Die deutsche Gewerkschaft will den Bahnverkehr ab Sonntag für zwei Tage lahmlegen. Die Warnstreiks hatten zuletzt auch in Österreich für Ausfälle gesorgt.
Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) will den Bahnverkehr in Deutschland ab Sonntagabend für 50 Stunden weitgehend lahmlegen. Von 22.00 Uhr bis Dienstagnacht um 24.00 Uhr soll im Fern-, Regional- und Güterverkehr auf der Schiene nichts mehr gehen, wie die EVG am Donnerstag mitteilte.
Gewerkschaft will mit erneutem Bahnstreik Druck auf Arbeitgeber machen
Mit dem deutschlandweiten Warnstreik will die Gewerkschaft den Druck auf die Arbeitgeberseite im laufenden Tarifkonflikt mit der Deutschen Bahn und 50 weiteren Bahnbetrieben erhöhen. "Da sich an den Verhandlungstischen nur wenig bewegt, wird jetzt noch einmal gestreikt", teilte EVG-Tarifvorständin Cosima Ingenschay am Donnerstag mit. "Insgesamt streiken wir 50 Stunden und erhöhen damit den Druck deutlich, weil uns die Arbeitgeber keine andere Wahl lassen", hieß es von Verhandlungsführer Kristian Loroch.
Warnstreiks in Deutschland bereits im März und April
Die Tarifverhandlungen im Bahnsektor laufen seit Ende Februar. Es ist der dritte bundesweite Warnstreik, zu dem die EVG seither aufruft. Im März legte sie gemeinsam mit der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi große Teile des öffentlichen Verkehrs inklusive der meisten Flughäfen für einen Tag lahm. Der zweite Ausstand beschränkte sich im April auf einen Zeitraum von acht Stunden, sorgte aber ebenfalls für viele Ausfälle vor allem im Fernverkehr. Auf den Autobahnen blieben befürchtete zusätzliche Staus jedoch aus.
Gewerkschaft fordert deutlich mehr Lohn für Beschäftigte
Die
Gewerkschaft will bei den Verhandlungen mindestens 650 Euro mehr im
Monat für die Beschäftigten herausholen oder zwölf Prozent bei den
oberen Einkommen, bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Die Deutsche
Bahn will sich hingegen am Abschluss des öffentlichen Dienstes
orientieren, der Ende April erzielt wurde.
Daran angelehnt hat der bundeseigene Konzern zunächst einen steuer- und abgabenfreien Inflationsausgleich in mehreren Stufen von insgesamt 2.850 Euro vorgeschlagen. Darüber hinaus sollen Löhne und Gehälter ab März 2024 stufenweise erhöht werden - um insgesamt zehn Prozent für die unteren und mittleren sowie um acht Prozent für die oberen Lohngruppen. Bei der DB arbeiten 180.000 der 230.000 Beschäftigten, für die die EVG aktuell verhandelt.
Mindestlohn Knackpunkt bei Verhandlungen
Ein entscheidender Knackpunkt bei den Verhandlungen
war zuletzt der gesetzliche Mindestlohn: Rund 2.000 Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter erhalten diesen aktuell bei der DB nur über Zulagen. Die
EVG will vor den Verhandlungen über Tariferhöhungen zunächst den
Mindestlohn von zwölf Euro in der Gehaltstabelle verankern. Etwaige
Verhandlungsergebnisse würden dann auf diese zwölf Euro angerechnet.
Einen Vorschlag der Bahn, mit dem die 12 Euro rückwirkend zum März
dieses Jahres in die Tabellen aufgenommen werden sollten, wies die
Gewerkschaft diese Woche zurück.