Dürreperioden, Hitzewellen und die voranschreitende Bodenversiegelung lassen das Grundwasser in Österreich schwinden. Die Trinkwasserversorgung sei aber nicht gefährdet.
Österreich leidet wie fast ganz Europa an einem Grundwasserproblem, wie eine aktuelle Studie des EU-Projekts "G3P" erneut bestätigt. Hierzulande wurden laut ehyd-Portal bei 34 von 218 Messstationen, bei denen ein Wert für März vorliegt, historisch niedrige Pegel registriert, 96 weiteren Stellen lagen auf der fünfstufigen Skala des Hydrographischen Dienstes bei "niedrig". Rückläufige Niederschläge und Klimakrise sind nicht die einzigen Ursachen für den Trend.
Mehrere Ursachen für schwindendes Grundwasser
Dürreperioden prägten den vergangenen Sommer, ausgelöst von Hitzewellen und wenig Regen - die trockenen Böden der Ackerflächen benötigten infolge noch mehr Grundwasser. Die Klimakrise wird derartige Szenarien prolongieren und verschärfen, aber auch Flussregulierungen, trockengelegte Feuchtgebiete und die weiterhin voranschreitende Bodenversiegelung werden die Wasserreserven reduzieren. Die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung ist nicht gefährdet, Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) kündigte am Freitag an, Maßnahmen zu setzen, damit dies auch trotz der gegenwärtigen Veränderung so bleibt.
Die Grundwasserspiegel sind laut "G3P", bei dem die Veränderungen mit der sogenannten Satellitengravimetrie erfasst werden, auf dem gesamten europäischen Kontinent seit 2018 konstant niedrig. Österreichs Ressourcen könnten sich im negativen Fall in etwas mehr als einem Vierteljahrhundert um rund 23 Prozent reduziert haben, "das bedeutet eine Abnahme von 5.100 Mio. Kubikmeter auf 3.900 Mio. Kubikmeter. Regional sind aber auch Rückgänge von über 30 Prozent möglich", geht aus einer Studie hervor, die im Auftrag des Landwirtschaftsministeriums erstellt und im September 2021 veröffentlicht wurde. Diese Entwicklung wäre dabei jene, die im ungünstigsten Fall eintreten würde. Eine solche könnte zumindest regional den Fall entstehen lassen, dass Grundwasserressourcen den Bedarf nicht mehr decken, daraus resultierende Verteilungskonflikte sind nicht ausgeschlossen. In Österreich zeigen die Trends vor allem im Osten nach unten, der Bedarf an Trinkwasser steigt jedoch überall.
Grundwasser in Ostösterreich oft zur Bewässerung entnommen
Ein
weiteres Problem, dass Ostösterreich betrifft, ist der Bedarf an Wasser
für die Bewässerung: Aktuell werden durchschnittlich 69 Mio. Kubikmeter
Wasser dafür eingesetzt, der Großteil aus dem Grundwasser entnommen,
geht aus der Studie zu den "Grundlagen für nachhaltige Nutzungen des
Grundwassers" von 202 hervor. Das sind zwar nur 2,3 Prozent des gesamten
Wasserbedarfs in Österreich, aber rund 90 Prozent der Flächen, die mit
verfügbarer Bewässerungsinfrastruktur und Wassermenge bewässert werden
können, liegen in nur neun Szenarienregionen in Ostösterreich. Zudem
variieren die Mengen, was bedeutet, dass sie in trockenen Jahren bis zu
achtmal höher sein können als in Jahren mit durchschnittlichen
Niederschlägen.
Positiv für den Osten ist, dass der zukünftige Rückgang der Grundwasserspiegel weniger deutlich ausgeprägt sein könnte als anderswo in Österreich. Höhere Winterniederschläge würden künftig die bereits jetzt geschwächten Ressourcen speisen, jedoch sei das Ausgangsniveau "gleichzeitig mit ungünstigen Entwicklungen von Temperatur und Verdunstung im Sommer verbunden".
Niederschläge im Osten Niederösterreich bisher normal
Zurück in der
Gegenwart, im Osten Niederösterreichs: "Heuer liegen die Niederschläge
in der Marchregion bisher eigentlich einigermaßen im normalen Bereich",
berichtete Jurrien Westerhof, der beim WWF die Programmbereichsleitung
March-Thaya-Auen innehat - ein Gebiet, das von der
Umweltschutzorganisation aus "Naturschutz-Sicht zu den bedeutendsten
Flusslandschaften" Österreichs gezählt wird.
Der normale Bereich
bedeutet laut Westerhof, dass der Niederschlag zehn Prozent unter dem
langjährigen Schnitt liege, denn das statistisch "Normale" sei
mittlerweile Ausnahme geworden. "Wir hätten eigentlich einen nassen
Winter gebraucht, um das gewaltige Niederschlagsdefizit, das sich in den
letzten Jahren angesammelt hat, wieder auszugleichen." Und so verlaufe
das Jahr bisher mit einem Grundwasserstand, der aufgrund der kumulierten
Trockenheit schon ein Minus gegenüber dem langjährigen Schnitt hat -
"und der Sommer kommt erst".
Früher seien die March-Auen jährlich im Frühling geflutet worden, als Folge der Schneeschmelze vor allem im tschechischen Teil des Einzugsgebiets. "Mangels Schnee bleiben die Frühlingshochwässer seit etwa 2010 weitgehend aus, was negative Folgen für das Auen-Ökosystem hat." Bei vielen Tierarten wie etwa dem beim Amphibienbestand, der auf Wasser als Lebensraum angewiesen ist, gibt es deutliche Rückgänge. Der WWF warnt, dass nicht nur ausbleibende Niederschläge die Grundwasserpegel weiter sinken lassen werden, weitere Zutaten sind unter anderem Flussregulierungen, entwässerte Feuchtgebiete und die weiterhin voranschreitende Bodenversiegelung. Letztgenannte sollte nach Plänen der Regierung bald auf maximal 2,5 Hektar pro Tag reduziert werden - aktuell wird der Wert auf 11,2 geschätzt.
Voranschreitende Bodenversiegelung als Problem
Laut
Umweltbundesamt bedeutet dieser Bodenverbrauch nicht nur den Verlust
biologisch produktiver Böden durch Verbauung: Fast 60 Prozent davon
seien auch versiegelt worden - sie sind mit einer wasserundurchlässigen
Schicht überzogen. All das zusammen sorgt dafür, extrem ausgedrückt,
dass im Fall von Regen die durch den Klimawandel immer extremeren
Niederschläge immer schneller abfließen anstatt zu versickern - durch
die begradigten Flüsse verlässt das kostbare Nass das Land schneller als
noch vor Jahrzehnten, als es etwa die Thaya entlang gemütlich durch die
Mäander fließen konnte. Inzwischen landet das Wasser stattdessen rasch
in der Donau, wenn es nicht durch die steigenden Temperaturen bereits
verdunstet ist, und fließt weiter außer Landes.
Ungefähr seit den
1970er-Jahren sind die Niederschläge in Österreich über vier Dekaden
jährlich leicht angestiegen, inzwischen gehen sie jedoch zurück. Während
diese in Südostösterreich im Winterhalbjahr verstärkt ausbleiben,
machen sie laut Langzeitentwicklung in West- und Nordösterreich in der
kalten Jahreszeit den größeren Teil des Jahrestrends aus, wie auf dem
Webportal der ZAMG hervorgeht.
Regional zeigen sich in Österreich auch andere gegenläufige Niederschlagstrends: "In Westösterreich (Vorarlberg, Nordtirol) nahm der Niederschlag über den gesamten Zeitraum seit 1858 betrachtet zu, während er im Südosten Österreichs (Unterkärnten, West- und Oststeiermark, Südburgenland) über die letzten 200 Jahre hinweg abnahm", berichtet die ZAMG weiter (inzwischen Geosphere Austria) unter Hinweis auf die homogenisierten Niederschlagsdaten des HISTALP-Datensatzes. Die trockenste Phase der dort registrierten Messgeschichte liegt jedoch weiterhin in der Vergangenheit in den 1860er-Jahren, als auch der Neusiedlersee über Jahre völlig ausgetrocknet war. Dann habe sich das Niederschlagsklima über ganz Österreich hinweg gesehen ohne ausgeprägte langfristige Schwankungen weiter entwickelt: "Am niederschlagsreichsten war das Jahr 1816, am trockensten das Jahr 1834", so die Geosphere auf ihrer Internetpräsenz.