Im am Dienstag präsentierten Abschlussbericht von SOS-Kinderdorf Österreich wurden keine weiteren Missbrauchsfälle verzeichnet.
Im Mai 2021 hat das SOS-Kinderdorf Österreich erstmals den Verdacht von sexuellem Missbrauch von betreuten Kindern und Jugendlichen publik gemacht. Sofort nach Bekanntwerden wurde eine Kommission rund um Waltraud Klasnic eingesetzt. Die Independent Childprotection Commission (ICC) lieferte am heutigen Dienstag den Abschlussbericht ab. Ein Ergebnis: Die im November 2022 öffentlich gemachte konkrete Verdachtslage gegen einen österreichischen Großspender blieb ein Einzelfall.
Jedoch wurden zwei weitere Vorfälle mit dem inzwischen verstorbenen Österreicher in dessen Heimat vermeldet, bei denen dieser zur Gefährdung von Kindern beigetragen habe. So habe es 2013 einen Besuch in Österreich gegeben, und zwar von einem Teenager aus Nepal im Haus des Spenders - also aus jenem "asiatischen Land", in dem er als Spender tätig war. Zwar seien keine Übergriffe bekannt geworden, jedoch habe der von SOS-Kinderdorf-Mitarbeitenden ermöglichte Besuch eine potenzielle Gefährdung des damaligen Teenagers zur Folge gehabt. 2014 sei es dann bei einem Treffen mit Kindern aus einem österreichischen SOS-Kinderdorf zu "sexuell übergriffigem Verhalten" gekommen.
Im Vorjahr berichtete Elisabeth Hauser, die
Geschäftsführerin von SOS-Kinderdorf, erstmals von dem Verdacht, dass
jener Mann bei seinen Besuchen in Asien dort betreute Kinder sexuell
missbraucht habe. Zeitpunkt waren die Jahre 2010 bis 2014. Er sei dort
zugegen gewesen, weil er den Aufbau eines Dorfes selbst mitfinanziert
hatte - und zwar im hohen sechsstelligen Eurobereich. 2021 erfolgte eine
Anzeige bei Staatsanwaltschaft St. Pölten, im August desselben Jahres
verstarb der Mann jedoch.
"Wir müssen eingestehen, dass das
Wohlergehen und der Schutz der Kinder nicht immer an erster Stelle
gestanden sind. Die Interessen des Spenders und sein Wohlwollen gingen
zum Teil auf Kosten der Kinder", sagte Hauser heute bei der Präsentation
der Abschlussberichts. "Es ist wichtig, dass wir uns dieser
Aufarbeitung und externen Prüfung gestellt haben", bewertete den Einsatz
der ICC rückblickend. Dadurch sei die Möglichkeit einer transparenten
Analyse geschaffen worden, die zu klären half, "warum es in unserer
Organisation zu Kinderschutzverletzungen und auch Misswirtschaft und
Veruntreuung von Geldern gekommen ist." Die ICC untersuchte dabei nicht
die Aktivitäten von SOS Kinderdorf in Österreich, sondern Meldungen und
Informationen aus allen Kontinenten, speziell jenen Ländern, in denen
SOS Kinderdorf Österreich besonders engagiert war. Insgesamt gab es 19
Eingangsmeldungen betreffend 18 SOS-Kinderdorf Nationalorganisationen.
Die Prüfung der Fokusländer Bosnien-Herzegowina, Nepal, Peru, Sri Lanka, Uganda hat teilweise Handlungsbedarf ergeben - in Uganda seien etwa Fragen um den Einsatz von Spendengeldern zu klären. Im Abschlussbericht wurden infolge zehn Empfehlungen und Feststellungen ausgesprochen, aus denen fünf Schwerpunkte für die weitere Arbeit der Kinderdörfer abgeleitet wurden. "Es war der Kommission ein besonderes Anliegen, über die Bearbeitung konkreter Vorfallsmeldungen hinaus Empfehlungen für die künftige Tätigkeit und zur Prävention auszuarbeiten, die diesen Zielsetzungen dienen", fasste Waltraud Klasnic die Arbeit der Kommission zusammen.