Am Mittwochnachmittag wird sich der von Bundeskanzler Karl Nehammer initiierte Autogipfel mit der Zukunft der Autobranche in Österreich beschäftigen.
Eingeladen sind Vertreter von Wissenschaft und Industrie. Der Start des Gipfels im Bundeskanzleramt ist für 16.15 Uhr vorgesehen. Thema soll unter anderem die Finanzierung von Forschung zu E-Fuels sein. Am Dienstagnachmittag besucht Nehammer das BMW-Motorenwerk in Steyr.
Nehammer sprach sich zuletzt angesichts der bis zu 80.000 Beschäftigten im gesamten Automobilbereich in Österreich gegen ein endgültiges Aus für Verbrennungsmotoren aus. In der Fahrzeugindustrie arbeiten hierzulande rund 40.000 Beschäftigte.
Kritik
am Gipfel kam von Oberösterreichs Umweltlandesrat Stefan Kaineder
(Grüne) und der Umweltschutzorganisation Greenpeace. "Die E-Fuel
Träumerei der Kanzlerpartei gefährdet die österreichische
Automobilindustrie. Diese ist längst am Weg zur E-Transformation", so
der Grünen-Politiker am Dienstag in einer Aussendung. Die
Umweltschutzorganisation Greenpeace fordert die Absage des "Auto-Gipfels"
und die Einberufung eines "Klimaschutz-Gipfels". Die Aktivistinnen und
Aktivisten der "Letzten Generation" kündigten eine Aktion anlässlich des
Autogipfels an.
In zwei Jahren sollen im
BMW-Werk in Steyr 600.000 Elektroantriebe pro Jahr produziert werden.
Elektromobilität sei wesentlich bei den Neuwagen der Zukunft, sagte
Werksleiter Klaus von Moltke dem ORF-Radio. Der deutsche Autoexperte
Ferdinand Dudenhöffer sieht E-Fuels kritisch. "Wenn man auf Synfuels
setzt für Pkws, da
setzt man wirklich auf den lahmen Gaul." Das große Geschäft werde die
Batterie, Österreich sei besser beraten, dort zu forschen und die
Autoindustrie dabei zu unterstützen, so der Autoexperte gegenüber "Ö1".
In
der EU dürfen ab 2035 keine Neuwagen mehr verkauft werden, die mit
Benzin oder Diesel fahren. Die EU-Staaten beschlossen Ende März
endgültig ein weitgehendes Aus für
neue Autos mit Verbrennungsmotor, nachdem die Entscheidung von
Deutschland wochenlang blockiert worden war. Nach dem erzielten
Kompromiss können auch nach 2035 Neuwagen mit Verbrennungsmotor in der
EU zugelassen werden, wenn sie mit klimaneutralem Kraftstoff (E-Fuel)
betankt werden.
E-Fuels sind Treibstoffe, die nicht aus fossilem Erdöl, sondern aus Strom gewonnen werden. Das "E" in E-Fuels steht für Elektro, Fuel wiederum ist das englische Wort für Kraftstoff. E-Fuels sind also Elektro-Kraftstoffe. Zur Herstellung von E-Fuels ist allerdings sehr viel Strom notwendig: Für einen Liter E-Fuel braucht man 16 bis 27 Kilowattstunden Strom. Sinnvoll ist der Einsatz nur dort, wo es keine Alternativen gibt. Den Großteil des E-Fuels werde man "für Luft- und Schifffahrt" brauchen, dies werde schon "eine irrsinnige Herausforderung", sagte der AVL-List-Manager Jürgen Rechberger dem Fachmagazin "Auto & Wirtschaft". Rechberger ist bei AVL List für die E-Fuel-Anlage in Graz verantwortlich. "In Europa muss es der absolute Fokus bleiben, batterieelektrische Pkw -voranzutreiben", so Rechberger.