Im März ist die Inflation in Österreich mit 9,1 Prozent immer noch sehr hoch - sie liegt über dem europäischen Durchschnitt. Das veranlasste Finanzminister Magnus Brunner (ÖVP) die Maßnahmen der Regierung zu verteidigen.
Die Maßnahmen der Regierung zur Bekämpfung der Teuerung sind deswegen oft der Kritik ausgesetzt - vor allem zu wenig Treffsicherheit, Überförderung oder Gießkannen-Methoden werden kritisiert. Finanzminister Magnus Brunner (ÖVP) hat die Maßnahmen der Regierung am Montag im Klub der Wirtschaftspublizisten verteidigt.
Anti-Teuerungs-Maßnahmen der Regierung verteidigt
"Die Inflation ist weiterhin viel zu hoch, keine Frage", so Brunner. "Unser Job ist zu unterstützen, das haben wir massiv gemacht." Bei Maßnahmen gegen die Teuerung müsse aber immer abgewogen werden zwischen Treffsicherheit, Geschwindigkeit und sozialem Ausgleich.
Brunner: Sei "nicht überall gelungen" treffsicher genug zu sein
Es sei
"nicht überall gelungen", treffsicher genug zu sein, räumte Brunner ein.
Allerdings sei die Möglichkeit für treffsichere Maßnahmen auch nicht
immer ausreichend gegeben gewesen - beispielsweise mangle es oft an den
notwendigen Datenschnittstellen. Hier erhofft sich der Minister in
Zukunft Verbesserungen. Man habe aber Maßnahmen zur Inflationsbekämpfung
immer mit Experten abgestimmt und sich "zurückgehalten, was die
Gießkanne betrifft", so Brunner.
Spanien und Frankreich hätten geringere Teuerung, dafür Einbußen bei Einkommen
Im Vergleich mit anderen Ländern
mit derzeit niedrigerer Inflation als in Österreich sei zudem zu
bedenken, dass es bei diesen wieder an anderer Stelle hapern würde. So
hätten Spanien oder Frankreich zwar weniger Teuerung, dafür hätten die
Länder deutliche Einbußen beim durchschnittlichen Haushaltseinkommen
hinnehmen müssen. In Österreich sei das Haushaltseinkommen im Schnitt
dagegen leicht gestiegen. Es gebe derzeit kein Land auf der Welt, dass
"eine niedrige Inflation, ein hohes Haushaltseinkommen, ein hohes
Wachstum und ein ausgeglichenes Budget hat", so Brunner. Man müsse daher
abwägen auf welche Faktoren man achten wolle.
Finanzminister habe ein genaues Auge auf die Budgetentwicklung
Der Finanzminister
hat dementsprechend auch ein genaues Auge auf die künftige
Budgetentwicklung. Für heuer rechnet er mit einem Defizit von etwas mehr
als 3 Prozent, damit liegt Österreich noch leicht über den
Maastricht-Kriterien und für Brunner klar zu hoch. Bis 2026 strebt er
ein Defizit von etwa 1,5/1,6 Prozent an. Auch die Verschuldung müsse
sich nach unten bewegen, in Richtung 70 Prozent.
Normalisierung des Budgets sei künftig wichtig
Wichtig sei
jedenfalls, in den kommenden Jahren eine Normalisierung des Budgets zu
erreichen. "Ein Budget wird ja nicht in einer Krisensituation ruiniert.
Man ruiniert ein Budget, wenn man die Abzweigung nicht schafft, nach der
Krise richtig herauszukommen", so Brunner. Generell müsse in der
Gesellschaft die Erwartungshaltung an den Staat runtergeschraubt werden.
"Dass der Staat alles richten kann und zu 100 Prozent kompensieren
kann, davon muss man sich verabschieden", sagte der Finanzminister.
Inflationsbekämpfung obliege - laut Brunner - nicht nur dem Staat
Die
Inflationsbekämpfung obliege zudem nicht nur dem Staat, sondern "im
großen Stil" vor allem der Europäischen Zentralbank (EZB). Ob auf dieser
Ebene alles richtig gemacht wurde, sei fraglich, allerdings habe es
auch der EZB an Spielraum gemangelt, da ein zu frühes Drehen an der
Zinsschraube die Schuldensituation in einigen EU-Ländern massiv
beeinträchtigt hätte.