Er hat es nun doch getan: Der burgenländische Landeshauptmann Hans Peter Doskozil hat seinen Hut in den Ring geworfen und sich um den Parteivorsitz der SPÖ beworben.
Bundespolitische Ambitionen wurden dem ehemaligen Verteidigungsminister schon lange nachgesagt - mit einem Brief an Parteivorstand und Präsidium schaltete er nach wiederholten Sticheleien gegen Parteichefin Pamela Rendi-Wagner auch offiziell in den Angriffsmodus.
SPÖ: Hans Peter Doskozil ging in den Angriffsmodus über
Ganz sein Plan gewesen sein dürfte das aber nicht. Zuletzt machte er zwar immer wieder Stimmung gegen Rendi-Wagner bzw. für sich selbst - etwa mit einer Umfrage, wonach er als Kanzlerkandidat besser abschneiden würde als seine Kontrahentin. Wirklich offen deklarieren wollte er sich aber nicht.
Doskozil hatte nach Operationen mit Stimmproblemen zu kämpfen
Erst die Ereignisse der letzten Tage haben den
52-jährigen Ex-Polizisten, der nach mehreren Kehlkopf-Operationen mit
Stimmproblemen zu kämpfen hat, mehr oder weniger gezwungen, tatsächlich
den offenen Kampf zu suchen. Unter anderem wurde ihm von Rendi-Wagner
eine Heckenschützenmentalität nachgesagt, andere zweifelten gar seine
Männlichkeit an.
Doskozil in Asyl-Angelegenheiten der SPÖ
Die erste große öffentliche Stunde schlug für
Doskozil bei der Flüchtlingstragödie auf der A4 mit dutzenden Toten in
einem Lastwagen. In seiner Funktion als Landespolizeidirektor agierte er
betroffen wie umsichtig und schaffte sich über die eigenen
Bundesland-Grenzen hinweg Anerkennung. Dies galt umso mehr, als er
unmittelbar danach den Flüchtlingsstrom 2015 in Nickelsdorf souverän
handelte. Geradezu absurd erscheint heute, wo Doskozil gerade in
Asyl-Angelegenheiten den Rechtsausleger der SPÖ gibt, dass er dereinst
als Proponent der "Willkommenskultur" geschildert wurde.
Doskozil war schnell geachtet und beliebt
Die
politische Karriere war jedenfalls für den Südburgenländer, der davor
schon das Büro des damaligen Landeshauptmanns Hans Niessl (SPÖ) geleitet
hatte, nun endgültig vorgezeichnet. Werner Faymann (SPÖ) holte ihn ins
Verteidigungsministerium, wo ihn auch Christian Kern (SPÖ) beließ, als
dieser die Führung von Partei und Regierung übernahm. Doskozil war
schnell geachtet und beliebt, umso mehr als er für das Heer mehr Geld
herausholte und auch für dessen Image so einiges tat.
Niessl kürte Doskozil im Burgenland zu seinem Kronprinzen
Doch es
sollte zurück in die Heimat gehen. Niessl kürte Doskozil zu seinem
Kronprinzen. Den Umweg als Landesrat über das Finanzressort hatte er
noch zu überstehen, ehe ihn die Landespartei 2018 zuerst an ihre Spitze
und im Frühling darauf in den Landeshauptmann-Sessel hob.
Forschers Vorgehen von Doskozil im Burgenland
Dort
ging es Doskozil forsch an. Anstellung pflegender Angehöriger,
Energieautarkie, Mindestlohn, höchste Ärztegehälter usf. Der
Landeshauptmann schaffte es Schlagzeilen im und für das Burgenland zu
machen. Gegenwind war ihm reichlich egal, auch wenn er aus den eigenen
Reihen kam, wie die Gewerkschaft in Sachen Mindestlohn oder bezüglich
seiner Forderung nach Abschaffung der Österreichischen Gesundheitskasse
zu spüren bekam. Freilich hatte all das einen Preis. Der
Landesrechnungshof zeigte sich zuletzt ob der hohen Schulden besorgt.
Doskozil überstand Commerzialbank-Affäre
Die
Bevölkerung scheint das eher wenig zu kümmern, auch die
Commerzialbank-Affäre überstand Doskozil letztlich unbeschadet. Viel
mehr gefällt es den Burgenländern, dass man etwa mit der "Schlagernacht"
und Alfons Haider als Generalintendant etwas Glamour ins Bundesland
bekommen hat. Dass Doskozil aus dem rigiden Coronakurs der Bundespartei
das ein- oder andere Mal ausscherte, wird ihm auch nicht geschadet
haben.
SPÖ in der Löwelstraße von keinem Querschuss aus Oberwart sicher
Doskozil gilt als ausnehmend selbstbewusst, was durch die
absolute Mehrheit bei der Landtagswahl 2020 noch einmal einen Schub
bekommen haben dürfte. Diesen Gestus trägt er im Umgang mit dem
politischen Gegner ebenso vor sich her wie im Clinch mit der eigenen
Partei. In der Löwelstraße ist man seit Jahren keine Sekunde vor einem
möglichen Querschuss aus Oberwart, wo Doskozil mit seiner aus
Deutschland stammenden Ehefrau lebt, sicher.
Landeshauptmann thematisiert Stimmprobleme offensiv
Seine Stimmprobleme
thematisiert der Landeshauptmann offensiv. In der Spitzenpolitik fühlt
er sich zwar dadurch ein wenig eingeschränkt, doch sieht er sich
ausreichend gewappnet und das auch für höhere Ämter als jenes des
Landeshauptmanns. Vielen in der Partei missfällt das forsche politische
Tempo des begeisterten Auto- wie Radfahrers ebenso wie dessen
vermeintliche Illoyalität. Sich aus den Bundesgremien zurückziehen, aber
vom Burgenland aus zu allem eine Meinung haben, war der meist gehörte
Vorwurf.
Zur Person von Hans Peter Doskozil
Zur Person: Hans Peter Doskozil, geboren am 21. Juni 1970
in Vorau in der Steiermark, lebt im Bezirk Oberwart. Polizist, zuletzt
Landespolizeidirektor (bis 2016), berufsbegleitend Studium der
Rechtswissenschaften. SPÖ-Gemeinderat in Grafenschachen von 2007 bis
2012, Verteidigungsminister von 2016 bis 2017, ab Dezember 2017
Landesrat, seit 8. September 2018 SPÖ-Landesparteichef, seit 28. Februar
2019 Landeshauptmann des Burgenlandes. In zweiter Ehe verheiratet,
Vater zweier Kinder aus erster Ehe.