Trotz der schwierigen Versorgungslange hat Österreich seinen Strombedarf im Winter gut gedeckt, der Stromnetzbetreiber APG (Austrian Power Grid) sieht die Herausforderungen aber noch nicht überwunden.
So könnten mögliche Trockenperioden die Stromproduzenten im Sommer vor Schwierigkeiten stellen, schreibt die APG einer Aussendung. Sie plädiert für einen Ausbau der Netzkapazitäten, um im Bedarfsfall mehr preisgünstigen Strom ins Land importieren zu können.
"Mit dem Verlauf des Winters können wir aus Sicht der Versorgungssicherheit durchaus zufrieden sein", resümierte APG-Vorstand Gerhard Christiner. Österreich sei durch die hohe Verfügbarkeit des Stromnetzes, die hohen Speicherstände im Gasbereich sowie der Netzreserve gut vorbereitet gewesen. Außerdem habe die Reduktion des Verbrauchs geholfen. Trotzdem erkenne man im System noch Schwachstellen, vor allem bei den Netzkapazitäten, die aktuell nicht ausreichen würden, um sich - wenn notwendig - mit günstigen Strom aus dem Ausland zu versorgen.
Der Stromnetzbetreiber verwies dabei auf die jüngste
Entwicklung der Redispatching-Maßnahmen. Das sind Notfallmaßnahmen, die
zur Stabilisierung der Netze eingesetzt werden, etwa die Inbetriebnahme
von Gaskraftwerken. 2022 habe man diese Maßnahmen an 237 Tagen
durchführen müssen. Das habe Kosten in Höhe von 718 Mio. Euro
verursacht. Es handle sich um Gelder, die letztlich Netzkundinnen und
Netzkundenbezahlen müssten und die stetig steigen würden, erklärte
Christiner. "Wir zahlen einen enorm hohen Preis für das Verzögern des
Netzausbaus durch langwierige Genehmigungsverfahren."
Der
Netzausbau ist laut APG auch vor dem Hintergrund von zunehmenden
Wetterkapriolen von Bedeutung. Denn der Winter habe gezeigt, welche
Auswirkungen Trockenheit auf die Wasserführung europäischer Flüsse habe.
So sei anzunehmen, dass eine längere Trockenperiode im Sommer negative
Auswirkungen in vielen Bereichen der Stromproduktion - u. a.
Laufwasserkraft- und Kraftwerkskühlung - in Österreich haben könnte.
Einen Rückgang bei der Laufwasserkraft habe man schon im vergangenen Jahr beobachtet. Der reduzierte Stromverbrauch im Sommer habe dies nur in geringem Maße kompensiert, so Christiner, der auch auf die Bedeutung der Netze für die Integration von erneuerbarem Strom verwies. Bleibe Österreich beim Ausbau zurück, bestehe die Gefahr, dass man weiterhin auf Gaskraftwerke zurückgreifen müsse und erneuerbare Energie im Hintertreffen bleibe.