Für dieses Jahr erwarten die Autoimporteure in Österreich ein Verkaufsplus von 19 Prozent. Von den Verkaufszahlen vor der Pandemie ist man dennoch noch weit entfernt.
Im ersten Quartal wurde ein Plus von 20 Prozent bei den PKW-Neuzulassungen in Österreich verzeichnet. Damit liegt man deutlich über den Erwartungen zu Jahresbeginn. 240.000 neu zugelassenen Autos wäre aber noch weit hinter dem Corona-Vorkrisenniveau von 340.000 Fahrzeugen. "Wir verlieren pro Jahr 100.000 Einheiten, das fehlt dann später auch in den Werkstätten", so Günther Kerle, Sprecher der Autoimporteure.
Plus bei Elektroautos geringer als erwartet
Bei Elektroautos erwartet er heuer ein Plus von 18 Prozent, was laut Christian Helmenstein vom Economica Institut weit unter dem liegt, was prognostiziert wurde - womit in den nächsten Jahren noch weit mehr Verbrenner fahren würden als gedacht. Auch über 2035 hinaus, wenn in der EU keine reinen Verbrenner mehr zugelassen werden sollen. Darum sei eine Technologieoffenheit - Stichwort Wasserstoff und eFuels - bei den Antrieben notwendig, betonten heute Kerle und Helmenstein bei einer gemeinsamen Pressekonferenz.
Sie unterstützen Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP), wonach Österreich ein "Autoland" sei. Helmenstein rechnete vor, dass die direkte Wertschöpfung der Autobranche vor der Corona-Pandemie 2019 mit 18,3 Mrd. Euro jener des Beherbergungs- und Gastronomiesektors mit 18,9 Mrd. Euro entsprach. Bei der Beschäftigung liege man über dem Bausektor. Mit 209.000 direkt Beschäftigten seien so viele Menschen in Arbeit wie Linz Einwohner habe.
Österreich ist laut Ökonom "Verbrennerland"
Unterstrichen
wurde heute auch der steuerliche Effekt der Autobranche, die jährlich
das siebenfache der Tabaksteuer und das 52-fache der
Fremdenverkehrsabgabe abliefern würde. Den Löwenanteil mit rund einem
Drittel machen die lohnabhängigen Steuern und Abgaben aus, gefolgt von
der Umsatzsteuer. Doch nicht nur beim Finanzamt sei die Branche ein gern
gesehener Gast, auch am Patentamt würde sie ein und aus gehen.
"Österreich ist ein Top-5-Innovationsland was den automobilen
Fortschritt betrifft", verwies Helmenstein heute auf die europäische
Patentstatistik. Hier liege Österreich ab Platz 5 bei der automotiven
Erfinderdichte.
So sei Vorarlberg gerade dabei einen Autocluster zu bekommen. "Ich glaube, wir brauchen uns über die Zukunft der österreichischen Autoindustrie keine Sorgen machen. Wir sind noch Verbrennerland und werden in Zukunft zu den führerenden Ländern bei neuen Technologien gehören", meinte der Ökonom.
Ladeinfrastruktur in Österreich mangelhaft
Und er plädierte
dafür, die Bedeutung des Verbrennermotors nicht zu verkennen. "Wir haben
eine Poleposition bei den Verbrennern. Wir outperformen da andere
Länder", so Helmenstein. Und Kerle ergänzte: "Wir erreichen die privaten
Kunden mit E-Mobilität noch nicht." Verantwortlich dafür sei die
mangelnde Ladeinfrastruktur, der hohe Strompreis und die
"undurchsichtige Abrechnung". "Wer nicht in der Firma oder zuhause laden
kann, dem würde ich derzeit kein E-Auto empfehlen", sagte Kerle.
Generell gelte im "Autoland Österreich": Es sei hinter Belgien das zweitteuerste Land in Europa in Bezug auf die Besteuerung von Pkw, "der eigene Pkw ist in Österreich schon ein Luxusgut geworden", so Kerle.
Mercedes: "Zukunft ist elektrisch"
Zumindest
neuesten deutschen Zahlen zufolge ist der Kunde wieder mehr König. Laut
der regelmäßigen Marktstudie des Duisburger Center Automotive Research
(CAR) ist zuletzt der Durchschnittsrabatt bei den 30 meistverkauften
Neuwagen leicht auf 16,3 Prozent gestiegen - das höchste Rabattniveau
seit vier Jahren.
Wohin die Reise geht beschäftigte heute auch das Wiener Motorensymposium. Die Kfz-Industrie betonte dabei ihren "Lösungswillen" und meinte, sie wolle nicht länger der "Buhmann" sein. Die Branche sei für "Diversität in Antriebs- und Energiefragen". Gleichzeitig hielt Christoph Starzynski, Leiter Entwicklung e-Drive bei Mercedes fest: "Die Zukunft ist elektrisch."