Am 19. April ist der erste "Internationale Tag der Schakale". Goldschakale leben im Verborgenen, deswegen kann niemand genau sagen, wie viele Tiere derzeit durch Österreich streifen.
"Wir verzeichnen aber immer mehr handfeste Nachweise", so die Leiterin des "Goldschakalprojekts", Jennifer Hatlauf, im Gespräch mit der APA anlässlich des ersten "Internationalen Tages der Schakale" am 19. April. Hierzulande gehe es im Zuge dessen vor allem darum, "die Augen zu schulen", um Laien die mitunter schwierige Bestimmung zu erleichtern.
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Goldschakal in Österreich im Aufwind
Der Goldschakal (Canis aureus) ist ein kleinerer Vertreter der Familie der Hunde und etwas größer als ein Fuchs. Anfang des 20. Jahrhunderts noch sehr selten, breitet sich die Art in den vergangenen Jahrzehnten von ihrem ursprünglichen Lebensraum auf dem Balkan auf natürliche Weise in Europa aus. Damit unterscheidet sie sich klar von sogenannten eingeschleppten oder invasiven Arten, erklärte die Forscherin vom Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft der Universität für Bodenkultur (Boku) Wien. Seit 1987 gibt es Nachweise in Österreich.
Selbst
in der Bundeshauptstadt gelang im Jänner dieses Jahres der erste
gesicherte Beleg eines Goldschakals. Damit gebe es nun Bestätigungen aus
allen Bundesländern, außer Vorarlberg, wie Hatlauf betonte. Die
Wissenschafterin und ihr Team veröffentlichen im Mai den nächsten
Statusbericht zu den aktuellen Nachweisen der Tiere im gesamten
Bundesgebiet. Dafür ist man auch stark auf Sichtungen und
Dokumentationen von Laienforschern - sogenannten "Citizen Scientists" -
angewiesen.
Erster "Tag des Schakals"
Meldungen sind zwar im Zunehmen, auf eine zahlenmäßige
Schätzung lassen sich die Forscher aber nicht ein - auch weil man es
bei den wanderfreudigen Tieren mit einigen "Durchzüglern" zu tun hat,
Tiere immer wieder auch in Verkehrsunfällen getötet werden oder bejagt
werden. Etwa in der Grenzregionen zu Ungarn wurden schon sesshafte
Kleinfamilien der rund einen Meter langen und ungefähr zehn Kilogramm
schweren Tiere nachgewiesen, berichtete Hatlauf.
Ob einem gerade ein Goldschakal über den Weg gelaufen ist, sei oft nicht einfach richtig einzuschätzen. Dem ersten Wiener
Nachweis gingen etwa eine Vielzahl an Falschmeldungen - vulgo
Verwechslungen mit Rotfüchsen - voraus. In etwa die Hälfte der
Meldungen, die über das Forschungsprojekt hereinkommen, entpuppen sich
als falsche Zuordnungen.
"Die Verwechslung mit Füchsen ist nach
wie vor noch sehr häufig", so Hatlauf, die die "Tag des
Schakals"-Premiere auch nutzen möchte, um in einer Online-Veranstaltung
für Laien und Forscher am Mittwochabend Unterscheidungsmerkmale
herauszustreichen. So ist ein wichtiger Unterschied zum Fuchs - das in
der Regel goldgelb gefärbte Fell - etwa in der Dämmerung kaum vom
rötlichen Fuchsfell auseinanderzuhalten.
Ein wichtiger
Anhaltspunkt ist die Länge des Schwanzes, der beim Rotfuchs weit länger
ist. Ein Größenvergleich sei natürlich bei einer Beobachtung im Feld nur
schwer anzustellen. Kommt man den Tieren näher, zeichnet sich der
Goldschakal durch eine helle Zeichnung hinter den Ohren aus. Die Beine
des Fuchses sind wiederum deutlich dunkler gefärbt.
Schakale: Mehr Förderung für Erhebungen gewünscht
Für Hatlauf
ist zentral, dass mehr über die tatsächliche Verbreitung der
Goldschakale bekannt und deren Funktion im Ökosystem erforscht wird. Bis
nach Norddeutschland und Skandinavien oder unlängst nach Spanien
reichen mittlerweile die Nachweise. "Ich würde mir mehr Förderung für
umfangreichere Erhebungen wünschen", so die Wildtierökologin, die die
weitere Ausbreitung der anpassungsfähigen Tiere in Europa als gegeben
ansieht. Für Österreich soll das Event auch dem Austausch mit Experten
aus Ländern wie Ungarn oder vor allem Bulgarien dienen, in denen
Goldschakale schon weit länger in größeren Populationen vorkommen.
Der "World Jackal Day" soll künftig jährlich auf der ganzen Welt am 19. April begangen werden, denn Vertreter der Hundeverwandten, die als "Schakale" bezeichnet werden, gibt es nahezu auf allen Kontinenten: Neben dem in Europa und Asien heimischen Goldschakal gibt es auch noch den Schabrackenschakal (Lupulella mesomelas), den Streifenschakal (Schaeffia adusta), den Afrikanischen Schakalwolf (Canis lupaster) und den Äthiopischen Schakal (Canis simensis) in Afrika, den Amerikanischen Schakal oder Kojoten (Canis latrans) in Nordamerika und den Andenschakal (Lycalopex culpaeus) in Südamerika.