Am Freitag präsentierte die schwarz-blaue Regierung in Salzburg ihr Programm. Kritik kam von den Grünen, SPÖ, NEOS und NGOs.
"Mit der FPÖ regiert nun die politische Unkultur in Form von Hass und Hetze im Kulturland Salzburg", ätzte die Generalsekretärin der Grünen, Olga Voglauer. Der Salzburger SPÖ-Landesparteichef David Egger prophezeite eine "Stillstandsregierung mit null Ansagen für die Zukunft". Der WWF warnte vor Kahlschlag beim Naturschutz.
Kritik an schwarz-blauem Programm in Salzburg
"Nun ist also fix, was sich bereits angebahnt hat: Landeshauptmann Haslauer hat den reaktionären Versuchungen nachgegeben und sich gegen eine in die Zukunft gerichtete Regierung und für das alte Denken entschieden", erklärte Voglauer in einer Presseaussendung. Wilfried Haslauer (ÖVP) trage die Verantwortung dafür, "dass am Kulturstandort Salzburg nun die politische Unkultur der FPÖ in Form von Hass und Hetze mitregiert".
Voglauer kritisierte Kooperation mit FPÖ
Es sei äußerst bedauerlich, dass sich Haslauer und
die Landes-ÖVP dazu entschieden haben, ihre christlich-sozialen Werte
hinter sich zu lassen und "rechten Hetzern, Spaltern und
deutschnationalen Burschenschaftern in Regierungsämter zu verhelfen".
Wie ein respektvoller Umgang und eine sorgsame Sprache mit dem
verlängerten Arm der Kickl-FPÖ umgesetzt werden sollen, scheine
angesichts der gewaltvollen Sprache, der sich die FPÖ immer wieder
bediene, unvorstellbar, so Voglauer. Sie kündigte an, dass die Grünen in
Salzburg jedenfalls weiterhin eine starke Stimme für Klimaschutz und
soziale Gerechtigkeit sein werden und den Regierungsverantwortlichen
genau auf die Finger schauen.
"Schwarz-Blau bringt eine rechte Regierung im Rückwärtsgang"
Auch die scheidende Salzburger Landeshauptmann-Stellvertreterin Martina Berthold (Grüne) meldete sich zu Wort: "Schwarz-Blau
bringt eine rechte Regierung im Rückwärtsgang. Statt Visionen wurden
heute zahlreiche Rückschritte vorgestellt." Auffallend sei, dass das
neue Regierungsteam Klimaschutz mit keinem einzigen Wort erwähnt habe.
"Die Klimakrise ist die größte Herausforderung unserer Zeit, und der
neuen Landesregierung ist sie keine einzige Erwähnung wert. Statt uns
endlich von den teuren und klimaschädlichen fossilen Energieträgern Öl
und Gas unabhängig zu machen, wurden die bisherigen Energieziele als
unerreichbar ad acta gelegt. Das freut vermutlich nur Putin und seine
freiheitlichen Freunde, wird den Menschen in Salzburg aber teuer zu
stehen kommen", erklärte die Grüne Landessprecherin.
SPÖ: "Stillstandsregierung mit null Ansagen für die Zukunft"
Der
Salzburger SPÖ-Chef David Egger prognostiziere eine
"Stillstandsregierung mit null Ansagen für die Zukunft" in Salzburg.
"Der Aufstieg von Kronprinz Stefan Schnöll in der Landesregierung zum
Landeshauptmann-Stellvertreter mit neuen Agenden wie Wirtschaft, Arbeit,
Tourismus und Gemeinden zeigt, Haslauer wird nicht bis 2028 bleiben."
Die heutigen Ankündigungen in wichtigen Bereichen wie Wohnen, Pflege,
Kinderbildung oder Sozialbereich bezeichnete Egger als oberflächlich und
substanzlos. "Die Freiheitlichen haben sich zum Schleuderpreis
hergegeben und dürfen sich mit Ressorts wie Wohnen, Raumordnung,
Grundverkehr und Soziales abarbeiten." Zukunftslösungen und innovative
Ansätze für Salzburg habe die FPÖ nach wie vor keine.
Auch die NEOS übten Kritik an der schwarz-blauen Regierung
Kritik übten
auch die NEOS. Die ÖVP beweise wieder einmal, dass ihre Aussagen vor
der Wahl nach dem Wahltag nichts gelten, erklärte Generalsekretär
Douglas Hoyos. "Um an der Macht zu bleiben, verschanzt sich die ÖVP in
der blauen Festung und überlässt der FPÖ sogar die wichtigen Ressorts
Umweltschutz und Integration." Die ÖVP habe ihr einziges politisches
Interesse gezeigt, und das sei Macht um jeden Preis. "Nach
Oberösterreich, Niederösterreich und Salzburg müssen die
Österreicherinnen und Österreicher davon ausgehen, dass wir auch nach
den nächsten Wahlen mit gebrochenen Versprechen der ÖVP und einer
zukunftsvergessenen Regierung aufwachen." Der Salzburger
NEOS-Interimssprecher Lukas Rößlhuber meinte, Marlene Svazek und die FPÖ
müssten jetzt beweisen, dass sie Verantwortung übernehmen können und
nicht den Stil der Bundes-FPÖ nach Salzburg holen.
SOS Mitmensch: "Gefährlicher politischer Dammbruch"
Wie erwartet hagelte es auch Kritik gegen Schwarz-Blau
in Salzburg von NGOs. SOS Mitmensch sprach "von einem gefährlichen
politischen Dammbruch und einem Sündenfall von Landeshauptmann Wilfried
Haslauer". Er befördere durch den schwarz-blauen
Pakt Personen in Machtpositionen, "die mehrfach ihre Nähe zu radikal
rechtsextremen Kreisen haben erkennen lassen". "FPÖ-Obfrau Marlene
Svazek hat die rechtsextreme Szene mit Inseraten gefüttert. Sie ist vor
der Wahl in einem Fanblatt der radikal rechtsextremen "Identitären"
aufgetreten. Und sie vertritt den radikalisierten Kickl-Kurs." Haslauer
handle unverantwortlich, wenn er Svazek jetzt mit politischer Macht
ausstatte, kritisierte Alexander Pollak, Sprecher von SOS Mitmensch.
ÖKOBÜRO warnte vor Einschnitten im Natur- und Umweltschutz
ÖKOBÜRO,
die Allianz der Umweltbewegung, warnte vor geplanten Einschnitten im
Natur- und Umweltschutz. "Das heute vorgestellte Regierungsprogramm
zeigt wenig Interesse an Verbesserung und einige geplante Einschnitte in
Rechtsschutz und Beteiligung im Umweltrecht - inmitten der größten
Klima- und Biodiversitätskrise ein fatales Signal", erklärte
Geschäftsführer Thomas Alge. Der WWF warnte vor einem Kahlschlag beim
Naturschutz. "Die neue Landesregierung will insbesondere die
Umweltanwaltschaft schwächen und wichtige Schutzstandards unterwandern",
erklärte WWF-Programmleiterin Hanna Simons. Das sei kurzsichtig und
gefährlich. "Ohne den Erhalt der Natur lassen sich auch die Klimaziele
nicht erreichen." Simons vermisst zudem eine glaubwürdige Energiespar-
und Bodenschutz-Offensive, "obwohl es hier große Defizite gibt".
Umweltdachverband sieht Natur in Salzburg in Gefahr
Der
Umweltdachverband sieht Natur und Umweltrecht in Salzburg in Gefahr. Es
drohe eine massive Schwächung des Naturschutzes und die Entmachtung der
Landesumweltanwaltschaft (LUA), die eine der letzten Instanzen sei, die
auf Landesebene dem Wildwuchs von naturzerstörerischen Projekten
Einhalt gebieten könne. Ohne Sicherung und Bewahrung intakter
Ökosysteme, die als Kohlenstoff senkend und dämpfend bei der
Klimaerhitzung wirken, seien auch die Klimaziele nicht erreichbar",
betonte Franz Maier, Präsident des Umweltdachverbandes.
Edtstadler gratulierte Parteikollegen in Salzburg
Europaministerin
Karoline Edtstadler (ÖVP) gratulierte hingegen ihren Parteikollegen in
Salzburg "zum erfolgreichen Abschluss der Koalitionsverhandlungen". Das
heute vorgestellte Regierungsübereinkommen gewährleiste Stabilität und
Lebensqualität für Salzburg. "Es zeigt einen klaren Weg für die
Gestaltung eines zukunftsgerichteten Salzburg auf." Zudem werde auch
sichergestellt, dass Salzburg Aushängeschild für Kunst und Kultur
bleibe. Zur Kritik, dass die ÖVP eine Koalition mit FPÖ eingeht, sagte
Edtstadler: "Die Salzburger Koalition bildet den Wählerwillen ab. Die
stärkste Kraft nach den Landtagswahlen arbeitet mit der zweitstärksten
zusammen. Es ist unsere Aufgabe als Demokratinnen und Demokraten,
Wahlergebnisse zu akzeptieren. Das Ergebnis der Regierungsverhandlungen
zeigt klar, es gibt auch konstruktive Kräfte in der FPÖ."
FPÖ-Chef Herbert Kickl zeigte sich optimistisch
FPÖ-Bundesparteichef
Herbert Kickl zeigte sich angesichts einer weiteren
FPÖ-Regierungsbeteiligung in einem Bundesland optimistisch, dass nach
den kommenden Nationalratswahlen an der Spitze der Bundesregierung ein
freiheitlicher Bundeskanzler stehen wird. "Die nächste Stufe für eine
politische Wende auf Bundesebene zu einer Politik für die eigene
Bevölkerung wurde geschafft", gratulierte er der Salzburger FPÖ. Diese
werde "mehr Gerechtigkeit, Heimatschutz und ein großes Herz" für die
Salzburger Bevölkerung in die Landesregierung bringen. Er habe vollstes
Vertrauen, dass diese freiheitliche Regierungsbeteiligung "einen
deutlich spürbaren, positiven Unterschied zu den vergangenen
Regierungsperioden für die Salzburger Bürger in allen Bereichen bringen
wird". Eine von einem freiheitlichen Bundeskanzler geführte
Bundesregierung werde auch "die neue Völkerwanderung über unsere Grenzen
genauso effektiv bekämpfen, wie den zunehmenden Verlust unserer
Selbstbestimmung an supranationale Institutionen wie die EU oder die WHO
und die Souveränität Österreichs wieder zurückholen".