Am Donnerstag präsentierten Wirtschaftsminister Martin Kocher und Finanzminister Magnus Brunner (beide ÖVP) ihre Pläne im Kampf gegen die hohe Inflation. Dabei blieben sie jedoch in vielen Punkten vage.
Für nächste Woche hat Kocher eine Expertenrunde anvisiert, falls es Interesse der Sozialpartner gebe, könne es auch ein Treffen mit diesen geben. Eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel ist nicht geplant. Vielmehr setzt die Regierung auf den freien Markt und Transparenz.
Arbeitsminister Kocher plant eine Experten-Runde zur Teuerung
Dass die
Inflation in anderen EU-Ländern niedriger ist, relativierten Kocher und
Brunner. Schließlich sei durch Regierungsmaßnahmen die Kaufkraft
gesteigert worden und es habe auch überdurchschnittlich hohe
Lohnabschlüsse in Österreich gegeben. Wobei sich die Lohnabschlüsse an
der Inflation der vergangenen zwölf Monate orientieren, und die in
Österreich höher als in anderen Staaten war, wie IHS-Direktor Klaus
Neusser bestätigte.
Kocher: "Uns ist allen bewusst wie belastend die Situation ist"
"Uns ist allen bewusst wie belastend die
Situation ist", erklärte Kocher heute zu Beginn eines Pressegesprächs.
Österreich verzeichne aber auch mehr Wirtschaftswachstum, was eben die
Preise treibe, "das sind kommunizierende Gefäße". Positiv sei, dass die
Energiepreise und die Erzeugerpreise rückläufig seien, dies habe das
Potenzial, bei den Endkundenpreisen durchzuschlagen. Eine
Preiskommission, wie von der Opposition und Arbeitnehmervertretern
gefordert, sei nicht hilfreich, so Kocher.
Preistransparenz sei laut Kocher wirksam gegen die hohe Inflation
Wirksam sei
Preistransparenz, ein Vorbild könne hier die Spritpreisdatenbank sein.
Konkrete Maßnahmen nannten Wirtschafts- und Finanzminister aber nicht.
Wobei es insbesondere bei heterogenen Produkten schwierig sei, Preise zu
vergleichen, etwa zwischen Bio- und Nicht-Bio-Produkten, so der
Wirtschaftsminister. Kocher will sich jedenfalls mit Ökonomen und der
Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) zusammensetzen. Termin dafür gibt es noch
keinen, anvisiert ist nächste Woche. Auch ein Treffen mit den
Sozialpartnern sei, wenn von diesen gewünscht, möglich.
Finanzminister Brunner verwies auf höhere Haushaltseinkommen
Finanzminister
Brunner verwies darauf, dass die Haushaltseinkommen in Österreich um
drei Prozent gestiegen seien, während sie in anderen Ländern, bei
niedrigerer Inflation, gesunken seien. "Die Kaufkraft ist da, das ist
anders als in anderen Ländern", meinte Brunner am Donnerstagvormittag.
Nun gehe es darum, die Wirkung der Maßnahmen zu valorisieren.
Kroatien und Slowenien hätten trotz Preisdeckel höhere Inflation
Länder
wie Kroatien und Slowenien hätten trotz der Einführung von Preisdeckeln
eine höhere Inflation als Österreich. Zu einer Senkung der
Mehrwertsteuer auf Lebensmittel meinte Brunner, dass diese "nicht
unbedingt wirksam ist", weil sie möglicherweise nicht an die Kunden
weiter gegeben werde. Des weiteren wiederholte Brunner seine Meinung,
dass Österreich "weg vom Nanny-Staat" müsse, es gehe darum, dass Geld
der Steuerzahler "wieder mehr zu schätzen", so der Finanzminister.
Wettbewerb als Schlüssel gegen hohe Lebensmittelpreise
IHS-Chef
Neusser sagte zu den hohen Lebensmittelpreisen, dass dies darauf
hindeute, "dass wir beim Wettbewerb etwas tun müssen". Es sei hier
sicher notwendig "über die Bücher zu gehen".
Brunner sieht bei Mietpreisbremse die Grünen am Zug
Bei der
Mietpreisbremse, die andere EU-Staaten eingeführt haben, sieht Brunner
die Grünen am Zug. Hier sei mit dem Koalitionspartner keine Einigung
möglich gewesen, "weil Maßnahmen zur Eigentumsbildung notwendig gewesen
wären", erinnert Brunner an den Wunsch der ÖVP, auch die Häuselbauer
stärker bei den preisdämpfenden Maßnahmen einzubinden. Einmal mehr
erklärte Brunner, dass die Anhebung der Richtwertmieten "nur einen
kleinen Teil" der Mieter betreffe, man könne aber mit den Grünen gerne
noch einmal darüber reden. Einen Gebührenstopp von Seiten des Bundes
brauche es nicht, da es ohnehin keine Erhöhungen gebe - hier seien
Länder und Gemeinden gefragt, meinte Brunner.
Wenig Hoffnung auf eine rasch sinkende Teuerungsrate
Wenig Hoffnung auf
eine rasch sinkende Teuerungsrate machte Wirtschaftsforscher Neusser,
denn nach wie vor herrsche eine große Nachfrage, beispielsweise in der
Gastronomie, was die Preise hoch halte. Grundsätzlich sagte der Ökonom:
"Wir sind als Volkswirtschaft ärmer geworden, wir kaufen teuer ein und
müssen billiger verkaufen."
Kickl wies auf geforderten Inflationsstopp der FPÖ hin
FPÖ-Chef Herbert Kickl wies am
Donnerstag darauf hin, dass die FPÖ schon im Mai 2020 einen Antrag für
ein Preismonitoring und einen Inflationsstopp eingebracht hat. Diese
seien "heute dringender denn je zum Erhalt unseres Wohlstands". Nötig
sei eine Preisbremse für einen eigenen Warenkorb mit allen
lebensnotwendigen Grundgütern, wie Lebensmittel, Mieten, Heizkosten,
Treibstoffe. Außerdem forderte er eine Informationspflicht bei
Abweichungen vom Preisband. Der Konsumentenschutzminister solle "im
Anlassfall Preisstopps verordnen können".