50.000 Lkw-Ladungen an Lebensmitteln landen in Österreich jedes Jahr im Müll, wie die Wiener Tafel vorrechnete. Privathaushalte schaffen dabei leider die absolute Mehrheit.
Eine Million Tonnen Lebensmittel landet jedes Jahr im Müll. Würde man diese Menge zu je 18 Tonnen in Lkw laden, würden 50.000 Schwerfahrzeuge benötigt, die hintereinander aufgestellt eine Kolonne von Wien bis Zürich ergeben, berichtete die Wiener Tafel anlässlich des Tages der Lebensmittelrettung am kommenden Freitag (26. Mai). Frappierend daran: Die Privathaushalte schaffen dabei eine absolute Mehrheit. 58 Prozent der noch verwertbaren Lebensmittel landen privat im Müll.
Wiener Tafel informiert zum Tag der Lebensmittelrettung am 26. Mai
14 Prozent der noch genießbaren Lebensmittel im Abfall kommen aus der Verarbeitung, neun Prozent aus Supermärkten und Großhandel sowie 19 Prozent aus dem Außer-Haus-Verzehr, also, grob gesagt, aus der Gastronomie und Gemeinschaftsküchen, so die Wiener Tafel unter Berufung auf Daten der Initiative "Land schafft Leben". Um dem entgegenzuwirken, müsse bereits im Kindesalter mehr Wissen zu Lebensmitteln aufgebaut werden, sagte Maria Fanninger, Gründerin von "Land schafft Leben". Die Vermittlung dieses Wissens sollte daher auch eine wichtige Rolle in den Schulen einnehmen.
Ähnlich Alexandra Gruber, Geschäftsführerin der Wiener Tafel: "Immer noch landen Unmengen an gutem Essen im Müll, während rund 500.000 Menschen in Österreich nicht wissen, wie sie sich angemessen ernähren sollen. Um das zu ändern, müssen wir Wissen und Bewusstsein schaffen", sagte sie.
Lebensmittelverschwendung hat Einfluss auf Klimawandel
Der WWF forderte zum Tag der
Lebensmittelrettung einen Fünf-Punkte-Plan und machte auch darauf
aufmerksam, welche Auswirkungen die weggeworfenen Lebensmittel auf den
Klimawandel haben. "Rund zehn Prozent des globalen Ausstoßes an
Treibhausgasen gehen auf das Konto von Lebensmittelverschwendung", sagte
Dominik Heizmann, Sprecher für nachhaltige Ernährung des WWF
Österreich.
Der Forderungskatalog: Erstens müssen demnach verbindliche Ziele zur Reduktion von Lebensmittelabfällen für alle Sektoren der Wertschöpfungskette beschlossen werden, so der WWF. Zweitens müssten klare Spielregeln geschaffen werden, indem die Bundesregierung eine eindeutige Hierarchie im Umgang mit Lebensmittelüberschüssen festlegt. Oberste Priorität habe deren Vermeidung, gefolgt von der Weiterverarbeitung und Weitergabe. Zur energetischen Nutzung und Entsorgung von Lebensmitteln sollte es nur kommen, wenn alle anderen Optionen ausgeschöpft sind.
Regierung soll Anreize gegen sinnloses Wegwerfen schaffen
Drittens ist
laut WWF die Lebensmittelweitergabe zu fördern und sinnloses Wegwerfen
zu vermeiden. Dafür müsste die Regierung rechtliche Hürden abbauen und
steuerliche Anreize setzen. Viertens ist der Naturschutzorganisation
zufolge die Datenlage zu verbessern, wofür "alle Sektoren der
Wertschöpfungskette mehr Informationen zu den Mengen und Ursachen von
Lebensmittelabfällen liefern müssen". Belastbare Daten für die
Landwirtschaft würden beispielsweise bisher fehlen. Und fünftens gehe es
darum, mehr Aufklärung - etwa in Schulen und Ausbildungsstätten - zu
ermöglichen.