Am Montag wurde der Antrag von Volkspartei und Grünen auf eine Sonderprüfung der Kontrollsysteme im St. Pöltner Rathaus zu Fehlbeträgen in der Stadtkasse eingebracht.
Mit der Unterschrift von NEOS-Mandatar Niko Formanek hätten 14 Mandatare und damit ein Drittel das Ansinnen unterstützt, das somit in der nächsten Sitzung "automatisch mit zur Verhandlung steht", teilte die ÖVP mit. Ein Parteiengespräch mit Bürgermeister Matthias Stadler (SPÖ) finde am Dienstag statt.
Ob der Antrag in der eingebrachten Form im Gemeinderat auch behandelt wird und eine Mehrheit findet, "ist indes noch nicht klar", so die Stadt-VP. Beim gemeinsam mit den Grünen geforderten Parteiengespräch mit dem Bürgermeister zur Causa soll auch ein gemeinsamer Prüfauftrag aller Parteien im Gemeinderat thematisiert werden. "Sollte es zu einer Einigung auf einen gemeinsame Prüfauftrag kommen, würden VP und Grüne ihren Antrag noch zurückziehen", wurde betont.
Die Opposition habe auch die (heutige) Sitzung des
Ausschusses für Finanzen, Wirtschaft und Tourismus genutzt, um die
Vorgänge im Rathaus zu hinterfragen. Im Sinne der laufenden Ermittlungen
sei "um Vertraulichkeit im Umgang mit den erhaltenen Informationen
ersucht" worden.
Vizebürgermeister Matthias Adl (ÖVP) bezeichnete
es als "wichtig, heute Klarheit über die wichtigsten Fakten zu
schaffen". Die verantwortlichen Beamten im Rathaus seien dabei "Rede und
Antwort gestanden". "Eine Prüfung der Sicherheitssysteme im Rathaus
unter Beiziehung externer Expertinnen und Experten ist der richtige Weg,
um das Vertrauen seitens des Gemeinderats, aber auch der Bürgerinnen
und Bürger wiederherzustellen. Wir hoffen daher auf eine
parteiübergreifende Einigung beim morgigen Parteiengespräch", fügte
Klubobmann Florian Krumböck (ÖVP) hinzu.
Bekannt gemacht worden
war die Causa am Donnerstag vom Rathaus der Landeshauptstadt. Im Zuge
interner Überprüfungen der Buchhaltung seien "Unregelmäßigkeiten bei
Behebungen der Stadtkasse festgestellt" worden, hieß es. Es habe sich um
"Fehlbeträge deutlich über der Bagatellgrenze" gehandelt. Eine sofort
eingeleitete interne Ermittlung habe zu keinem endgültigen Ergebnis
geführt. Der Bürgermeister habe daher "ein entsprechendes Schreiben an
die Staatsanwaltschaft St. Pölten gerichtet, in dem er den Verdacht
einer strafbaren Handlung anzeigt". Beträge seien "offensichtlich
mehrmals und über einen längeren Zeitraum verschleiert entwendet
worden", hieß es weiter. Der Magistrat und der städtische Rechnungshof
würden die Ermittlungen unterstützen.
Laut einer bei der Staatsanwaltschaft St. Pölten eingegangenen Anzeige dürfte es sich um einen Betrag von etwa 200.000 Euro handeln. Die Anklagebehörde hat Ermittlungen eingeleitet. Nach Angaben vom Donnerstag geht es Richtung Untreue oder Veruntreuung.