Am Donnerstag wurde der Corona-Fonds im niederösterreichischen Landtag mit den Stimmen von Schwarz-Blau beschlossen.
SPÖ, Grüne und NEOS sahen in der 31,3 Millionen Euro schweren Unterstützung eine "Mitgift" bzw. "Morgengabe" der Volkspartei an die Freiheitlichen und einen "Blankoscheck". Bemängelt wurden vorerst fehlende Richtlinien und eine unklare Herkunft der Mittel. Dass ÖVP und Freiheitliche eine Auslieferung von Gottfried Waldhäusl (FPÖ) ablehnen, stieß auf Kritik.
Corona-Fonds im NÖ Landtag beschlossen
SPÖ-Klubobmann Hannes Weninger bezeichnete den Corona-Fonds als "sündteure Mitgift der ÖVP für die FPÖ", für die nicht der Brautvater, sondern der niederösterreichische Steuerzahler aufkommen müsse. Ähnlich äußerten sich NEOS-Abgeordneter Helmut Hofer-Gruber und die Grüne Klubobfrau Helga Krismer, die eine "Morgengabe der ÖVP an die Freiheitliche Partei, damit diese Koalition starten konnte", ortete. Die pinke Mandatarin Edith Kollermann sprach sich zwar für die geplante Rückzahlung verfassungswidriger Corona-Strafen aus, sah aber insgesamt einen "Fonds, der vor unklaren, schwammigen Formulierungen und fehlenden Legaldefinitionen nur so strotzt" und einen "intransparenten, sehr schlecht gemachten Entwurf".
Die Richtlinien seien zur
Beschlussfassung vorzulegen, betonte Kollermann. Die Details sollen noch
von der Landesregierung ausgearbeitet werden. Einem "Blankoscheck"
werde man jedenfalls nicht zustimmen, waren sich Kollermann und Krismer
einig. Die Frage nach der Herkunft der Mittel konnte laut Grünen und
NEOS im zuständigen Ausschuss nicht beantwortet werden. "Wir lehnen
diesen kuriosen Fonds aus tiefster Überzeugung ab", hielt SPÖ-Klubchef
Weninger fest.
Corona-Fonds von Schwarz-Blau beschlossen
FPÖ-Klubobmann Reinhard Teufel verwies auf die
Absicht, "Gräben zuzuschütten", und bezeichnete die Unterstützung als
"Herzstück der Versöhnung". Mit dem "Covid-Hilfsfonds für Corona-Folgen"
sollen u. a. pandemiebedingte Therapien und Nachhilfe sowie Vereine
unterstützt werden. Der Schwerpunkt liege auf Kindern, Jugendlichen und
Familien, betonte FPÖ-Abgeordneter Richard Punz: "Heute schlägt die
Stunde der Gerechtigkeit und es wird für ein Stück echte Veränderung in Niederösterreich gesorgt." Ziel des Fonds sei es, Schäden abzudecken und zu lindern, erklärte ÖVP-Abgeordneter Franz Dinhobl.
Weitere
Beschlüsse betrafen etwa ein Gemeindepaket, das eine Erhöhung der
Bürgermeisterbezüge sowie eine Mutterschutz- und Karenzregelung für das
Amt vorsieht, sowie ein Ende für nicht-amtliche Stimmzettel bei
Kommunalwahlen. Einstimmig fixiert wurde die Abschaffung des seit 2020
ausgesetzten Interessentenbeitrags sowie die Erhöhung und
Vereinheitlichung der Nächtigungstaxe. Mit der Änderung des
Tourismusgesetzes soll diese nun 2,50 Euro und in Kurorten 2,90 Euro
betragen.
Zwei Aktuelle Stunden zu Beginn der Sitzung in NÖ
Zu Beginn der Sitzung gab es zwei Aktuelle Stunden. Auf
SPÖ-Antrag wurde über das Thema "Pendlerinnen und Pendler nicht auf der
Strecke lassen! Pendlerpauschale verlängern, Teuerung stoppen!"
diskutiert. "Sicherheit im Umgang mit dem Wolf in Niederösterreich" lautete der Titel einer Aktuellen Stunde von ÖVP und FPÖ.
Auf der Tagesordnung stand auch ein Auslieferungsersuchen der Staatsanwaltschaft Wien wegen einer Anzeige wegen Verhetzung nach Äußerungen von Waldhäusl bei oe24.tv. Der Freiheitliche tätigte die Aussagen in seiner Zeit als Asyl-Landesrat, nun ist er Zweiter Landtagspräsident. ÖVP und FPÖ sprechen sich gegen das Auslieferungsersuchen aus, der Antrag lautete daher nach Behandlung im Rechts- und Verfassungsausschuss auf Ablehnung. Kritik kam von der Menschenrechtsorganisation SOS Mitmensch, die die Anzeige erstattet hatte. Waldhäusl sei zum Zeitpunkt seiner unter Verhetzungsverdacht stehenden Äußerungen kein Abgeordneter und damit nicht politisch immun gewesen, wurde am Donnerstag in einer Aussendung betont.