In Österreich sind momentan weit mehr Spitalsbetten gesperrt, als im AKH zur Verfügung stehen.
Diesen Vergleich präsentierten die GÖD-Gesundheitsgewerkschaft und younion am Freitag bei einer Pressekonferenz in Wien. Vorsitzender Reinhard Waldhör sprach von "äußerst beunruhigenden Zahlen". Ein Spitalsgipfel müsse einberufen werden, so sein Tenor. Waldhör sprach von einem Notstand.
2.775 Spitalsbetten sind momentan in Österreich gesperrt
Erstmals in Österreich wurden von der Gewerkschaft bundesweite Zahlen zum Pflege- und Ärztemangel erhoben. "Die hohe Arbeitsbelastung und der Mangel an medizinisch pflegerischem Personal hat dazu geführt, dass aktuell weit mehr Betten gesperrt sind, als es im AKH mit 1.732 gibt", sagte Waldhör. Laut Statistik Austria standen Ende 2021 in österreichweit 264 Krankenanstalten 61.927 Spitalsbetten zur Verfügung. Basierend auf diesen Zahlen sind also 4,48 Prozent der Betten in Österreich nicht belegbar. Die Zahlen zeigten laut Göd deutlich, wie hoch die Arbeitsbelastung im Gesundheitssektor mittlerweile sei und verdeutlichen den Engpass an Personal, so Waldhör.
Zahlen zeigen, wie hoch die Arbeitsbelastung ist
Die Zahlen
zeigten laut Göd deutlich, wie hoch die Arbeitsbelastung im
Gesundheitssektor mittlerweile sei und verdeutlichen den Engpass an
Personal, so Waldhör. "Es ist gerade jetzt der richtige Zeitpunkt für
den Gipfel, denn zur Zeit laufen die Verhandlungen zum Finanzausgleich",
ergänzte Edgar Martin, younion-Vorsitzender der Hauptgruppe II. "Der
Herr Minister und die Landeshauptfrauen- und männer müssen dabei auch
Farbe bekennen: Wollen sie ein funktionierendes Gesundheitswesen, oder
so Zustände wie in Großbritannien?", hieß es bei dem Medientermin.
Es fehlen 2.200 Pflegekräfte in Österreich
Martin
wies auf 2.200 fehlende Pflegekräfte in Österreich hin. Beim
Verwaltungspersonal seien 200 Stellen frei. Die Rede war von einem
Notstand. "Wir werden die Leistungsdichte, die wir jetzt erbringen,
nicht mehr in Zukunft erbringen können", ergänzte Waldhör.
Bund und Ländern die Situation im Gesundheitswesen zeigen
Es sei
unerlässlich, Bund und Ländern die Situation im Gesundheitswesen vor
Augen zu führen. "Patientinnen und Patienten müssen auf Behandlungen und
Operationen warten, was unweigerlich nicht nur zu verlängertem Leid
führt, sondern auch zu höheren Kosten. Für das gesamte Personal bedeutet
dies eine noch höhere Arbeitsbelastung und noch weniger Zeit für die
individuelle Betreuung der PatientInnen", kritisierte Katarzyna Resch,
ebenfalls younion.
Buchinger mahnte: Versorgung von Patienten nicht mehr sichergestellt
Auch Gerlinde Buchinger
(GÖD-Gesundheitsgewerkschaft - Ausbildung) mahnte am Podium, dass die
Patientenversorgung auf dem bisher gewohnt hohen Niveau nicht mehr
sichergestellt werden könne. "Das Personal ist durch den täglichen
Arbeitsdruck so schwer belastet, dass auch die Aufgaben der praktischen
Ausbildung vor Ort nicht adäquat durchführbar sind. Es braucht daher die
Verbesserung der Arbeitsbedingungen und Verringerung des Arbeitsdrucks
zeitgleich mit der Vermehrung der Ausbildung", so Buchinger.
Mängel bei Praktikumsplätzen im Bereich der Pflegeausbildung
Buchinger
verwies auf Mängel bei Praktikumsplätzen im Bereich Pflegeausbildung
und eine Aufstockung der Praxisanleiter. Derzeit sieht ein Praktikant
den Anleiter nur am Beginn und am Ende seiner Ausbildung. Derzeit gebe
bei der Ausbildung im Pflegebereich eine kumulierte Drop-out-Rate von 25
Prozent.
Die Gewerkschafter planten am Freitag zudem eine Protestaktion vor dem Gesundheitsministerium.