Laut dem Rektor der MedUni Graz, Hellmut Samonigg, ist der Mangel an Ärzten sowie Pflegekräften in den heimischen Spitälern "in einzelnen Bereichen besorgniserregend".
Besonders irritierend sei, "dass es momentan gar nicht darum geht, die Situation gravierend zu verbessern, das gelingt akut gar nicht", berichtete der Mediziner. Es gehe darum, "die Abwärtsspirale zu stoppen und Maßnahmen zu setzen, damit es nicht noch schlimmer wird".
Besorgniserregender Mangel an Spitalspersonal in einzelnen Bereichen
Der aktuelle
Zustand habe sich bereits seit Herbst 2021 entwickelt, erläuterte
Samonigg. Aus Krankenhäusern abwandernde Ärztinnen und Ärzte gehen vor
allem "schlichtweg in die Praxis oder eröffnen eine Wahlarztpraxis,
gehen in den niedergelassenen Bereich und das ist das zentrale Thema. Es
ist nicht die Zahl der Ärzte, die zu gering ist, sondern es ist das
Problem, dass die Ärzte nicht dort sind, wo sie gebraucht werden", hielt
der Med-Uni-Rektor fest. Das sei "ein sehr massives Problem" für die,
die weiterhin in den Spitälern arbeiten.
Er habe "den starken
Eindruck, dass das nicht wirklich auf den Tisch gelegt wird von den
Verantwortlichen, dass wir da ein ordentliches Problem haben". Die
Situation führe "naturgemäß zu einer Einschränkung der
Behandlungsqualität" sowie zu erhöhtem Fehlerrisiko "und schlussendlich
zu einer Überlastung - physisch wie psychisch - und das ist ja das
Problem, warum wir immer wieder Arbeitskräfte vor allem im Pflegebereich
verlieren, weil sie den Druck einfach nicht mehr aushalten wollen und
auch teilweise nicht mehr können".
Rauch erinnerte an eine Stärkung des ambulanten Bereichs
Gesundheitsminister Johannes
Rauch (Grüne) erinnerte angesichts der Alarmrufe aus den Spitälern an
die Versuche, im Zuge der Finanzausgleichsverhandlungen für eine
Stärkung des ambulanten Bereichs zu sorgen. Angesprochen auf die -
öffentlich nicht einsehbare - Zahl der in den Krankenhäusern der
Bundesländer wegen Personalmangels gesperrten Betten, meinte er nach dem
Ministerrat, man bemühe sich um diese und sei im täglichen Austausch.
Nennen konnte er die Zahl allerdings nicht.
"Es wird darum gehen,
insgesamt bei der Personalsituation Abhilfe zu schaffen", sagte Rauch:
"Das kann aber nicht rasch geleistet werden." Geld allein helfe hier
nicht, denn auch im niedergelassenen Bereich fehlten die Kassenärzte.
Wichtig sei die Ausbildung, man müsse aber im gesamten
Gesundheitsbereich auch die Anwerbung im Ausland forcieren. "Wir können
den gesamten Personalbedarf in Österreich nicht abdecken", unterstrich
der Gesundheitsminister.
Versorgungssituation im psychischen Bereich für Kinder unbefriedigend
Als unbefriedigend bezeichnete Rauch auch
die Versorgungssituation im psychischen Bereich für Kinder und
Jugendliche. Man habe bereits den Ausbildungsschlüssel verändert und
versucht, mit dem Programm "Gesund aus der Krise" eine rasche Behandlung
anzubieten und zumindest Spitzen wegzunehmen. Mittelfristig soll die
Reform des Psychotherapiegesetzes helfen, so der Minister. Mit dieser
soll die Ausbildung an die Unis geholt und dadurch leistbarer werden.
"Für
niedergelassene Ärzte müssen Kassenverträge attraktiver gemacht
werden", verlangte FPÖ-Gesundheitssprecher Gerhard Kaniak in einer
Aussendung. "Wir fordern eine einheitliche Auszahlungshöhe für alle
Betroffenen im Pflegebereich, nämlich auch für Leiharbeitskräfte. Auch
müssen die versprochenen 2.000 Euro netto bei den Pflegekräften
ankommen", so Kaniak. Die NEOS sprachen sich für einen Personalnotgipfel
aus. "Österreich leidet unter einer nie dagewesenen Personalnot. Und
was macht der Bundeskanzler? Er veranstaltet einen Autogipfel",
kritisierte NEOS-Wirtschaftssprecher Gerald Loacker. Längst sei aus dem
Fachkräftemangel erst ein Arbeitskräftemangel und mittlerweile eine
echte Personalnot geworden. "Das führt dazu, dass man im Krankheitsfall
kein freies Spitalsbett mehr bekommt oder ewig auf einen Termin wartet,
weil Ärzte und Pflegekräfte fehlen."
Gefährdungsanzeige aus Wiener Klinik Ottakring
Für Aufregung hatte diese Woche u.a. eine Gefährdungsanzeige aus der Wiener
Klinik Ottakring gesorgt, worin laut Tageszeitung "Der Standard" vor
einem möglichen temporärem Ausfall der Zentralen Notaufnahme (ZNA)
gewarnt wurde. Die Gefährdungsanzeige ist "ein präventives Instrument
des Klinikmanagements" und "der Gefahrenabwehr", das auf mögliche
Gefährdungen der Patientensicherheit hinweisen soll, hieß es dazu am
Mittwoch auf APA-Anfrage aus dem Wiener Gesundheitsverbund.
In der Zwischenzeit hätten bzgl. der ZNA an der Klinik Ottakring mehrere Besprechungen mit dem Verfasser der Anzeige, mit dem Abteilungsleiter und den internistischen Abteilungen bzw. deren Vorständinnen und Vorständen stattgefunden. Im Mittelpunkt stehen demnach Schritte zur verstärkten Rekrutierung von Fachärzten, einer Attraktivierung des Arbeitsplatzes und Maßnahmen zur Entlastung des bestehenden Personals. Darüber wurde seit Dezember das interne Kontingent an Rettungszufahrten reduziert und die Rettungsleitstelle angehalten, eine gleichmäßige Verteilung der Rettungszufahrten auf alle in Wien verfügbaren Kliniken sicherzustellen, wurde betont.