Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) betonte, dass Militärtransporte durch Österreich "natürlich auf gesetzlichen Grundlagen im Rahmen der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik der EU" erfolgen würden.
Das sagte Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) am Dienstag in einem Telefonat mit der APA aus Tirana, wo sie sich gerade aufhält. Auf die Frage, ob Transporte für die Ukraine mit der österreichischen Neutralität vereinbar seien, antwortete Tanner: "Das steht eigentlich sehr klar in den Verträgen."
Tanner zu Panzer-Zug: Transporte "auf gesetzlicher Grundlage"
"So es einen Beschluss gibt im Rahmen der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik, so wie das eben der Fall ist, dann ist das auch rechtens für ein militärisch neutrales Land", zitierte Tanner. Die Verteidigungsministerin betonte aber, dass es sich um Überflüge und Transporte zwischen EU-Staaten und nicht in Kriegsparteien wie die Ukraine handle. Für Bewilligungen nach dem Kriegsmaterialgesetz wie im Fall der Mitte April aus Italien nach Polen transportierten Panzerhaubitzen sei wiederum das Innenministerium zuständig.
Laut Karner sind Transporte Gegenstand von Untersuchungen
Innenminister
Gerhard Karner (ÖVP) seinerseits äußerte sich am Dienstag bei einer
Pressekonferenz zu den Waffentransporten: "Nur ein Satz dazu", sagte er:
"EU-interne Transporte sind nicht bewilligungspflichtig und Italien hat
offensichtlich hier Richtung Polen das transportiert. Alles andere ist
Gegenstand von Untersuchungen."
FPÖ fordert Stopp der Transporte von militärischer Ausrüstung
Die FPÖ fordert indes einen Stopp
der Transporte: Die Bundesregierung müsse "Österreich zu einer
No-Transport-Zone für Kriegsgerät machen", verlangte FPÖ-Generalsekretär
Christian Hafenecker in einer Aussendung. Unter Berufung auf eine
Anfragebeantwortung des Verteidigungsministeriums verwies Hafenecker
darauf, dass im Vorjahr 1.459 Militärtransporte österreichisches
Staatsgebiet, hauptsächlich aus NATO-Staaten, passierten. Zudem wurde
demnach der Luftraum 6.550 mal militärisch überflogen, in 20 Fällen ohne
Genehmigung.
Keine Anfrage für Österreichs Mithilfe bei Minenbeseitigung
Keine offizielle Anfrage aus der Ukraine gibt es
unterdessen für österreichische Mithilfe für Minenbeseitigung in der
Ukraine. Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte das Thema in seiner Rede an
den Nationalrat Ende März angesprochen. "Es gibt keine offizielle
Anfrage", erklärte Tanner und ergänzte: "Die Frage stellt sich erst nach
Beendigung des Krieges." In dieser Frage sei sie sich mit ihrer
nordmazedonischen Amtskollegin Slavjanka Petrovska einig. Dass
Österreich im Bereich Entminung "Kompetenz hat, zeigen wir ja in
Bosnien-Herzegowina", betonte Tanner.
Nordmazedonien ist hybriden Angriffen und Desinformation ausgesetzt
Seit Beginn des russischen
Angriffskriegs gegen die Ukraine ist Nordmazedonien hybriden Angriffen
und Desinformation ausgesetzt worden, berichtete Tanner weiter. Das
Westbalkan-Land beschäftige sich intensiv mit Cybergefahren und biete
für Streitkräfte sowie die Öffentlichkeit Schulungen an. Auch
Österreicher hätten an einem solchen Kurs teilgenommen. In Albanien sei
die Lage etwas anders. Auch hier habe es zwei große Cyberattacken
gegeben. Diese seien allerdings von einer kleinen Gruppe mit Bezug zum
Iran verursacht worden.
Wege von Nordmazedonien und Albanien in die EU
Hauptthema ihrer Gespräche am Montag und
Dienstag in Nordmazedonien und Albanien sei deren Weg in die EU, sagte
Tanner. In ihren Gesprächen in Skopje und Tirana sei hervorgehoben
worden, wie "unterstützend" Österreich in diesem Bereich tätig sei. Für
Österreich sei die Stärkung der Widerstandsfähigkeit der beiden
Westbalkanstaaten gegen Bedrohungen von außen "wichtig", sagte Tanner.
"Das heißt auch mehr Sicherheit für uns in Österreich." Anders als
Österreich gehören Albanien und Nordmazedonien dem nordatlantischen
Verteidigungsbündnis NATO an.