Laut einer Studie des Meinungsforschungsinstituts Peter Hajek Public Option Strategies legt bereits jeder Vierte in Österreich sein Geld in Wertpapieren an.
Das Engagement der Österreicher an den Kapitalmärkten ist größer als bisher gedacht. Für das Aktienforum, die Wiener Börse und die Industriellenvereinigung - die Auftraggeber der Studie - zeigt das, dass Wertpapierbesitz mittlerweile "in der Mitte der Gesellschaft" angekommen ist. Die Studie sieht sogar noch mehr Potenzial.
Wertpapieranlegung: 2.000 Österreicher befragt
Für die Studie hat das Institut 2.000 in Österreich lebende Personen ab 16 Jahren telefonisch und online befragt. Die Befragung fand im Jänner 2023 statt. Laut der Studie besitzen aktuell 19 Prozent der Befragten Investmentfonds oder börsennotierte Fonds (ETFs), 13 Prozent Aktien und 6 Prozent Anleihen.
Insgesamt gaben deutlich mehr Männer (32 Prozent) als Frauen (16 Prozent) an, Wertpapierbesitzer zu sein. Weiters besitzen eher Bewohner von Städten (28 Prozent) Wertpapiere
als Menschen aus dem ländlichen Raum (22 Prozent). Nach Bildungsgrad
betrachtet haben sind 45 Prozent derer, die einen Universitätsabschluss
haben Wertpapierbesitzer.
Die weit verbreitete Annahme, dass nur Besserverdienende in Wertpapiere
investieren würden, sei aber anhand der Daten nicht haltbar, sagte
Peter Hajek am Freitag. Denn unter denen die eine Fachschule absolviert
haben, gab bereits rund ein Fünftel an, Wertpapiere zu besitzen. Bei Personen mit Pflichtschulabschluss waren es 11 Prozent. Zudem würden gut drei Viertel (76 Prozent) derer, die Wertpapiere besitzen, netto weniger als 3.000 Euro verdienen.
57 Prozent der Befragten besaßen noch nie ein Wertpapier
Noch nie ein Wertpapier
besessen haben indessen 57 Prozent der Befragten. Gründe dafür sind
meist fehlendes Wissen über den Wertpapiermarkt, fehlendes Geld, kein
Interesse oder zu wenig Vertrauen in den Markt. Dennoch gibt es einige,
die an einem Investment interessiert sind. 25 Prozent interessieren sich
für Aktien, 19 Prozent für Anleihen und 18 Prozent für Investmentfonds
oder ETFs.
In diesen Interessierten schlummere ein großes Potenzial. Hochgerechnet auf die Bevölkerung besitzen laut der Studie 1,9 Mio. Personen in Österreich bereits Wertpapiere, bei weiteren 1,1 Millionen sieht die Studie Potenzial, Papiere zu erwerben. Beim Besitz von Aktien gebe es ein Potenzial von 1,4 Millionen Personen, bei Fonds ein Potenzial von einer Million.
Jeder Vierte legt Geld in Wertpapieren an
Diese
große Interesse sei ein positives Signal, um diese Potenziale aber auch
zu heben, brauche es dringend mehr Wirtschafts- und Finanzbildung, so
Hajek. Auch um den großen Gender-Gap beim Wertpapierbesitz zu schließen,
sei Finanzbildung entscheidend, sagte Angelika Sommer-Hemetsberger,
stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der Wiener Börse.
Auch die Politik könne dazu beitragen, das aus der Studie erkennbare positive Momentum zu nützen, sagte Christoph Neumayer, Generalsekretär der IV. Besitz von Aktien und Wertpapieren
müsste steuerlich attraktiver werden, vor allem im Hinblick auf die
Altersvorsorge, so Neumayer in Anspielung auf die seit Monaten
diskutierte Abschaffung der Kapitalertragssteuer (KESt) auf Wertpapiere
bei gleichzeitiger Behaltefrist. "Es laufen die Verhandlungen und es
wäre ein gutes und starkes Signal, wenn diese Verhandlungen in den
kommenden Wochen abgeschlossen werden", so Neumayer.
Angeblich vorliegender Entwurf zur KESt-Abschaffung
Einen
angeblich vorliegenden Entwurf zur KESt-Abschaffung wollte Robert Ottel
vom Aktienforum nicht genauer kommentieren. Er kenne den Entwurf nicht
im Detail. "Ich gehe davon aus, dass beide Partner der Bundesregierung
auch umsetzen was sie wollen", so Ottl.
Die Wirtschaftskammer zeigte sich angesichts der Studie erfreut. "Wenn weit über eine Million Menschen in Österreich Wertpapiere besitzt,
dann zeigt das, dass die vielfältigen Bemühungen Finanzbildung zu
verbessern zu greifen beginnen", so Franz Rudorfer, Geschäftsführer der
Bundessparte Bank und Versicherung in der WKÖ.
Der Interessenverband für Anleger (IVA) sieht die Ergebnisse dagegen etwas kritischer. Grundsätzlich sei die Entwicklung erfreulich, es sei aber fraglich, "ob heimische Wertpapiere gekauft werden oder Ausländern Eigenkapital zur Verfügung gestellt wird," so IVA-Vorstand Florian Beckermann. Wegen der hohen Steuerbelastung, Problemen bei der Transparenz und Skandalen in der Vergangenheit sei der österreichische Markt noch nicht dort, wo er hin sollte.