchen und Buben herrschen: Jedes zehnte Kind und jeder zehnte Jugendliche zwischen fünf und 19 Jahren kann nicht schwimmen. Besonders die Corona-Pandemie habe mit den Ausfällen von Schwimmkursen zu Verschlechterungen geführt. Nach Angaben aus dem Bereich Sport- und Freizeitsicherheit im KFV fehlen für Österreichs Schulkinder mindestens 9.000 Schwimmkurse. Inklusive Erwachsener starben in diesem Jahr bereits mindestens 13 Menschen im Wasser. Laut KFV-Erhebungen können sieben Prozent der österreichischen Bevölkerung ab fünf Jahren nicht schwimmen - das sind rund 600.000 Betroffene.

Schwimmkurse: Kinder sollten sich zumindest ans Ufer retten können

Nach Zwischenfällen im Verkehr ist das Ertrinken die zweithäufigste Todesursache bei Kinderunfällen. Im Jahr 2022 sind laut vorläufigen KFV-Daten fünf Kinder ertrunken. Insgesamt waren es mindestens 33 Personen, die ihr Leben im Wasser verloren haben. In diesem Jahr gab es zwei Todesfälle von Kindern: einmal in einem Thermalbad sowie in einem Biotop. Ein Jugendlicher und ein junger Erwachsener starben in zwei heimischen Badeseen. Zum Vergleich: Laut Statistik Austria sind von 2012 bis 2021 in Österreich pro Jahr zwischen 22 und 47 Menschen ertrunken.

"Aufgrund der Covid-19-Pandemie sind viele Schwimmkurse im Rahmen des Schulsportunterrichts ausgefallen und konnten oft auch nicht nachgeholt werden. Viele Kinder und Jugendliche können aktuell gar nicht, unsicher oder im besten Fall nur mittelmäßig schwimmen", warnte Johanna Trauner-Karner, Leiterin des Bereichs Sport- und Freizeitsicherheit im KFV vor der beginnenden Sommerbadesaison. Kinder müssten keine Profischwimmer werden, aber bei einem Fall ins Wasser, sollte jedes Mädchen und jeder Bub in der Lage sein, sich ans Ufer oder den Beckenrand zu retten.

Unterstützung für Schulen bei Schwimmkursen gefordert

Die Expertin betont die Wichtigkeit, das Schwimmen bereits von klein auf zu lernen und alle Bevölkerungsgruppen einzubeziehen: „Viele Kinder haben nicht die Möglichkeit außerhalb der Schule schwimmen zu lernen, beispielsweise weil die Eltern nicht die zeitlichen oder finanziellen Ressourcen haben. Deswegen kommt dem Schwimmunterricht an den Schulen eine besonders wichtige Bedeutung zu. Dort erreicht man alle Kinder – unabhängig vom sozioökonomischen Status der Erziehungsberechtigten“. Allerdings benötigen das Schulsystem dafür auch adäquate finanzielle und personelle (externe) Ressourcen sowie die Verfügbarkeit einer flächendeckenden Bäderinfrastruktur.

KFV pocht auf die Umsetzung des Regierungsprogramms

Jeder Zehnte zwischen fünf und 19 Jahren kann nicht schwimmen. Mangelnde Schwimmkenntnisse sind allerdings kein Phänomen, das nur schulpflichtige Kinder und Jugendliche betrifft, sondern auch Erwachsene. Laut KFV-Erhebungen können sieben Prozent der österreichischen Bevölkerung (ab 5 Jahren) nicht schwimmen – das sind rund 600.000 Betroffene. Trauner-Karner betont daher: „Auch in Zeiten der Teuerung müssen auf allen Ebenen die Anstrengungen intensiviert werden, um das Schwimmen und Schwimmenlernen zu forcieren. Das ist auch so im Regierungsprogramm verankert“. Auf Seite 44 heißt es dort: „Schwimmkurse für alle: Ein österreichweites Konzept für Gratisschwimmkurse für alle Menschen ist zu erarbeiten und umzusetzen“. Trauner-Karner dazu: „Die zeitnahe Umsetzung des Regierungsprogramms, ausreichende finanzielle Unterstützung der Bildungsinstitutionen und geförderte Programme wären jetzt besonders wichtig“.

Selbstrettungsschwimm-Trainings

Ausgewählte Schwimmschulen bieten auch sogenannte Selbstrettungsschwimmtrainings an. Pilotprojekte des KFV in diesem Bereich zeigen große Erfolge. Schwimmschulen, die dieses Format in ihr Portfolio aufnehmen möchten, können sich unter melden. Weitere Infos unter . Selbstrettungsschwimmtrainings sind zwar kein vollwertiger Ersatz für Schwimmkurse, die Kinder lernen dort aber, wie sie sich bei einem Sturz ins Wasser eigenhändig ans Ufer bzw. den Beckenrand retten können. 

KFV-Sicherheitstipps

  • Kleinkinder sollten immer in unmittelbarer Reichweite beaufsichtigt werden, größere Kinder in Sichtweite. Sind mehrere Personen vor Ort, sollte eine Person konkret für die Beaufsichtigung der Kinder zuständig sein.
  • In der Regel lernen Kinder in einem Schwimmbecken schwimmen. Beim Schwimmen in offenen Gewässern sollte berücksichtigt werden, dass hier andere Bedingungen (Wind, kaltes Wasser, Strömung, Wellen, …) herrschen. Das gilt auch für Erwachsene.
  • Kinder sollten Badebekleidung in gut sichtbaren, grellen Farben tragen. Dadurch behält man sie besser im Auge und im absoluten Notfall werden sie dadurch auch unter Wasser schneller aufgefunden.
  • Kindern nicht die Aufsicht über andere (kleinere) Kinder übertragen: Sie sind noch nicht in der Lage, die Verantwortung für andere Kinder im und am Wasser zu übernehmen.
  • Selbst bei Planschbecken im eigenen Garten sollten Kinder niemals unbeaufsichtigt bleiben. Entleeren Sie Planschbecken sofort nach dem Gebrauch - auch geringe Wassertiefen sind für Kleinkinder gefährlich.
  • Sichern Sie Pools, Biotope und Schwimmteiche mit einem Zaun sowie einer selbstschließenden Tür. Dadurch wird der direkte Zugang zum Wasser verhindert – denn auch rechtlich gilt: Wer eine Gefahrenquelle schafft, muss diese auch absichern.
  • Alarmsysteme für Pools und Gartenteiche bieten zusätzliche Sicherheit, können aber eine Aufsichtsperson nicht ersetzen.
  • Entfernen Sie die Einstiegsleitern, wenn gerade nicht im Wasser geplanscht werden soll - Leitern, Treppen und Rutschen wirken insbesondere auf kleine Kinder wie eine Einladung.
  • Auf Booten sollten Kinder immer eine ohnmachtssichere Schwimmweste bzw. Rettungsweste tragen.
  • Wer sich in offenen Gewässern weit vom Ufer entfernt, sollte eine Schwimmboje mitführen. Falls man müde wird, kann man sich daran festzuhalten und um Hilfe rufen bzw. nach einer Erholungsphase ans Ufer zurückzuschwimmen. Aber Achtung: Schwimmbojen sind keine Schwimmhilfen bzw. Schutzausrüstung und nur für erfahrene Schwimmer*innen zur Unterstützung geeignet.

(APA/Red)

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