Die frühzeitige Freilassung von verurteilten Schleppern in Ungarn sorgt für diplomatische Spannungen zwischen Wien und Budapest. Ungarns Botschafter ist am Montag ins Außenamt zitiert worden.
"Wir wollen volle Aufklärung, weil wir halten das für ein völlig falsches Signal", sagte Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) am Montag in Brüssel. Man werde "auch heute noch den ungarischen Botschafter dazu ins Außenministerium holen". Schallenberg sprach nach eigenen Angaben bereits am Sonntag mit seinem ungarischen Kollegen Péter Szijjártó.
In den vergangenen Tagen habe es "beunruhigende" Medienberichte gegeben, dass Ungarn scheinbar hunderte verurteilte Menschenschlepper freilassen will, erklärte Schallenberg. Das "scheinbare" Argument Budapests, Ausländer in den Gefängnissen zu haben, sei zu teuer, stehe im Widerspruch zur "scheinbar klaren Linie" der Vergangenheit Ungarns gegenüber Menschenschlepperei.
Gemäß einer
Verordnung, welche die rechtsnationale ungarische Regierung von Viktor
Orbán Ende des Vormonats erlassen hat, werden inhaftierte Schlepper aus
dem Ausland freigelassen, wenn sie Ungarn innerhalb von 72 Stunden
verlassen. Das ungarische Strafrecht sieht an sich langjährige
Haftstrafen von zwei bis 20 Jahren für Menschenschmuggel vor.
Kanzleramtsminister Gergely Gulyás begründete den Schritt damit, dass
die Inhaftierung ausländischer Straftäter zu teuer käme.