In die Verhandlungen zur Gesundheitsreform will die sozialversicherung eingebunden werden. Die Verhandlungen werden derzeit im Zuge der Gespräche zum Finanzausgleich geführt.
Obwohl die Verhandlungen bereits laufen und Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) dies angekündigt habe, sei immer noch nicht klar, ob die Sozialversicherung als einer der größten Finanziers mit am Tisch sitzen werde, beklagte Dachverbands-Chef Peter Lehner im Gespräch mit der APA.
Sozialversicherung fordert Einbindung in Verhandlungen
Er hält aber den Finanzausgleich ohnehin nicht für den richtigen Rahmen, um über eine Gesundheitsreform zu sprechen, weil es im Finanzausgleich um Budgets und Zuständigkeiten gehe und nicht um eine ganzheitliche, gesundheitspolitische Perspektive. Eine Gesundheitsreform ist für Lehner "kein Kraftakt im Rahmen des Finanzausgleichs, sondern ein kontinuierlicher Prozess, der nie abgeschlossen sein wird. Das Gesundheitssystem wird von gesellschaftlichen Veränderungen, neuen Anforderungen und dem medizinischen Fortschritt immer aufs Neue gefordert. Wir brauchen viele Schritte, um das System laufend anzupassen und weiterzuentwickeln", betonte der Vorsitzende der Konferenz der Sozialversicherungsträger.
Lehner unterstütz Forderungen der Ärtzekammer
Lehner unterstützt die Forderung der
Ärztekammer nach 500 zusätzlichen Kassenstellen - die dafür notwendigen
Mittel will er durch Einsparungen bei den Sozialversicherungsgeldern für
die Spitäler aufbringen. Die Sozialversicherungen zahlen derzeit einen
Pauschalbeitrag für die Spitäler, der aber vom Wirtschaftswachstum
abhängig ist und damit jährlich steigt, womit sie damit inzwischen schon
der größte Zahler für die Krankenanstalten sind. Der Dachverbands-Chef
schlägt nun vor, diese Mittel für die Spitäler einzufrieren und mit den
damit lukrierten Geldern die 500 zusätzlichen Kassenärzte zu
finanzieren.
Dachverbands-Chef kann nicht viel mit den Forderungen der Länder anfangen
Nicht viel anfangen kann der Dachverbands-Chef mit
der Forderung der Länder nach einer dritten Finanzierungssäule für die
Ambulanzen, für die der Bund aufkommen sollte, weil damit das System
noch komplizierte würde. Und bevor die Länder mehr Geld im Zuge des
Finanzausgleichs fordern, sollten sie zunächst einmal darstellen, was
sie konkret mit dem Geld machen wollen, forderte Lehner mehr
Transparenz. Notwendig wären klare Zuständigkeit und
Verantwortlichkeiten, betonte der Dachverbands-Chef, der zuletzt
vorgeschlagen hatte, die Kompetenzen für die Spitäler von den Ländern
zur Sozialversicherung zu verlagern.
Digitale Gesundheitsreform für Lehner wichtig
Wichtig ist Lehner für die
Gesundheitsreform auch ein Ausbau der Vorsorge und die "digitale
Transformation". So müssten die Wahlärzte in das E-Card- und das
ELGA-System integriert werden. Wichtig wäre seiner Ansicht nach auch
eine Codierung von Diagnosen, womit für die Ärzte das umständliche
Öffnen von PDF-Dokumenten in der Elektronischen Gesundheitsakte
wegfallen würde. Das Gesundheitstelefon 1450 will Lehner für eine echte
Steuerung der Patientenströme bundesweit einheitlich aufsetzen und
ausbauen. Derzeit ist es länderspezifisch organisiert und wird etwa in
manchen Bundesländern vom Roten Kreuz betreut. Künftig sollten Patienten
bei einem Anruf dort in ganz Österreich die Auskunft erhalten, mit
welchen Symptomen sie sich am besten wohin wenden sollen.