Sigrid Maurer, Klubchefin der Grünen im Nationalrat, appelliert an die SPÖ, deren Blockade von Zwei-Drittel-Mehrheiten zu überdenken.
Die "konstruktiven Kräfte in der Sozialdemokratie" sollten zurück an den Verhandlungstisch kehren, sagte sie am Sonntag in der ORF-"Pressestunde". Das Verhalten der SPÖ nannte Mauerer "kurzsichtig und verantwortungslos". Vor allem wichtige Maßnahmen, wie zum Klimaschutz würden darunter leiden.
Maurer: SPÖ wende "erpresserische" Methoden an
Es sei zwar "völlig legitim",
dass die Opposition die Regierung mit allen zur Verfügung stehenden
Mitteln kritisiert, bekannte die Grüne Klubobfrau zwar. Die Mandatare
und Mandatarinnen seien aber gewählt und hätten geschworen, zum Wohle
der Bevölkerung zu arbeiten, merkte sie an. Die SPÖ wende mit ihrer
angekündigten Blockade "erpresserische" Methoden an. Immerhin gehe es um
so wichtige Materien wie das Erneuerbaren-Wärme-Gesetz und das
Energieeffizienzgesetz.
Die SPÖ reagierte prompt. Maurer betreibe
eine "Täter-Opfer-Umkehr", warf der stellvertretende rot Klubchef Jörg
Leichtfried der Grünen vor. Es gehe bei der Blockade darum, Druck
aufzubauen auf eine Regierung, "die das Land sozial- und
wirtschaftspolitisch an die Wand fährt", rechtfertigte er die Maßnahme
in einer Aussendung. Die SPÖ sei hier "Anwältin der Bevölkerung, die die
Rekordteuerung nicht mehr schultern kann".
Verhandlungen zum Informationsfreiheitsgesetz von SPÖ-Blockade betroffen
Betroffen von der
Blockade sind auch die Verhandlungen zum Informationsfreiheitsgesetz.
Hier solle - wie von Verfassungsministerin Karoline Edtstadler (ÖVP)
angekündigt - ein Entwurf im Juni vorgelegt werden, kündigte Maurer an.
"Ja, das ist der Plan, die Verhandlungen sind in der Finalisierung." In
der politischen Abstimmung zu einer unabhängigen Weisungsspitze in der
Justiz lägen die Vorschläge auf dem Tisch. Die Grüne will weiterhin
einen Senat anstatt eines einzelnen Bundesstaatsanwalt mit alleiniger
Macht.
Das nach Ansicht der Opposition zögerliche Vorgehen der
Regierung gegen die Teuerung - der eigentliche Anlass der SPÖ-Blockade -
verteidigte Maurer. "Selbstverständlich hätte ich auch gerne eine
Wunderlösung", meinte sie. Dass es noch keine unmittelbaren Maßnahmen
bei den Lebensmittelpreisen gibt, liege auch an den Handelsvertretern
selbst, die beim jüngsten Gipfel zu allem Nein gesagt hätten. "Wenn wir
eine Mehrwertsteuersenkung machen, müssen wir garantieren, dass es
weitergegeben wird", meint Maurer.
Maurer verteidigte Klima-Kleber
Ein weiteres krisenbedingtes
Phänomen, die sogenannten Klima-Kleber, verteidigte Maurer
grundsätzlich. Die Maßnahmen seien zwar "zum Teil drastisch", aber "ich
kann das Anliegen total unterstützen". Bei der Wahl der Mittel könne man
zwar unterschiedlicher Meinung sein. Verwundert zeigte sich die Grüne
aber, dass die Aufregung über die Protestform selbst größer sei, als
über das eigentliche Problem, die Klimakrise. "Das was zählt ist, dass
junge Menschen sich für Politik und ihre Anliegen einsetzen", findet
Maurer.
Trotz aller Meinungsverschiedenheiten mit der
Kanzlerpartei ÖVP glaubt Maurer an das Fortbestehen der Koalition: "Wir
sind wild entschlossen, bis zum Ende dieser Legislaturperiode zu
regieren." Enttäuscht zeigte sich die Grüne über die Annäherungen des
Koalitionspartners an die Freiheitlichen und die Koalition in
Niederösterreich. Einen Wunsch-Koalitionspartner nach der kommenden
Nationalratswahl wollte sie aber nicht nennen. "Ich halte mich nicht auf
mit Spekulationen, was in eineinhalb Jahren sein wird."
Als "armeselig und einer Klubobfrau unwürdig" beschrieb der freiheitliche Generalsekretär Michael Schnedlitz die "verlorenen Erklärungsversuche" der grünen Klubobfrau. Für NEOS-Klima- und Umweltsprecher Michael Bernhard ist es zwar völlig unverantwortlich, dass die SPÖ wichtige Gesetze im Klimaschutz verhindern möchte. "Dass wir aber schon seit Jahren auf das Klimaschutzgesetz oder das Energieeffizienzgesetz warten müssen, liegt am Versagen der türkis-grünen Bundesregierung."