Der Berater des ukrainischen Präsidenten, Mychajlo Podoljak, hat das Fernbleiben von SPÖ- und FPÖ-Abgeordneten von der Rede von Wolodymyr Selenskyj im Nationalrat in der "Presse am Sonntag" scharf kritisiert.
"Jede Partei eines souveränen Staates kann sich verhalten, wie sie will. Aber ich habe schon eine Frage: Soll die Souveränität Österreichs auch so einfach verletzt werden können? Hier geht es nicht um die Neutralität", so der ukrainische Präsidentenberater Mychajlo Podoljak. Bei dem virtuellen Auftritt des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj im Nationalrat hatten die FPÖ-Abgeordneten den Saal verlassen. Bei der SPÖ blieben zahlreiche Plätze leer.
Ukrainischer Präsidentenberater kritisiert Fernbleiben von Abgeordneten
Selenskyjs Frage vor jedem Parlament sei gewesen, ob die Ukraine das Recht habe, sich zu verteidigen. "Wenn jemand vor der Rede hinausgeht, dann heißt das, dass man einem angegriffenen Staat nicht das Recht gewährt, sein Territorium zu schützen. Die österreichischen Wähler müssen ihr Urteil selbst fällen. Wenn eine Partei sich so verhält, dann ist sie bereit, österreichisches Territorium irgendjemandem zu überlassen. Und wenn jemand so eine Partei wählt, unterstützt er die Politik eines mörderischen Landes."
Ukraine will mit Gegenoffensive Initative ergreifen
Zur angekündigten ukrainischen
Gegenoffensive sagte der Präsidentenberater: "Es geht um das Ergreifen
der Initiative und die Frage, wie sich der große Krieg weiterentwickeln
wird. Die Offensive soll die russische Armee weiter demoralisieren und
verdeutlichen, dass der Krieg nicht an einer Demarkationslinie enden
wird, wie das 2014 der Fall war. Es gibt mehrere Faktoren, die den
Zeitpunkt der Gegenoffensive bestimmen."
Den genauen Plan lege die ukrainische Armee fest. "Den werden wir nicht öffentlich erörtern", so Podoljak. Der Start hänge von den benötigten Waffen ab, von der Verfügbarkeit von Artilleriemunition, Raketen, Drohnen und Militärtechnik. Schon jetzt würden jene Frontabschnitte bearbeitet, wo sich massiv russische Kräfte konzentrierten, um deren Verteidigungsmöglichkeiten zu schwächen. Außerdem bestimme der Wetterfaktor die Fortbewegungsmöglichkeit der Militärtechnik.
Ukrainischer Präsidentenberater fordert russischen Abzug
Zu
den chinesischen Vermittlungsversuchen meinte Podoljak, ein Friedensplan
sollte jene Punkte berücksichtigen, "über die Präsident Selenskyj nicht
nur einmal gesprochen hat: die Achtung internationalen Rechts, die
Anerkennung der territorialen Integrität und Souveränität der Ukraine."
Daher müsse der erste Punkt jedweden Friedensplans der Abzug russischer
Truppen aus dem besetzten Gebiet sein. Solange Russland Gebiete besetzt
halte, gebe es keinen Frieden für die Ukraine.
"Wenn man davon ausgeht, dass Russland eine Okkupationsmacht bleibt, dann ist das kein Friedensplan, sondern der Versuch, der Ukraine nach 14 Monaten Krieg ein russisches Ultimatum aufzuzwängen. Das ist nicht annehmbar für uns. Wenn die Leute also von einem Friedensplan reden, dann möchte ich wissen: Schlagen Sie uns vor, freiwillig zu sterben?", erklärte Podoljak.