"Wann werden Sie endlich aktiv Herr Bundeskanzler?", fragte die SPÖ am Donnerstag im Nationalrat im Hinblick auf die Gesundheitsversorgung in Österreich, die in Gefahr stünde.
Am Donnerstag wurde die Nationalratssitzung mit einer heftigen Debatte zum Thema Gesundheitssystem eröffnet. Die Opposition - allen voran die SPÖ, die das Thema aufs Tapet gebracht hatte - hielt der Regierung vor, nichts gegen den massiven Personalmangel in den Spitälern und der Pflege sowie den (Fach)Ärztemangel zu tun. Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) verwies auf gesetzte Maßnahmen und die laufenden Finanzausgleichsverhandlungen.
"Wann werden Sie endlich aktiv Herr Bundeskanzler?"
"Die Gesundheitsversorgung der
österreichischen Bevölkerung ist in Gefahr. Wann werden Sie endlich
aktiv, Herr Bundeskanzler?" hatte die SPÖ als Thema der Aktuellen Stunde
formuliert. Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) ist allerdings auf Reisen
in Afrika, an seiner Stelle antwortete Vizekanzler Kogler.
"Schande": Grüne hätten "älteste Zeitung der Welt zu Grabe" getragen
Diesem
hielt SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner zu allererst die "Schande" des
Beitrages der Grünen dazu vor, "die älteste Zeitung der Welt zu Grabe zu
tragen". Denn am Programm der Sitzung stand später das Aus für die "Wiener Zeitung" in der bestehenden Form.
Heftige Debatte im Nationalrat zum Thema Gesundheitssystem
Der
Regierung und speziell Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne)
machte Rendi-Wagner den Vorwurf, seit Jahren nichts getan zu haben.
Jetzt könnten, weil Ärzte und Personal fehlen, viele Patienten nicht
mehr adäquat versorgt werden, Kranke müssten nach Hause geschickt,
Operationen monatelang verschoben werden. Die Regierung müsse sich,
forderte die SP-Chefin, sofort mit allen Beteiligten hinsetzen und "so
lange arbeiten bis es eine Lösung für die österreichische
Gesundheitsversorgung gibt".
Kogler: Die Regierung "schaut hin und tut"
Die Regierung "schaut hin und tut",
hielt dem Kogler entgegen. Minister Rauch unternehme gerade in den
Finanzausgleichsverhandlungen den "ehrlichen Versuch", die Strukturen zu
verbessern - um Mittel frei zu machen, die man dann für die durchaus zu
Recht vorgebrachten Anliegen einsetzen könnte.
Schmolle: "Haben in Österreich ein ausgezeichnetes Gesundheitssystem"
ÖVP-Gesundheitssprecher
Josef Smolle ließ die Kritik der Opposition gar nicht gelten: "Wir
haben in Österreich ein ausgezeichnetes Gesundheitssystem" mit der
Sicherheit, "niederschwellig absolute Spitzenmedizin für jeden Menschen
zu bekommen". Die Spitäler seien nicht ausgedünnt, der Personalstand
sogar gestiegen. Und rufen könne man da nicht nach dem Kanzler - seien
doch viele zuständig, etwa die Länder für die Spitäler.
FPÖ schenkte schwarz-grünen Beteuerungen keinen Glauben
Die FPÖ
schenkte den schwarz-grünen Beteuerungen keinen Glauben: "Die Regierung
hat genau gar nichts gemacht um die Situation zu verbessern", verwies
Gesundheitssprecher Gerhard Kaniak darauf, dass etwa "die Pflegereform
mehr frustriert als geholfen" habe. Die vielen von der Opposition seit
2020 vorgelegten Vorschläge habe die Koalition alle immer "in Bausch und
Bogen vertagt".
Laut NEOS strukturelle Veränderungen notwendig
Aus Sicht der NEOS gibt es zwar genug Ärzte und
Mittel - aber nötig seien strukturelle Veränderungen, um die Versorgung
zu verbessern. Es könne nämlich nicht sein, "dass Patienten doppelt
zahlen müssen, für die Sozialversicherung und für die Wahlärzte",
forderte Fiona Fiedler u.a. eine dringende Aufstockung der
Primärversorgungszentren.
Neuerlich in den Nationalrat
zurückgekehrt ist der Kärntner Freiheitliche Maximilian Lindner - jetzt
aufgrund des Wechsels von Erwin Angerer, Spitzenkandidat bei der Wahl im
März, in den Kärntner Landtag. Lindner war schon 2008 bis 2013 und dann
noch einmal 2017 bis 2019 im Hohen Haus.