Die Gewerkschaften fordern vor dem Frauentag am 8. März 2023 Maßnahmen gegen die Teuerung.
"Viele Frauen können sich aufgrund der hohen Preise ihr Leben nicht mehr leisten", warnte Klaudia Frieben, Bundesfrauenvorsitzende der Produktionsgewerkschaft (PRO-GE). Diese will nachhaltige Entlastungsmaßnahmen wie einen Energiepreisdeckel, der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) einen kollektivvertraglichen Mindestlohn von 2.000 Euro. Die SJ kritisiert Frauenministerin Susanne Raab (ÖVP).
"Viele Frauen können sich ihr Leben nicht leisten": Maßnahmen gefordert
Frauen von Ballast zu befreien und ihnen "mehr sorgenfreie Zeit" zu ermöglichen, steht für den ÖGB am diesjährigen Frauentag an erster Stelle. ÖGB-Vizepräsidentin und - Bundesfrauenvorsitzende Korinna Schumann forderte in einer Aussendung etwa alternsgerechte Lösungen für Arbeitnehmerinnen in den Unternehmen: "Nur wer einen Job auch bis zur Pension machen kann, läuft im Alter nicht Gefahr in die Armut zu rutschen oder vom Partner abhängig zu sein." Sie appellierte außerdem für familienfreundliche Arbeitszeitmodelle und kostenfreie, flächendeckende Angebote für die Betreuung von Kindern und Älteren sowie einen Rechtsanspruch auf Kinderbildung ab dem ersten Geburtstag.
Teuerung trifft vor allem Frauen
Von
der aktuellen Teuerung seien primär jene betroffen, die sowieso wenig
Geld haben - das seien vor allem Frauen. Abhilfe soll ein vom ÖGB
geforderter kollektivvertraglicher Mindestlohn von 2.000 Euro schaffen.
Auch die PRO-GE sagt der Teuerungswelle den Kampf an. "Anstatt
Einmalzahlungen brauchen Frauen endlich nachhaltige Entlastungsmaßnahmen
wie beispielsweise einen Energiepreisdeckel oder die temporäre
Aussetzung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel", betonte Frieben in
einer Aussendung. Sie kritisierte außerdem die Anhebung des
Pensionsantrittsalters und die Abschaffung der abschlagsfreien Pension
nach 45 Arbeitsjahren.
Eine generelle Arbeitszeitverkürzung mit vollem Gehaltsausgleich verlangte die GPA-Bundesfrauenvorsitzende Sandra Steiner. Diese nütze beiden Geschlechtern, und so könnten auch Männer mehr Care Arbeit übernehmen. In die gleiche Kerbe schlug auch KABÖ-Bundesvorsitzende Anna Wall-Strasser: "Die von Frauen geleistete unbezahlte Sorgearbeit hat auch die unterbezahlte Arbeit in den typischen Frauenbranchen zur Folge." Sie forderte ebenfalls eine generelle Arbeitszeitverkürzung.
Kritik an der Frauenpolitik von Ministerin Susanne Raab (ÖVP)
Mit Kritik an der Frauenpolitik der
zuständigen Ministerin Susanne Raab (ÖVP) wartete die Sozialistische
Jugend (SJ) bei einer Medienaktion am Montag auf. Aufgrund ihrer
"Inaktivität" wirke es so, "als wäre sie verschwunden", teilte die
Organisation nun in einer Aussendung mit. "Gerade in Zeiten der Krisen
und der Teuerung, von der Frauen besonders stark betroffen sind, braucht
es eine starke Frauenministerin, die sich für die aktuell wichtigen
frauenpolitischen Themen einsetzt!", so SJ-Frauensprecherin Romana
Greiner. Progressive Frauenpolitik könne es "nur jenseits der ÖVP und
FPÖ geben".
Rotes Kreuz macht auf Gewalt gegen ältere Frauen aufmerksam
Das Rote Kreuz macht indes auf Gewalt gegen ältere
Frauen aufmerksam. In Österreich habe jede fünfte Frau ab dem 15.
Lebensjahr körperliche, sexuelle Gewalt oder beides erfahren, bei
älteren Frauen sei eine hohe Dunkelziffer zu vermuten. Petra Schmidt,
Bereichsleiterin Gesundheits- und Soziale Dienste beim Österreichischen
Roten Kreuz, plädierte in einer Aussendung dafür, nonverbale Äußerungen
und mögliche Anzeichen zu beachten