Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) will alle Inserate, die das Finanzministerium in den letzten Jahren geschaltet hat, überprüfen.
Laut "Standard" wurde ersucht, Akten der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit von 2015 bis 2022 zur Verfügung zu stellen - darunter auch E-Mails. Angefordert wurden demnach Informationen nicht nur über Inserate, die im Zusammenhang mit der Causa Dichand stehen.
WKStA will Inserate des Finanzministeriums überprüfen
Zuletzt waren wieder Ermittlungsschritte bekannt geworden, die aufgrund von Inseratenschaltungen erfolgten. Im Raum steht der Verdacht der Bestechung bzw. der Bestechlichkeit. Bei den von der WKStA in einer Mitteilung genannten österreichischen Medienunternehmen soll es sich um "Heute" und die "Kronen Zeitung" handeln. Vergangene Woche war etwa eine Hausdurchsuchung in den Geschäftsführungsräumlichkeiten der die Gratiszeitung "Heute" herausgebenden AHVV Verlags GmbH durchgeführt worden.
Dass die Behörde nun Auskunft über alle Inserate begehrt,
liegt laut "Standard" daran, dass die inkriminierten Vorgänge durch sie
selbst und nicht durch die interne Revision des Ministeriums gefunden
worden sind. Außerdem erstrecke sich die bestehende Verdachtslage "auf
eine Vielzahl von Schaltungen", und zwar "auch in anderen Medien". Zudem
möchte die Behörde einen Überblick "über die gesamte Praxis der Vergabe
von entgeltlichen Veröffentlichungen, um Auffälligkeiten festmachen zu
können", heißt es in dem Bericht.
WKStA foderte Unterlagen zu unentgeltlichen Infokampagnen
Unterlagen zu unentgeltlichen
Informationskampagnen wie "Familienbonus Plus" hat die Anklagebehörde
ebenfalls angefordert. Laut "Standard" erging weiters auch an das
Justizministerium ein Amtshilfeersuchen. Konkret gehe es hier um die
"Aufklärung der legistischen Prozesse" rund um die geplante Novelle zum
Privatstiftungsgesetz (PSG). Für diese soll sich "Heute"-Verlegerin Eva
Dichand laut Aussagen von Thomas Schmid, damals Kabinettschef im
Finanzministerium und ein enger Vertrauter von Sebastian Kurz (ÖVP),
starkgemacht haben.
Eva Dichand wies Vorwürfe zurück
Eva Dichand hat die Vorwürfe bereits
zurückgewiesen. "Heute"-Chefredakteur Christian Nusser versichert in der
Montags-Ausgabe der Zeitung, dass es "definitiv" keine "wohlwollenden
Berichterstattung" aufgrund von Inseratenschaltungen gegeben habe.
Dichand habe auch keine Berichterstattung "beauftragt". Denn in "Heute"
seien Redaktion und Geschäftsführung strikt getrennt, wird beteuert.
Das Finanzministerium habe seine Aufwendungen für Inserate über alle Medien hinweg von 1,8 Mio. Euro im Jahr 2016 auf 8,7 Mio. Euro im Jahr 2018 gesteigert, so Nusser weiter. "Heute" habe davon profitiert, "aber im Verhältnis nicht mehr als andere Medien", versichert er.
Vorerst nicht mit der Inseraten-Causa beschäftigen wollte sich
ÖVP-Generalsekretär Christian Stocker. Dieses Thema solle die Justiz
lösen - wobei dies durchaus "etwas schneller gehen" sollte, so Stocker
am Rande einer Pressekonferenz am Montag.