Die von der SPÖ angekündigte Blockade von Zwei-Drittel-Mehrheiten im Nationalrat würde vor allem den Klimaschutz treffen.
So wartet das Erneuerbaren-Wärme-Gesetz noch immer auf die notwendige Verfassungsmehrheit im Parlament. Ebenso das Energieeffizienzgesetz. Ebenfalls eine Zwei-Drittel-Materie ist das Informationsfreiheitsgesetz samt Abschaffung des Amtsgeheimnisses, an dem aber noch gearbeitet wird.
Blockade von Zwei-Drittel-Mehrheiten angekündigt
Der stellvertretende SPÖ-Klubchef, Jörg Leichtfried, hatte bei der Nationalrats-Sondersitzung zur Teuerung am Freitag angekündigt, dass seine Fraktion künftig der türkis-grünen Koalition ihre Stimmen nicht mehr zur Verfügung stellen werde - weder für einfache noch für Zwei-Drittel-Mehrheiten. Parteichefin Pamela Rendi-Wagner legte später via Twitter nach: "Solange die Bundesregierung keinen Markteingriff vornimmt, der Preise senkt, wird es von der Sozialdemokratie keine Zustimmung zu Gesetzen mit 2/3 Mehrheit geben."
Die Empörung bei
den Regierungsfraktionen war groß. ÖVP-Klubchef August Wöginger und
Grünen-Klubobfrau Sigrid Maurer kritisierten bei einem
Ad-hoc-Pressestatement nach dem Plenum Leichtfrieds Aussage als
"verantwortungslos". Die SPÖ dürfe nicht aus reiner Parteitaktik
wichtige Gesetzesmaterien wie das Erneuerbare-Wärme-Gesetz oder das
Energieeffizienzgesetz blockieren. Auch den NEOS widerstrebt die Ansage.
"Jetzt wichtige Gesetze zu blockieren, wie es die SPÖ heute im
Nationalrat angekündigt hat, ist einfach nur unverantwortlich und
schadet dem Wirtschaftsstandort", sagte deren Energiesprecherin Karin
Doppelbauer.
Klimamaßnahmen wären von SPÖ-Blockade betroffen
Und tatsächlich wären vor allem Klimamaßnahmen von
der SPÖ-Blockade betroffen. So sieht das Erneuerbaren-Wärme-Gesetz den
Ausstieg aus Gasheizungen bis 2040 und aus Ölheizungen bis 2035 vor. Im
November 2022 wurde bereits eine Regierungsvorlage beschlossen. Mit der
notwendigen Zwei-Drittel-Mehrheit im Parlament wurde es allerdings
bisher nichts. Auch die Wirtschaftskammer soll im Hintergrund auf der
Bremse stehen.
Auch das Energieeffizienzgesetz ist noch nicht vom
Parlament beschlossen. Den Ministerrat hat das Gesetzvorhaben im Februar
passiert, vor einigen Tagen passierte es mit den Stimmen der
Koalitionsparteien den Wirtschaftsausschuss. Das Vorhaben braucht
ebenfalls eine Zwei-Drittel-Mehrheit, weil es für die Bundesländer
bindende Ziele vorgibt. Vorgesehen ist, dass der Energieverbrauch in
Österreich bis 2030 um 18 Prozent verringert wird. Dafür sind
Förderungen von jährlich 190 Mio. Euro für Haushalte und Unternehmen
vorgesehen. Für Gebäude in Bundeseigentum wie Schulen, Polizeistationen
oder Ämter wird eine Sanierungsquote von drei Prozent festgelegt. Die
Zeit drängt, denn Österreich ist hier bei der Umsetzung einer
EU-Richtlinie säumig, es drohen Strafzahlungen in Millionenhöhe.
Gesetzesentwurf zur Abschaffung des Amtsgeheimnisses
In
Überarbeitung befindet sich derzeit der Gesetzentwurf zur Abschaffung
des Amtsgeheimnisses. Der neue Entwurf soll bis spätestens Juni
vorliegen, kündigte Verfassungsministerin Karoline Edtstadler (ÖVP)
zuletzt an. An der Abschaffung des Amtsgeheimnisses wird seit Jahren
gearbeitet. Dennoch zeigte sich die Koalition optimistisch, dass man die
Reform in den kommenden Monaten fertig bekommen und beschließen wird.
Eine weitere Reform, für die es Zwei-Drittel-Mehrheiten benötigen würde, ist die Neugestaltung der Weisungsspitze in der Justiz. Diese würde wohl zumindest in Teilen eine die Stimmen die SPÖ brauchen. Von den roten selbst kommt die Forderung, dass ein gewünschter Bundesstaatsanwalt mit zwei Dritteln der Stimmen im Nationalrat bestellt wird.