Kommenden Dienstag ist der internationale Tag des Waldes. Zu diesem Anlass forderte der World Wide Fund for Nature (WWF) eine Anpassung des Forstgesetzes an die Klimakrise.
In Österreich speichern die Wälder laut WWF rund
eine Milliarde Tonnen Kohlenstoff. Damit sind sie derzeit noch der
größte heimische Kohlenstoffspeicher - vor Mooren und Feuchtgebieten.
"Das entspricht mehr als dem 45-fachen des jährlichen CO2-Ausstoßes in
Österreich", so Enzenhofer. "Bei Übernutzung oder größeren Schäden kann
der Wald auch sehr viel CO2 freisetzen, was die Klimakrise weiter
anheizen würde."
Österreichs Wälder speichern laut WWf eine Mrd. Tonnen Kohlenstoff
Der WWF machte darauf aufmerksam, dass die Wälder in den Jahren 2018 und 2019 eine Kohlenstoffquelle waren. Demgegenüber betonte die Arbeitsgemeinschaft proHolz, dass die Wälder bewirtschaftet werden müssen.
Tag des Waldes: Anpassung des Forstgesetzes gefordert
Die Wälder "haben also mehr CO2 an die Atmosphäre abgegeben als aufgenommen und sind damit vom Klimaschützer zur Klimabelastung geworden", warnte WWF-Waldexpertin Karin Enzenhofer. "Unsere Wälder werden also nicht mehr wie lange angenommen noch über Jahrzehnte als Kohlenstoffsenke erhalten bleiben." Der WWF forderte daher Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) zur Anpassung des Forstgesetzes an die Klimakrise auf: "Die Politik muss unbedingt die letzten verbliebenen Naturwälder Österreichs unter Schutz stellen", fordert Enzenhofer. "Sie speichern enorm viel Kohlenstoff und gehören zu den letzten großen Bollwerken der Artenvielfalt. Deshalb spielen sie in den nächsten Jahren eine entscheidende Rolle im Kampf gegen die Klima- und Biodiversitätskrise."
WWF fordert den Schutz von Naturwäldern
Um die Naturwälder adäquat schützen zu
können, braucht es neben ausreichend finanziellen Mitteln auch
systematische Erhebungen zu deren genauer Verortung und Ausdehnung.
"Besonders wichtig wäre eine gesetzliche Verankerung der
Klimaschutzfunktion der Wälder", betonte Enzenhofer. "Dann könnten auch
endlich Waldbesitzer belohnt werden, wenn sie sich für den Erhalt der
Natur einsetzen."
Darum wurde 2018/2019 viel Kohlendioxid aus Wäldern freigesetzt
Warum 2018 und 2019 so viel Kohlendioxid aus den
Wäldern freigesetzt wurde, erklärte die Expertin so: "In beiden Jahren
gab es nur geringe Niederschläge, weshalb sich das Wachstum der Wälder
verlangsamt hat. Gleichzeitig haben Stürme große Schäden angerichtet.
Das hat dazu geführt, dass der Waldboden stärkerer Sonneneinstrahlung
ausgesetzt war und mehr CO2 freigesetzt hat." Inzwischen speichern
Österreichs Wälder wieder mehr Kohlenstoff. Die Entspannung könnte
jedoch nur von kurzer Dauer sein. "Trockenjahre werden in Zukunft
häufiger werden, ebenso wie Extremwetterereignisse", warnte Enzenhofer.
Gleichzeitig steige der Druck durch die Bewirtschaftung. So wuchs die
Holznutzung im Jahr 2021 um fast zehn Prozent im Vergleich zum Jahr
2020. "Die vielen Monokulturen und die zu intensive Nutzung bedrohen die
Vielfalt der Waldarten und damit auch den Kohlenstoffspeicher Wald",
mahnte Enzenhofer.
Forstindustrie betonte, dass Wälder bewirtschaftet werden müssen
Die Forstindustrie betonte hingegen, dass
Wälder bewirtschaftet werden müssen, "um ihre vielfältigen Leistungen
von Schutzwirkung über Holzversorgung bis Klimaschutz erbringen zu
können und die Anpassung an den Klimawandel zu schaffen". Politische
Ziele auf EU-Ebene würden noch keine schlüssige Gesamtstrategie für den
Umgang mit der Ressource Wald und für die Nutzung des nachwachsenden
Rohstoffs Holz ergeben, hieß es in einer Aussendung. Die Ressource Holz
sei in Europa ausreichend vorhanden. In Österreich und Europa würden
dank der jahrhundertelangen Tradition nachhaltiger, multifunktionaler
Waldbewirtschaftung - entgegen dem weltweiten Trend - Waldfläche und
Holzvorrat seit Jahrzehnten stetig zunehmen.
"Österreich verfügt über große Holzreserven in den Wäldern"
"Österreich verfügt,
so wie Europa insgesamt, über große Holzreserven in den Wäldern. Diese
gilt es zu nutzen. Denn Holz als klimapositives Material ist gefragter
Hoffnungsträger in allen Klimaschutzstrategien, Bauen mit Holz kann die
CO2-Emissionen im Bausektor deutlich reduzieren. Zugleich ist
Holznutzung auch die Voraussetzung für den zukünftigen Erhalt der Wälder
und ihrer vielfältigen Leistungen", so Richard Stralz, Obmann von
proHolz Austria.
Forstwirtschaft bestehe aus vielen Familienwaldbetrieben
"Wälder nicht zu bewirtschaften und nicht zu
nutzen, heißt auf den heimisch verfügbaren, nachwachsenden Rohstoff Holz
zu verzichten, große Teile des Klimaschutzpotenzials der Ressource Wald
nicht zu hebeln und die Zukunft der vom Klimawandel bedrohten Wälder zu
riskieren", sagte Franz Titschenbacher, Vizepräsident
Landwirtschaftskammer Österreich. Die Forstwirtschaft setze mit vielen
Familienwaldbetrieben, die vom Wald leben und von sich aus Interesse an
einem guten Waldzustand haben, laufend Maßnahmen für klimafitte Wälder.
Dazu würden das Anpflanzen standortgeeigneter (z.B. trockenresistenter)
Baumarten und die Erhöhung der Baumartenvielfalt zählen.
Vorhaben der EU seien für Herbert Jöbstl "der falsche Weg"
"Vorhaben
der EU, die nachhaltige Waldnutzung einzuschränken, sind der falsche
Weg. Gerade jetzt kommt es darauf an, die eigenen Rohstoffe zu nutzen
und unabhängige Wertschöpfungsketten in Europa zu stärken", meinte
Herbert Jöbstl, Obmann Fachverband der Holzindustrie Österreichs und
Präsident Europäische Organisation der Sägeindustrie (EOS). Der
EU-Green-Deal beinhalte Ziele, "die zueinander in Konflikt stehen". Für
den Klimaschutz mehr mit Holz bauen zu wollen, aber gleichzeitig die
Waldnutzung für mehr Kohlenstoffspeicherung und Biodiversität im Wald
einschränken zu wollen, passe nicht zusammen.