In den Verhandlungen zwischen ÖVP und FPÖ nach der Niederösterrreichischen Landtagswahl stehen die Knackpunkte, laut FPÖ-Landespartei- und Klubobmann Udo Landbauer, noch bevor.
Der Freiheitliche nannte am Montag vor Medienvertretern etwa und den "Kampf gegen die Preisexplosion". Inhaltlich sei man ein gutes Stück weitergekommen, es brauche aber Zeit, um Vertrauen aufzubauen, so Landeshauptfrau und ÖVP-NÖ-Chefin Johanna Mikl-Leitner.
Verhandlungen der ÖVP NÖ mit der FPÖ NÖ vor "Knackpunkten"
Ursprünglich war ein gemeinsames Statement geplant, kurzfristig gab es jedoch getrennte Stellungnahmen im St. Pöltner Landhaus. "Wenn es einen besonderen Graben gibt, dann zwischen ÖVP und FPÖ" sowie zwischen ihr und Udo Landbauer, erklärte die Landeshauptfrau: "Doch für Niederösterreich zu arbeiten bedeutet auch, bereit zu sein, diese Gräben zu schließen. Dazu sind wir beide bereit und wissen, dass das für uns beide eine gewisse Überwindung darstellt."
Verkehr, Familie, Integration unter anderem auf Agenda
Auf der Agenda in den
Verhandlungen standen bisher Verkehr, Bildung, Familie, Integration,
Kinderbetreuung, Sicherheit, Gemeinden, Soziales und Pflege. Diese
Themen seien "noch nicht die großen inhaltlichen Knackpunkte, die kommen
in den nächsten Stufen der Gespräche. Ich gehe von einer durchaus
schwierigen Phase aus", meinte Landbauer. Am Montag wurde u.a. über
Wohnbau gesprochen, auch über die Corona-Politik sollte laut dem Freiheitlichen diskutiert werden.
FPÖ: "Corona-Wahnsinn" hätte Milliarden Euro vernichtet
Durch den "Corona-Wahnsinn" seien Milliarden vernichtet und viel Porzellan zerschlagen worden, kritisierte der Blaue. "Die ÖVP muss vom Corona-Saulus zur Corona-Paulus werden", forderte Landbauer "schonungslose Aufarbeitung", Rückzahlung von Corona-Strafen und ein "Ende der Diskriminierung von in allen Bereichen".
Landbauer lässt offen, ob sich ein Arbeitsübereinkommen ausgehe
Ob
es sich für ein Arbeitsübereinkommen ausgehe oder nicht, hänge vor
allem von der ÖVP ab, sagte Landbauer. "Das Zauberwort lautet echte
Veränderung", betonte der Freiheitliche. "Weitermachen wie bisher kann
und wird es mit der FPÖ nicht geben", stellte er klar. "Der
demokratische Machtverlust ist aber nicht in allen Köpfen angekommen",
wenn die ÖVP aber "nur Lösungen für sich selbst sucht", werde es keine
Einigung geben.
Ziel war es bisher, eine Einigung Mitte der Woche zu erzielen
Als Ziel galt bisher, bis Mitte der Woche eine
Einigung zu erzielen. "Ich denke, der Wille dazu ist von beiden Seiten
da. Aber Stand heute kann ich es Ihnen nicht sagen, ob wir es auch
tatsächlich schaffen", meinte Mikl-Leitner. Man habe das Wochenende
genutzt und intensiv gearbeitet, um ein gemeinsames Programm
zustandezubringen, sagte Mikl-Leitner. "Die Gespräche waren geprägt
davon, dass wir Gemeinsamkeiten in den Mittelpunkt gestellt haben. Es
wurde professionell und gut gearbeitet, aber es wurde auch in aller
Härte intensiv diskutiert", berichtete die Landeshauptfrau: "Auch wenn
wir uns aktuell auf einem guten Weg befinden, haben wir noch viele
Herausforderungen vor uns."
Landbauer kündigte an, dass die FPÖ nicht für Mikl-Leitner stimmt
Landbauer hat angekündigt, dass die
FPÖ in der konstituierenden Landtagssitzung am 23. März nicht für
Mikl-Leitner als Landeshauptfrau stimmen wird. Spekuliert wurde, ob die
14 freiheitlichen Abgeordneten ungültig wählen. Damit wäre mit den 23
ÖVP-Vertretern bei insgesamt 56 Mandataren die erforderliche Mehrheit
erreicht. Es zählen nur gültige Stimmen. "Wir werden den Saal nicht
verlassen", sagte der Freiheitliche am Montag auf Nachfrage.
Zuvor hatte die ÖVP mit den Sozialdemokraten verhandelt
Der designierte SPÖ-Landesparteivorsitzende Sven Hergovich stellte sechs Bedingungen für eine Zusammenarbeit und erklärte in einem Interview mit der deutschen Wochenzeitung "Die Zeit": "Bevor ich ein Übereinkommen unterzeichne, in dem nicht alle diese Punkte enthalten sind, hacke ich mir die Hand ab." Mikl-Leitner sagte am Montag im Rückblick: "Aufgrund der Maßlosigkeit an Forderungen wurde die Stopptaste gedrückt."
"Egal, wie viele inhaltliche Abstriche die SPÖ gegenüber der ÖVP gemacht hätte: Der ÖVP wäre es nie genug gewesen und sie hätte am Ende immer die FPÖ als Partner gewählt", bezeichnete der designierte SPÖ-Klubobmann Hannes Weninger den "Schwenk" der Volkspartei in Richtung der Freiheitlichen per Aussendung als "keine Überraschung". Seine Partei sei mit "erhobenem Haupt" aus den Verhandlungen mit der Volkspartei gegangen. Auch wenn es zu einem schwarz-blauen Bündnis kommen sollte, wolle die SPÖ ihre "Themen lautstark vortragen und für Mehrheiten im Landtag werben".
ÖVP erreichte bei der NÖ-Wahl 39,93 Prozent der Stimmen
Die ÖVP hat bei der
Landtagswahl am 29. Jänner auf 39,93 Prozent (minus 9,70 Prozentpunkte)
erreicht und damit die absolute Mehrheit im Landtag und erstmals auch in
der Landesregierung verloren. Die FPÖ erzielte mit 24,19 Prozent ein
Rekordergebnis und löste die Sozialdemokraten auf Platz zwei ab. Wie die
Schwarzen fuhren auch die Roten (20,65 Prozent) ihr schlechtestes
Resultat im Bundesland seit 1945 ein. Die Volkspartei stellt vier, die
FPÖ drei und die SPÖ zwei Mitglieder in der nach dem Proporzsystem
gebildeten Landesregierung. Die Grünen erreichten mit 7,59 Prozent
wieder Klubstärke, die NEOS kamen auf 6,67 Prozent.