In Europa führt die hohe Luftverschmutzung mit Schadstoffen wie Feinstaub einer Schätzung zufolge jedes Jahr zum vorzeitigen Tod von mehr als 1200 Kindern und Jugendlichen.
Außerdem steigert sie für Heranwachsende das Risiko für Krankheiten im weiteren Lebensverlauf erheblich, wie aus am Montag vorgestellten Berichten der Europäischen Umweltagentur (EEA) hervorgeht. Luftverschmutzung führt Experten zufolge unter anderem zu mehr gefährlichen Asthmaanfällen.
Besserer Schutz für Kindergesundheit notwendig
Es
müsse mehr für den Schutz der kindlichen Gesundheit vor den negativen
Folgen der Luftverschmutzung getan werden, erklärte die in Kopenhagen
ansässige EU-Behörde. Trotz Verbesserungen in den vergangenen Jahren
liege die Belastung mit verschiedenen Schadstoffen in vielen Ländern
weiter hartnäckig über den von der Weltgesundheitsorganisation (WHO)
empfohlenen Grenzwerten, besonders in Mittelosteuropa und Italien.
Hauptgrund der dortigen Feinstaubbelastung sei die Verbrennung fester
Brennstoffe wie Kohle beim Heizen und in der Industrie.
Neben den Werten beim Feinstaub seien etwa auch die bei Ozon und Stickstoffdioxid nach wie vor zu
hoch, so die Umweltagentur. Kinder und Jugendliche seien besonders
anfällig, weil sich ihre Organe und ihr Immunsystem noch in der
Entwicklung befänden. Alle Europäerinnen und Europäer müssten vor
schlechter Luft geschützt werden - vor allem aber die Kinder, forderte
EEA-Exekutivdirektor Hans Bruyninckx. Maßnahmen auf EU-, nationaler und
lokaler Ebene müssten dringend weiter verstärkt werden, "um unsere
Kinder zu schützen, die sich nicht selbst schützen können". Bis zu wirklich sauberer Luft sei es noch ein weiter Weg.
Schlechte Luft schadet Kindern und Jugendlichen in Europa
Derzeit
verursacht die Luftverschmutzung nach EEA-Schätzungen jährlich über
1200 vorzeitige Todesfälle unter Minderjährigen in den 32
Mitgliedstaaten - dazu zählen neben den 27 EU-Ländern die Schweiz,
Norwegen, Island, Liechtenstein und die Türkei. Obwohl die Zahl in
dieser Altersgruppe verglichen mit der in der Gesamtbevölkerung relativ
niedrig sei, stellten Todesfälle im frühen Lebensalter ein verlorenes
Zukunftspotenzial dar.
"Wir können Kinder nicht wie kleine
Erwachsene betrachten, wenn es um Umweltrisiken und Luftverschmutzung
geht", sagte der EEA-Experte Gerardo Sanchez. Sie hätten unter anderem
eine höhere Atemfrequenz, atmeten mehr durch den Mund, befänden sich
näher am Boden und hätten ein geringeres Gewicht. Ihre Biologie sei
anders, aber auch die Art und Weise, wie sie Luftverschmutzung
ausgesetzt seien. Dies könne potenziell sehr schwerwiegende
Gesundheitsfolgen haben, darunter eine herabgesetzte Lungenfunktion,
Asthma und Allergien.
Um Kinder besser zu schützen, sei es am wichtigsten, die Luftverschmutzung an der Quelle - also im Verkehr, in der Industrie und beim Heizen - zu
reduzieren, sagte Sanchez. Eine gute Maßnahme sei auch, sich auf eine
Verbesserung der Luftqualität rund um Schulen und Kindergärten zu konzentrieren, etwa durch mehr Grünflächen.
Todesfälle aufgrund von Luftverschmutzung
Dazu,
wie viele vorzeitige Todesfälle insgesamt auf die Luftverschmutzung
zurückgehen, veröffentlicht die EEA in der Regel jeweils im Herbst eine
neue Schätzung. Zuletzt waren es in Hinblick auf Zahlen des Jahres 2020
in der EU knapp 240.000 allein durch Feinstaub. Weltweit sterben nach
WHO-Angaben jährlich rund sieben Millionen Menschen vorzeitig infolge
von Luftverschmutzung.
Probleme mit zu
hohen Schadstoffwerten gibt es dabei oft vor allem in den Städten. In
den EU-Staaten mussten im analysierten Jahr 2021 mehr als 90 Prozent der
Stadtbevölkerung mit Werten an Feinstaub (PM2.5), Ozon (O3) und
Stickstoffdioxid (NO2) leben, die über den WHO-Empfehlungen lagen.
Gerade Feinstaub der Größenkategorie PM2.5 (Durchmesser kleiner als 2,5
Mikrometer) gilt als schädlich und Verursacher von Schlaganfällen, Krebs
und Atemwegserkrankungen. Die WHO-Richtwerte sind deutlich strenger
gefasst als die Grenzwerte der EU.
Mancherorts weit im Süden und im Norden des Kontinents gibt es auch Lichtblicke: Die Städte mit der saubersten Luft in Europa sind gemessen an der Feinstaubbelastung Faro in Portugal sowie Umeå und Uppsala in Schweden, wie aus den jüngsten Vergleichswerten von 375 europäischen Städten hervorgeht. Es folgen Funchal (Portugal), Tallinn (Estland), Tampere (Finnland) und Reykjavik (Island). Die besten Werte unter den österreichischen Städten erzielen Salzburg (Rang 42) und Innsbruck (49), die schlechtesten Linz (229) und Graz (278). Wien liegt an 164., Klagenfurt an 176. Stelle.