Aufgrund der ab April erfolgten schrittweisen Umstellung von E5- auf E10-Superbenzin 95 in Österreich erwartet sich der Verkehrsclub ÖAMTC erwartet keinen merkbaren Benzinpreis-Anstieg.
Bei E10 wird dem fossilen Benzin zu 10 Prozent aus Agrarprodukten und Bio-Abfallprodukten hergestelltes Bioethanol beigemischt. "Eine Preissteigerung an der Zapfsäule findet nicht statt", sagte ÖAMTC-Direktor Oliver Schmerold am Freitag bei einer Pressekonferenz im Agrana-Bioethanolwerk in Pischelsdorf (NÖ).
Einführung von E10-Benzin in Österreich
Seit April hätten sich die Benzinpreise "im Rahmen der normalen Bewegung" entwickelt, so der ÖAMTC-Direktor. Um den Fahrzeugbestand in Europa weiter klimafreundlicher zu machen, sei E20 "mittelfristig für Europa eine vernünftige Zielsetzung".
Die Agrana betreibt seit
2008 eine Bioraffinerieanlage in Pischelsdorf (NÖ) und hat seitdem rund
300 Mio. Euro in den Standort investiert. Aus Futtermais und
Futterweizen werden dort Weizenstärke, Weizengluten, Eiweißfuttermittel
und Bioethanol hergestellt. Die Bioethanolanlage war bereits auf den
Ethanolbedarf in Österreich bei einer Einführung von E10 ausgelegt. In
den vergangenen Jahren wurde rund die Hälfte des Bioethanols aus dem
Agrana-Werk exportiert.
Erhöhung der Beimischung war schon länger Thema
Die Erhöhung der Beimischung war schon
länger ein Thema in Österreich. Im Herbst 2012 blies der damalige
Landwirtschafts- und Umweltminister Nikolaus Berlakovich (ÖVP) die
Einführung von E10 aufgrund politischen Gegenwindes zwei Wochen vor dem
geplanten Termin ab. Die Erhöhung der Bioethanol-Beimischung bei Benzin
von 5 auf 10 Prozent hat die türkis-grüne Bundesregierung in ihrem
Regierungsprogramm 2020-2024 verankert.
Hintergrund für die
schrittweise Einführung ist die Novelle der Kraftstoffverordnung, die
seit Anfang 2023 in Kraft ist. Die Novelle der Kraftstoffverordnung
schreibt E10 zwar nicht direkt vor, allerdings verpflichtet das Gesetz
die Tankstellenbetreiber, die dadurch verursachten
Treibhausgasemissionen schrittweise zu senken. Da mit der Novelle zudem
andere Reduktionsmöglichkeiten teilweise nicht mehr angerechnet werden
können, blieb den Tankstellen als Alternative fast nur die Einführung
von E10. Der beigemischte Bioethanol-Anteil gilt als klimaneutral, da
das freigesetzte CO2 zuvor beim Wachsen der Pflanzen aus der Luft
gebunden wurde.
ÖAMTC erwarten keinen Benzinpreis-Anstieg
Ohne großes Aufsehen haben die Tankstellen in
Österreich seit April von E5- auf E10-Superbenzin umgestellt. Laut dem
WKÖ-Fachverband der Mineralölindustrie ist E10 nun an fast allen
österreichischen Tankstellen verfügbar.
"Wir freuen uns, dass es
jetzt gelungen ist, diesen Schritt zu gehen", sagte Agrana-Chef Markus
Mühleisen bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit dem
niederösterreichischen Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf
(ÖVP) und ÖAMTC-Direktor Schmerold. "Gewinner der E10 Einführung ist die
österreichische Klimabilanz", so der Agrana-Chef. Pernkopf verwies auf
die positiven Auswirkungen der E10-Einführung auf Umwelt und Wirtschaft.
"Statt wertvollen Bio-Treibstoff weiterhin ins Ausland zu exportieren,
kann er jetzt sofort im Inland genutzt werden. Energie aus der Heimat
statt aus Russland oder von den Saudis", so der Politiker.
Umweltorganisationen kritisierten Einsatz von E10
Umweltschutzorganisationen
haben aber stets den Einsatz von E10 kritisiert und darauf hingewiesen,
dass "Energiepflanzen" für die Bioethanolproduktion weltweit immer mehr
Anbauflächen für Lebensmittel verdrängen.
In der Vergangenheit war die Verträglichkeit von E10 für Automotoren mehrfach ein Thema. Laut einer ÖAMTC-Auswertung der Bestandsfahrzeuge Anfang 2023 - ohne Fahrzeuge mit einer Erstzulassung vor mindestens 30 Jahren - vertragen 98,3 Prozent der Benzin-Pkw in Österreich den 10-prozentigen Bioethanolanteil. Branchen- und Interessensvertreter haben auch eine Informationsplattform https://e10tanken.at/ ins Leben gerufen. Neben Österreich ist E10 in Europa in 15 EU-Ländern (u. a. Deutschland, Frankreich) und in Großbritannien verfügbar.