Die Volkspartei und Grüne beantragen im Fall der am Donnerstag bekanntgewordenen Fehlbeträge eine Sonderprüfung des Stadtrechnungshofs.
Im Fokus stehe "die Überprüfung der internen Kontrollsysteme des Magistrats und die Frage, wie es überhaupt zur Veruntreuung von 200.000 Euro an Steuergeldern kommen konnte", wurde am Sonntag in einer Aussendung betont. Man werde den gemeinsamen Antrag noch am Wochenende an die SPÖ-Stadtregierung übermitteln.
Der Gemeinderatsantrag umfasse auch eine Überprüfung der Gebarung der vergangenen 15 Jahre, um mögliche weitere Vergehen ausschließen zu können. Gefordert wird, dass externe Sachverständige aus den Bereichen der Wirtschaftskriminalität, Compliance und finanziellen Forensik beigezogen werden sollen, "um größtmögliche Unabhängigkeit und Fachkompetenz bei dieser Prüfung zu garantieren und Empfehlungen zur Weiterentwicklung zu erarbeiten".
"Wir
erwarten uns im Laufe des Montags Klarheit darüber, ob die SPÖ-Fraktion
gemeinsam mit uns an einer umfassenden Aufklärung und vor allem an
einer Verbesserung der derzeitigen Kontrollsysteme arbeiten möchte",
sagten VP-Klubobmann Stadtrat Florian Krumböck und
Grünen-Parteisprecherin Stadträtin Christina Engel-Unterberger. Die FPÖ,
die in der Causa ebenfalls Kritik an der politischen Führung der
Landeshauptstadt geübt hatte, wollte sich der Aussendung zufolge nicht
an einem gemeinsamen Antrag beteiligen. Die SPÖ hält mit 25 von 42
Mandaten im Gemeinderat die absolute Mehrheit. Die ÖVP stellt zehn
Mitglieder, Grüne und FPÖ haben je drei Vertreter. Aus den Reihen der
NEOS kommt ein Mandatar.
Krumböck sieht in dem Fall einen
"schwerwiegenden Vertrauensbruch in die Fähigkeiten und Möglichkeiten
der Kontrollsysteme im Rathaus": "Wir müssen aufarbeiten, wie es dazu
kommen konnte, wie wir eine Wiederholung verhindern und unter dem
Eindruck der aktuellen Causa prüfen, ob es in der Vergangenheit weitere
Handlungen zum Nachteil der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler gab, die
bislang unentdeckt blieben." Ziel sei die "vollständige Aufklärung und
die Verbesserung der bestehenden Kontrollsysteme, um solche Vorfälle in
Zukunft zu verhindern", betonte Engel-Unterberger.
Bekannt gemacht
worden war die Causa am Donnerstag vom Rathaus der Landeshauptstadt. Im
Zuge interner Überprüfungen der Buchhaltung seien "Unregelmäßigkeiten
bei Behebungen der Stadtkasse festgestellt" worden, hieß es. Es habe
sich um "Fehlbeträge deutlich über der Bagatellgrenze" gehandelt. Eine
sofort eingeleitete interne Ermittlung habe zu keinem endgültigen
Ergebnis geführt. Der Bürgermeister habe daher am Mittwoch "ein
entsprechendes Schreiben an die Staatsanwaltschaft St. Pölten gerichtet,
in dem er den Verdacht einer strafbaren Handlung anzeigt". Beträge
seien "offensichtlich mehrmals und über einen längeren Zeitraum
verschleiert entwendet worden", hieß es weiter. Der Magistrat und der
städtische Rechnungshof würden die Ermittlungen unterstützen.
Laut einer bei der Staatsanwaltschaft St. Pölten eingegangenen Anzeige dürfte es sich um einen Betrag von etwa 200.000 Euro handeln. Die Anklagebehörde hat Ermittlungen eingeleitet. Nach Angaben vom Donnerstag geht es Richtung Untreue oder Veruntreuung.