Am Freitagvormittag empfängt Außenminister Alexander Schallenberg den türkischen Außenminister Mevlüt Cavusoglu in Wien.
Das Hauptthema des Arbeitsgesprächs in Wien werde der Krieg in der Ukraine sein, teilte die Sprecherin Schallenbergs der APA auf Anfrage mit. Man werde die Vermittlerrolle der Türkei bei der Vermittlung des Getreideabkommens zwischen Kiew und Moskau würdigen, hieß es aus dem Außenministerium weiters. Das aktuelle Abkommen läuft im Mai aus.
Sollte es nicht gelingen, das Abkommen zu verlängern, drohen erneut Engpässe bei der globalen Versorgung mit Nahrungsmitteln. Cavusoglu wird in Wien auch Gespräche mit der Generalsekretärin der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), Helga Schmid, diesbezüglich führen. Außerdem trifft der türkische Außenminister den Generaldirektor der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA), Rafael Grossi. Bei diesem Gespräch dürfte vor allem die Sicherheit des ukrainischen Atomkraftwerks Saporischschja gehen, das derzeit von russischen Truppen besetzt ist, thematisiert werden.
Cavusoglu werde sich für die
österreichische Hilfe nach dem verheerenden Erdbeben in der Türkei mit
über 50.000 Toten bedanken, hieß es von türkischer Seite gegenüber der
"Presse". Erst kürzlich war Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig
(ÖVP) in der Erdbebenregion und hatte dort angekündigt, dass Österreich
den Soforthilfefonds des Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen
(WFP) mit sechs Millionen Euro unterstützen werde.
Im Hinblick auf
die bevorstehenden Präsidentschaftswahlen in der Türkei am 14. Mai
werde Schallenberg aber auch unmissverständlich klarstellen, dass die
türkische Innenpolitik und der türkische Wahlkampf nicht in andere
Länder exportiert werden dürfen. "Wir akzeptieren keinen Import
innertürkischer Auseinandersetzungen und Konflikte nach Österreich und
werden allen Versuchen einer Instrumentalisierung der türkischstämmigen
Community entschieden entgegentreten", betonte die Sprecherin
Schallenbergs.
Dem Vernehmen nach wird Cavusoglu dann am Freitagabend in einer Veranstaltungshalle im 23. Bezirk an einem großen Iftar Fastenbrechen der Union Internationaler Demokraten, die als AKP-nach gilt, mit etwa 1.000 geladenen Gästen teilnehmen. Gläubige Muslime verzichten im Fastenmonat Ramadan rund 30 Tage lang von Morgengrauen bis Abenddämmerung auf Essen und Trinken und versammeln sich traditionell mit Familie und Freunden, um am Abend das Fasten zu brechen.