Zu Beginn einer Westbalkan-Reise hat Bundespräsident Alexander Van der Bellen vor einem geopolitischen Vakuum in der Region gewarnt, sollten Fortschritte bei der EU-Annäherung ausbleiben.
"Die EU-Staaten sollten es sich nicht leisten, hier ein Vakuum entstehen zu lassen", sagte Van der Bellen am Sonntag nach seiner Ankunft in Albanien. Erfreut zeigte er sich, dass durch den russischen Krieg in der Ukraine "die Erweiterungsmüdigkeit plötzlich einem Erwachen gewichen" sei.
Van der Bellen in Albanien
© APA/BUNDESHEER/CARINA KARLOVITS
Van der Bellen warnt vor geopolitischem Vakuum
Im
Falle eines geopolitischen Vakuums sei die Wahl für die Länder der
Region jene zwischen Russland und China, warnte der Bundespräsident.
Während Österreich immer ein Befürworter der EU-Annäherung der
Westbalkan-Staaten gewesen sei, seien andere Länder wie Frankreich "sehr
zögerlich", kritisierte er. Mit dem Beginn der
EU-Beitrittsverhandlungen mit Albanien und Nordmazedonien gebe es nun
eine neue Situation für die beiden Ländern, so Van der Bellen.
Neben
dem geopolitischen Interesse stehen die österreichischen
Wirtschaftsinteressen im Fokus der Reise des Bundespräsidenten.
Begleitet wird Van der Bellen bei seinem Besuch von Justizministerin
Alma Zadić (Grüne) und einer Wirtschaftsdelegation mit Vertretern von
rund 30 heimischen Unternehmen. Außenminister Alexander Schallenberg
(ÖVP), der den Bundespräsidenten ebenfalls begleiten sollte, musste
seine Teilnahme kurzfristig wegen einer Erkrankung absagen.
Van der Bellen in Albanien
Erste
Station der Reise ist Albanien, wo am Montag die politischen Gespräche
anstehen. Am Sonntag besichtigte Van der Bellen das Wasserkraftwerk
Ashta im Norden des Landes, das von Verbund und EVN gemeinsam errichtet
wurde. Das Wasserkraftwerk versorgt rund 100.000 albanische Haushalte
mit Strom. 2013 wurde das Kraftwerk in Betrieb genommen, nach
35-jähriger Konzessionszeit geht das Kraftwerk in den Besitz des
albanischen Staates über.
Am Nachmittag war außerdem ein Besuch
der österreichischen HTL "Peter Mahringer" in Shkodra geplant. In der
2006 gegründeten Schule für Informationstechnologie werden rund 480
Schüler von österreichischen und albanische Lehrkräften unterrichtet.
Van der Bellen reist am Dienstag nach Nordmazedonien
Nach
dem Besuch in Albanien geht es am Dienstag weiter nach Nordmazedonien.
In den beiden EU-Kandidatenländern will der Bundespräsident nach eigenen
Angaben "Türöffner" für heimische Unternehmer sein.
Das Wirtschaftswachstum in Albanien lag 2022 mit 3,2 Prozent deutlich über dem EU-Durchschnitt. Von besonderem Interesse für heimische Investoren sind laut Wirtschaftskammer in Albanien neben dem Tourismus der Bereich Infrastruktur und der Energiesektor. Albanien bemüht sich derzeit, den Anteil Erneuerbarer Energien auszubauen. Geplant sind der Bau mehrerer Solarparks sowie eines Wasserkraftwerks und der Ausbau der Windenergie.