Nach der Niederösterreichsichen Landtagswahl forciert die SPÖ das Eingehen auf ihre Forderungen in den Verhandlungen mit der ÖVP. Hergovich legte mit einem markigen Sager dazu nach.
Zuletzt gab es bei den Verhandlungen zwischen SPÖ und ÖVP nach der NÖ-Landtagswahl Hick-Hack um Forderungen der Sozialdemokraten. Deren designierter Landesparteivorsitzender Sven Hergovich legte am Donnerstag in der "Zeit" mit einem markigen Sager nach: "Bevor ich ein Übereinkommen unterzeichne, in dem nicht alle diese Punkte enthalten sind, hacke ich mir die Hand ab."
Hergovich: Lieber "Hand abhacken" statt Kompromisse einzugehen
Bereits in der Vorwoche hatte Hergovich via Pressekonferenz die nun in der "Zeit" erneut angeführten Bedingungen für eine mögliche Zusammenarbeit mit der ÖVP gestellt. Dazu zählen kostenlose Ganztagsbetreuung im Kindergarten, die Ausweitung eines Pilotprojekts zur Job-Garantie für Langzeitarbeitslose auf ganz Niederösterreich, einen Heiz-Preis-Stopp für Haushalte, ein Anstellungsmodell für pflegende Angehörige sowie eine Strukturoffensive für vernachlässigte Regionen.
Sven Hergovich: Hasse "Hinterzimmerpolitik"
Er habe die Forderungen transparent gemacht, weil er
"Hinterzimmerpolitik" ablehne, sagte Hergovich nun in dem Interview.
"Die übliche österreichische Vorgehensweise wäre gewesen, dass man
verhandelt, dann zeigt, was rausgekommen ist, und behauptet, das sei es,
was man eh immer wollte."
ÖVP reagierte nach SPÖ-Forderungen zunächst irritiert
Die ÖVP reagierte Ende der Vorwoche
zunächst irritiert. Nach der jüngsten Verhandlungsrunde am Dienstag kam
es dann zu öffentlich ausgetragenen Meinungsverschiedenheiten in Sachen
Positionen und Finanzierung. Die SPÖ schätzt die Gesamtkosten der
geforderten Punkte bis 2028 auf durchschnittlich 392 Millionen Euro pro
Jahr, größter finanzieller Brocken wäre die Ausweitung des Pilotprojekts
für Langzeitarbeitslose. Aus Sicht der ÖVP sind diese Maßnahmen "um
rund 300 Millionen Euro unterdotiert".
Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner meldete sich zu Wort
Am Mittwoch meldete sich
auch Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) zu Wort und appellierte,
dass das "Interesse des Landes" über "den persönlichen
Befindlichkeiten" stehen müsse. Übergeordnetes Ziel ihrer Partei sei,
mit allen Regierungsparteien, also mit SPÖ und FPÖ, ein
Arbeitsübereinkommen zu schließen. "Fest steht aber auch, dass es nur
dann ein Arbeitsübereinkommen geben kann, wenn es mit den Vorstellungen
vereinbar ist, denen die Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher die größte Zustimmung erteilt haben." Also mit jenen der Volkspartei.
Erneute Verhandlungen zwischen ÖVP und SPÖ geplant
Geplant
sind für Donnerstag erneute Verhandlungen von ÖVP und SPÖ in großer
Runde. Weil sich die Gespräche mit der SPÖ als wesentlich zäher als
ursprünglich von vielen Vertretern der Volkspartei erwartet erweisen,
könnte die FPÖ für die Schwarzen als Option für Meetings bezüglich einer
de facto Koalition aber immer interessanter werden, wie kolportiert
wird. Von "echten" Verhandlungen parallel zu jenen der ÖVP mit der SPÖ
hielten die Freiheitlichen bisher aber nichts.
ÖVP verlor bei der NÖ-Wahl mit 39,93 Prozent die Absolute
Die ÖVP hat bei der
Wahl am 29. Jänner mit 39,93 Prozent nicht nur die Absolute im
niederösterreichischen Landtag verloren. Erstmals ist für die Schwarzen
auch die Mehrheit in der Landesregierung weg. Die Volkspartei stellt
künftig vier, die FPÖ drei und die SPÖ zwei Mitglieder. Wie die ÖVP
fuhren auch die Sozialdemokraten (20,65 Prozent) ihr schlechtestes
Ergebnis im Bundesland seit 1945 ein. Die FPÖ erzielte mit 24,19 Prozent
ein Rekordresultat und löste die SPÖ auf Platz zwei ab. Die Grünen
erreichten mit 7,59 Prozent wieder Klubstärke, die NEOS kamen auf 6,67
Prozent. Die konstituierende Landtagssitzung findet am 23. März statt.