Von den Regierungsplänen, in denen Primärversorgungseinheiten (PVE) vorgesehen sind, fühlt sich die Ärztekammer entmachtet und spricht sich gegen diese Pläne aus.
Sie befürchtet, dass Kasse und Landesregierungen künftig unter diesem Titel Ambulatorien statt Gruppenordinationen schaffen könnten - für die dann kein Gesamtvertrag gilt. Kammer-Jurist Johannes Zahrl plädierte hingegen dafür, die im Gesetz bereits vorgesehene Vernetzung bestehender Praxen stärker zu forcieren.
Ärztekammer fühlt sich von den Plänen der Regierung entmachtet
Dass beim Thema Primärversorgung von Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) immer wieder die Vetomöglichkeit der Ärzte beklagt wurden, verstehen weder Zahrl noch Edgar Wutscher, Niedergelassenen-Kurienobmann der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK). Dieses bestehe lediglich darin, dass die Kammer sich gegen eine PVE ausspreche, wenn sich keine Ärzte dafür finden ließen, unterstrich Zahrl in einer Pressekonferenz am Mittwoch. Ähnlich Wutscher: "Diese Wortmeldungen mit Veto und Macht und Zeug, das ist einfach bei den Haaren herbeigezogen, das stimmt nicht und das ist falsch."
Ärztekammer würde die Idee der PVE ausdrücklich unterstützen
Zahrl, er ist Kammeramtsdirektor der ÖÄK,
betonte, dass die Ärztekammer die Idee der PVE ausdrücklich unterstütze.
Sie habe für alle Beteiligten unbestrittene Vorteile, sowohl für die
Ärzte als auch die Patienten. Problematisch sei aber, dass solche
Zentren vor allem am Land dazu führten, dass andere Ordinationen nicht
weiterbestehen könnten - und das verschlechtere die wohnortnahe
Versorgung.
Vernetzung von Praxen mit Primärversorgungsnetzwerken
Mit dem Gesetz vor fast zehn Jahren sei auch die
Möglichkeit von Primärversorgungsnetzwerken statt -zentren geschaffen
worden, in dem sich bestehende Praxen vernetzen können. Bis heute gebe
es aber erst zwei davon, und das sei das Problem, so Zahrl. Die Hürde
sei hier eine gesellschaftsrechtliche: Die Kasse wolle einen einzigen
Ansprechpartner, für die Ärzte sei die Gründung einer GmbH aber
unattraktiv. Interessanter könnten die PVE auch werden, wenn den Ärzten
die Beibehaltung von Hausapotheken erlaubt werde.
Ärztevertreter glauben, dass die Reformpläne scheitern werden
Die
Ärztevertreter glauben, dass die Reformpläne der Regierung scheitern
werden. "Dann macht halt ein Ambulatorium. Ihr werdet die Ärzte auch
nicht bekommen, das ist vollkommen sinnlos", meinte Zahrl. Die ÖÄK
versuche, im Begutachtungsprozess doch noch für Änderungen zu sorgen.
Einer der Kammerwünsche dabei: In jedem Bundesland sollten Kasse,
Ärztekammer und Land in einer gemeinsamen Planungskommission über die
PVE entscheiden. In den Vorgesprächen zum Gesetz sei dies gescheitert,
weil die Länder das letzte Wort haben wollten.