Die SPÖ-Vorsitzende Pamela Rendi-Wagner kritisiert die "magere" ÖVP-Präsenz bei der Rede des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj im österreichischen Parlament.
Die wenig besetzten Reihen der SPÖ bei der Rede des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj im Parlament haben "kein gutes Bild" abgegeben, räumte SPÖ-Parteichefin Pamela Rendi-Wagner am Dienstag ein. Aber sie merkte im ORF-"Report" auch an, dass nur zwei ÖVP-Regierungsmitglieder anwesend waren. "Das ist auch kein gutes Bild" und "etwas mager", meinte Rendi-Wagner. "Entschieden" lehnte sie eine Selenskyj-kritische Äußerung von SPÖ-Bildungssprecherin Petra Tanzler ab.
Rendi-Wagner kritisiert geringe ÖVP-Präsenz bei Selenskyj-Rede
Diese hatte auf Anfrage des "Falter" über ihre Abwesenheit vergangenen Donnerstag - neben dem Hinweis, dass es eine Veranstaltung von Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP) war - geantwortet: "Abgesehen davon hat eine Rede eines kriegsführenden Staatschefs, der Kriegspropaganda betreibt, die Gewerkschaften in seinem Land bekämpft und angeblich Streu- und Phosphatbomben auf Unschuldige abwerfen lässt, in einem Parlament eines sich zur Neutralität bekennenden Landes nichts zu suchen".
Rendi-Wagner lehnte Äußerungen von SPÖ-Bildungssprecherin ab
Diese Aussage sei "grundfalsch" und "nicht zu
entschuldigen", sagte Rendi-Wagner, "das ist nicht Position der
Sozialdemokratie". Sie verwies darauf, dass Tanzler im parteiinternen
Führungsstreit eine "Befürworterin von Doskozil" ist - aber auch darauf,
dass Tanzler mittlerweile via Twitter zurückgerudert ist. "Ich möchte
klarstellen, dass ich den Angriffskrieg Russlands auf die #Ukraine
verurteile und daher bei zahlreichen Entschließungen, die im Nationalrat
dazu verabschiedet wurden, mitgestimmt habe. Ich stehe zu den
Hilfsleistungen für die Ukraine und den Sanktionen gegen Russland",
teilte sie ein paar Stunden nach der Veröffentlichung ihrer Antwort an
den "Falter" mit.
SPÖ-Position sei die Solidarität mit der Ukraine
Die SPÖ-Position sei seit Beginn des russischen
Angriffs, dass dieser nicht zu rechtfertigen ist, die Solidarität der
SPÖ gegenüber der Ukraine sei "unumstößlich", unterstrich Rendi-Wagner.
Sie selbst sei erkrankt - mit Fieber und starkem Schnupfen - und deshalb
nicht bei der Rede dabei gewesen. Kritik, sie haben Klub nicht in der
Hand gehabt, wies sie mit Hinweis auf die Erkrankung, aber auch auf die
Freiwilligkeit der Teilnahme an der Veranstaltung zurück.
SPÖ-Mitgliederbefragung: Kritik am Procedere von Doskozil
Zur
SPÖ-Mitgliederbefragung betonte Rendi-Wagner - auch zu Kritik von
Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil am Procedere -, sie
werde sich "sicher nicht einmischen" in die Abläufe, diese seien Sache
der unabhängigen Wahlkommission. Was die vom dritten Bewerber, dem
Bürgermeister von Traiskirchen, Andreas Babler geforderte Stichwahl
betrifft, erinnerte sie auf die Statuten. Demnach gebe eine
Mitgliederbefragung eine "Orientierung" über den Willen der Mitglieder,
aber die demokratisch legitimierte Entscheidung falle beim
Bundesparteitag.
SPÖ-Chefin: Beide Mitbewerber werden sich "gemütlich zurückziehen"
Leicht kritisch merkte die SPÖ-Chefin an, dass
die beiden Mitbewerber sich - wenn sie nicht Bundesparteichef werden -
"gemütlich zurückziehen werden" auf ihre politischen Ämter. Sie selbst
würden in diesem Fall "einen ehrlichen Schlussstrich ziehen" und sofort
die Bühne der Politik verlassen. Aber sie hoffe natürlich, mehrheitlich
das Vertrauen der Mitglieder zu bekommen.