Der Nationalrat debattiert am Freitag in einer Sondersitzung über die hohe Inflation. Branchenvertreter drängen indes auf weitere Anti-Teuerungsmaßnahmen.
Landwirtschaft und Gastronomie fordern mehr Unterstützung wegen den hohen Energiepreisen, Handelsvertreter können sich eine Mehrwertsteuersenkung bei Grundnahrungsmitteln vorstellen. Wirtschaftsminister Martin Kocher (ÖVP) traf am Freitag Wettbewerbsexperten und will nächste Woche Vorhaben zu mehr Preistransparenz vorlegen.
Branchenvertreter fordern weitere Anti-Teuerungs-Maßnahmen
Das Tarifvergleichsportal durchblicker.at weist darauf hin, dass die am Mittwoch von der Regierung verkündete Begrenzung der Erlöse für Stromproduzenten betroffene Haushalte nicht entlastet. Das Hauptproblem seien derzeit die einjährigen Vertragsbindungen.
NÖ-LH-Stellvertreter fordert von Energieversorgern Strompreismodelle
Der niederösterreichische
LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf und Landwirtschaftskammer
NÖ-Präsident Johannes Schmuckenschlager (beide ÖVP) fordern von den
Energieversorgern "maßgeschneiderte Strompreismodelle" für die
Landwirtschaft. Landwirtschaftliche Betriebe mit Tierhaltung oder
Bewässerungssystemen hätten einen hohen Energiebedarf. Mehr
Unterstützung erwartet auch WKÖ-Gastronomieobmann Mario Pulker: Vor
allem die Energiekosten würden viele Gasthäuser überstrapazieren. "Der
Energiekostenzuschuss wäre verdammt notwendig", sagte Pulker dem
"Standard" (online). Dieser sei zwar angekündigt, doch fehle noch die
entsprechende Verordnung dazu. Die Papierindustrie drängt ihrerseits auf den Gesetzesbeschluss der Strompreiskompensation, der schon Mitte 2022 im Nationalrat eingelangt sei.
Lebensmittelpreise stiegen in Österreich im März um 14,6 Prozent
Im
März verteuerten sich Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke in
Österreich im Schnitt nach HVPI-Berechnung um 14,6 Prozent. In der
Eurozone belief sich der Anstieg auf 17,9 Prozent und in Deutschland auf
22,9 Prozent. SPÖ, FPÖ und Gewerkschaft fordern angesichts des starken
Anstiegs der Lebensmittelpreise ein temporäres Aussetzen der
Mehrwertsteuer auf
Lebensmittel des täglichen Bedarfs. Der Chef von Rewe Österreich (u.a.
Billa, Penny), Marcel Haraszti, hat bereits im Vorjahr eine Senkung der
Mehrwertsteuer für Grundnahrungsmittel ins Spiel gebracht. Gegenüber
mehreren Zeitungen erneuerte Haraszti nun seinen Vorschlag. Er schlägt
vor, die Steuer auf Lebensmittel wie in Deutschland dauerhaft von zehn auf sieben Prozent zu senken. Man würde natürlich die Steuersenkung an die Kunden weitergeben, versicherte er.
Treffen mit BWB-Vertretern und Kocher wegen hoher Inflation
Angesichts
der hohen Inflation hat Arbeits- und Wirtschaftsminister Kocher am
Freitagvormittag Vertreter der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) und eine
Runde von Wettbewerbsökonomen getroffen. "Ziel ist es auf
Basis der Erkenntnisse heute, bereits Anfang nächster Woche konkrete
Vorhaben der Regierung im Bereich Preistransparenz präsentieren zu
können", so Kocher in einer Aussendung. Es sei darüber gesprochen
worden, wie Preisvergleichsmöglichkeiten zum Monitoring von
Verkaufspreisen ausgeweitet werden könnten.
Bauern erhielten nur "minimalen Teil" der hohen Preise
Landwirtschaftsvertreter
betonen schon seit langem, dass die Bauern nur einen "minimalen Teil"
der Lebensmittel-Verkaufspreise im Supermarktregal erhalten. "Die
Gewinne bleiben ganz woanders hängen", sagte
Landwirtschaftskammer-Steiermark-Präsident Franz Titschenbacher. Das
gesamte System der Preisbildung bei den Lebensmitteln müsse "genau
durchleuchtet" und die "Preistreiber" ermittelt werden.
Momentum Institut ortet eine profitgetriebene Teuerung
Das gewerkschaftsnahe Momentum Institut ortet weiterhin eine profitgetriebenen Teuerung.
Ein Teil der Inflation in Österreich sei hausgemacht, weil die
Unternehmen einiger Branchen - unter anderem Energiekonzerne, Baufirmen
und Landwirtschaft - nicht nur den Anstieg ihrer eigenen Kosten an ihre
Kunden weitergegeben, sondern im Windschatten der allgemeinen Teuerung
auch ihre Gewinnmargen kräftig erhöht hätten. Im ersten Quartal seien
Profite für 59 Prozent der hausgemachten Inflation von 6,3 Prozent
verantwortlich, geht aus Berechnungen des Momentum Institut aus Daten
des Europäischen Statistikamts (Eurostat) hervor.