Der Lebensmittelhandel sieht sich nicht als Profiteuer der Teuerung in Österreich. Weil man nicht der Buhmann der Nation sein will, wurde ein Brief an die Bundesregierung geschrieben.
Die Firmenchefs bzw. -chefinnen von Spar, Rewe, Hofer, Lidl, MPreis, Unimarkt, Denns, 1.600 selbstständige Kaufleute sowie Vertreter vom Handelsverband fordern darin mehr Fairness in der Diskussion. "Das Narrativ, wonach der Lebensmitteleinzelhandel der große Profiteur der hohen Inflation sei, stimmt nicht."
Mit "großer Verwunderung und Irritation" habe man den letzten Auftritt der Klubchefin der Grünen (Siegrid Maurer, Anm.) in der ORF-Pressestunde wahrgenommen, bei dem der Lebensmitteleinzelhandel de facto als alleiniger Verursacher der Teuerung hingestellt worden sei. "Derart rufschädigende und irreführende Kommentare können wir nicht länger hinnehmen", heißt es in dem Brief. Die Branche weist erneut darauf hin, dass die Gewinnspanne eines Handelsunternehmens nicht die Differenz zwischen Verkaufspreis und Einkaufspreis sei.
Im März verteuerten
sich Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke in Österreich im Schnitt
nach HVPI-Berechnung um 14,6 Prozent. Am Mittwoch wird die Statistik
Austria die Inflationsdaten für April veröffentlichen. Opposition und
Gewerkschaft fordern schon länger die Aussetzung der Mehrwertsteuer auf
Grundnahrungsmittel. "Preisregulierungen sind das einzige, was
nachhaltig gegen die Teuerung hilft und es ist höchst an der Zeit, dass
dies auch in Österreich umgesetzt wird", so SPÖ-Wirtschaftssprecher
Christoph Matznetter am Dienstag laut einer Aussendung. Auch unter den
Handelsvertretern werden Rufe nach einer Senkung der Mehrwertsteuer
lauter.