Die SPÖ-Führungsdebatte wird wohl noch zumindest bis zur Salzburg-Wahl in der Schwebe bleiben.
Auch die Enttäuschung in Kärnten hat nicht dazu geführt, dass sich interne Kritiker der aktuellen Parteiführung nach vorne wagten. Im Gegenteil war es mit der Vorarlberger Vorsitzenden Gabriele Sprickler-Falschlunger eine der Unterstützerinnen von Pamela Rendi-Wagner, die mit Kritik am burgenländischen Landeshauptmanns Hans Peter Doskozil offensiv wurde.
SPÖ-Führungsdebatte: Keine große Aussprache in den nächsten Tagen
Eine große Aussprache in den nächsten Tagen wird es in den Gremien wohl nicht geben. Nach Auskunft der Bundespartei sind diese Woche keine Sitzungen von Präsidium oder Vorstand vorgesehen.
So spricht
aktuell einiges dafür, dass die Führungsfrage noch bis zur Salzburg-Wahl
am 23. April unbeantwortet bleibt. Der dortige Spitzenkandidat David
Egger verbat sich dementsprechend gestern und heute
Personaldiskussionen.
Ironischerweise könnte gerade er, der dem
Doskozil-Lager zugerechnet wird, mit einem starken Ergebnis für etwas
Entspannung in Rendi-Wagners Umfeld sorgen. Die wenigen Umfragen weisen
der SPÖ, die von einem sehr tiefen Ausgangswert startet, leichte
Zugewinne aus.
Bis Salzburg-Wahl: Burgenland SPÖ hat sich Maulkorb angelegt
Bis zum hat sich die burgenländische SPÖ einen innerparteilichen Maulkorb auferlegt. Doskozils Vorgänger Hans Niessl stellte in der ORF-Sendung "Im Zentrum" Sonntagabend eine Kampfabstimmung als Option in den Raum. Schließlich habe die in der Vergangenheit auch nicht geschadet, erinnerte er etwa an das Duell zwischen Michael Ludwig und Andreas Schieder um die Führung der Wiener Landespartei.
Gerade
die ist es aber, die gemeinsam mit der Gewerkschaft und den Frauen
Doskozil blockieren will. Gegen die Hauptstadt-Partei und die roten
Gewerkschafter wird es tatsächlich schwierig, aber nicht unmöglich, eine
Kampfabstimmung zu gewinnen. Für einen entsprechenden außerordentlichen
Parteitag braucht es laut Statut die Unterstützung von fünf
Landesorganisationen, die für Doskozil nicht leicht zu erreichen sein
wird. Eine entsprechende Androhung hatte dereinst zum Rücktritt von
Kanzler Werner Faymann (SPÖ) geführt.
Möglichkeit einer Mitgliederbefragung
Im Raum steht auch die
Möglichkeit einer Mitgliederbefragung. Auch die zu erwirken, ist gar
nicht so leicht. Das Statut sagt hierzu: "Auf Bundesebene ist eine
Mitgliederbefragung durchzuführen, wenn zumindest 5 Prozent aller
SPÖ-Mitglieder dies verlangen, wobei aus wenigstens drei
Landesorganisationen jeweils zumindest 25 Prozent der insgesamt für die
Einsetzung einer Mitgliederbefragung erforderlichen Mitglieder dies
fordern müssen." Alternativ kann auch der Parteivorstand aktiv werden.
Diese Möglichkeit hat Rendi-Wagner schon einmal gewählt, als sie 2020
die Mitglieder über sich selbst abstimmen ließ und damit die
Führungsdiskussion zumindest eine Zeit lang eindämmte.
Beim
vergangenen Bundesparteitag hätten sich die Delegierten gleich überhaupt
für eine Direktwahl des Parteivorsitzes aussprechen können. Doch
scheiterten alle Anträge zum Statut dadurch, dass zu diesem späten
Zeitpunkt der Veranstaltung zu wenige Delegierte anwesend waren.
Inwieweit das orchestriert - die Wiener Landespartei hatte mit einigen Anträgen keine Freude - oder dem damals schönen Wetter geschuldet war, blieb offen.
Statut bleibt bis zum nächsten Parteitag gleich
Das
Ergebnis war jedenfalls, dass das Statut bis zum nächsten Parteitag
gleich bleibt und der ist erst 2024 angesetzt. Im Zentrum stand damals
ohnehin das magere Ergebnis für Rendi-Wagner, die ohne Gegenkandidaten
nur 75,3 Prozent erreichte.
Bei Wahlen lief seither bei der SPÖ
auch nicht mehr viel zusammen. In Oberösterreich und Tirol konnte man
gerade einmal 0,2 Prozentpunkte zulegen und blieb jeweils unter 20
Prozent auf Platz drei. Niederösterreich endete mit einer schweren
Niederlage und in Kärnten setzte es trotz des klaren Platz eins gefühlt
ein Debakel, verlor die Landeshauptmann-Partei doch fast zweistellig.
Dies hatte noch den Kollateralschaden, dass mit Peter Kaiser eine zentrale Figur in der SPÖ, die mit allen zumindest einigermaßen kann, auch noch geschwächt wird. In erstern Interviews machte er klar, angesichts seines Ergebnisses vom Sonntag nicht in der Position zu sein, hier große Töne zu spucken. Freilich, seine Antwort auf die "ZiB2"-Frage am Sonntag, ob Rendi-Wagner Parteivorsitzende bleiben soll, wird schwer als Unterstützung zu interpretieren sein: "Sie ist es derzeit, alles andere ist derzeit nicht aktuell zu diskutieren."