Nicht nachvollziehen kann Sozialminister JOhannes Rauch (Grüne) die hohen Preissteigerungen bei den Lebensmitteln. Für SPÖ und ÖGB stehen die "Preistreiber" schon fest: Unternehmen seien schuld an der Teuerung.
Sozialminister Johannes Rauch (Grüne) will deshalb schon in den nächsten Tagen Vertreter des Lebensmittelhandels und Experten zu einem Gespräch einladen. Für SPÖ und ÖGB steht fest, dass "Preistreiberei" der Unternehmen schuld ist an der Teuerung. Das gewerkschaftsnahe Momentum Institut hat berechnet, dass drei Viertel der "hausgemachten" Teuerung in höhere Unternehmensgewinne fließen.
Preissteigerungen bei Lebensmittel für Rauch "nicht nachvollziehbar"
Im Sozialministerium wundert man sich, warum die Preissteigerungen bei Lebensmitteln deutlich über der ohnehin hohen Inflationsrate liegen. Die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) habe bereits eine Untersuchung gestartet und zuletzt 1.500 Lieferanten des Lebensmittelhandels dazu befragt, heißt es dazu heute aus dem Ministerium. Viele europäische Länder hätten unterschiedliche Maßnahmen ergriffen.
Termin für Treffen zu teueren Lebensmitteln in ein paar Tagen
Der Termin und der genaue
Teilnehmerkreis für das Treffen, das Rauch und Vizekanzler Werner Kogler
(Grüne) einberufen wollen, soll in den kommenden Tagen feststehen. Das
Gespräch solle die Frage klären, ob die Preissteigerungen wirklich
gerechtfertigt sind oder ob die Notwendigkeit besteht einzugreifen,
teilte das Sozialministerium am Montag auf APA-Anfrage mit.
Profite von Unternehmen würden Inflation in Österreich befeuern
Laut Momentum Institut treiben die Profite der heimischen Unternehmen die Inflation in Österreich stärker als in fast allen anderen Ländern der Eurozone. Eine Analyse der Entwicklung des Anteils von Profiten an der Inflation über den Zeitraum von 2000 bis 2022 zeige, dass die Profite bei der Inflation in Österreich zuletzt um ein Viertel mehr ausgemacht hätten als vor 2022. Drei Viertel der nicht importierten Teuerung gingen auf die höheren Unternehmensgewinne zurück, nur ein Viertel auf die Löhne, schreibt Momentum und beruft sich dabei auf Eurostat-Daten.
"Hausgemachte" Inflation gehe nicht auf importierte Teuerung zurück
Die
"hausgemachte" Inflation, also jener Teil der Preiserhöhungen, der
nicht auf die importierte Teuerung zurückgeht, lag demnach im Euroraum
bei 5,8 Prozent. Mit knapp 60 Prozent wurde mehr als die Hälfte der
hausgemachten Inflation durch gestiegene Profite der Unternehmen
verursacht.
Inflation in Österreich im März bei 9,2 Prozent
In Österreich betrug die Inflation im März 9,2
Prozent, der Wert der "hausgemachten" Inflation sei zuletzt bei 6,5
Prozent gelegen, schreibt Momentum. Der Beitrag der Unternehmensgewinne
zur Teuerung sei mit 75 Prozent deutlich höher als im europaweiten
Vergleich. "Drei Viertel der hausgemachten Inflation wurden durch
Unternehmensprofite verursacht und nur ein Viertel geht auf die Löhne
zurück", sagt Mattias Muckenhuber von Momentum. "Österreich liegt damit
in der Eurozone am unrühmlichen 4. Platz." Nur in Zypern, Griechenland
und Irland hätten Unternehmensgewinne einen noch höheren Anteil. In
diesen Ländern sei jedoch die Inflationsrate niedriger als in
Österreich.
Lebensmittel weniger stark gestiegen als im EU-Vergleich
Ein Ranking, in dem Österreich aber viel besser
dasteht, hat auch die industrienahe Agenda Austria erstellt: Demnach
sind die Lebensmittelpreise in Österreich im Jahresabstand weniger stark
gestiegen als in den meisten anderen EU-Ländern - der Preisanstieg um
14,6 Prozent bei Lebensmitteln war demnach deutlich geringer als etwa in
Deutschland, aber auch weniger als in den Nachbarländern Ungarn,
Slowakei, Tschechien oder Slowenien.
Mehr als ein Zehntel der Ausgaben im Haushalt für Lebensmittel
"Wenn die Lebensmittelpreise
in Österreich viel stärker steigen würden als in vergleichbaren Ländern,
dann müsste man sich schon fragen, ob da etwas nicht stimmt", meint Jan
Kluge von der Agenda Austria. Doch derzeit scheine der Handel vor allem
gestiegene Weltmarktpreise weiterzugeben. "Sollte dabei gelegentlich
ein Körberlgeld drin sein, hilft nur eins: Mehr Wettbewerb", lautet das
bereits bekannte Patentrezept der Agenda Austria.
In Österreich wird etwas mehr als ein Zehntel der Haushaltsausgaben für Lebensmittel verwendet.