Am Freitag hat die FPÖ ihren Fraktionsbericht im ÖVP-Korruptions-U-Ausschuss präsentiert.
Er trägt den Titel "Kurz-Schluss - Die ÖVP und die organisierte Korruption" und bereitet auf 107 Seiten das aus Sicht der FPÖ im U-Ausschuss zu Tage Gebrachte aus. "Die ÖVP agierte dabei wie ein Polit-Vampir: immer wenn wir Licht ins schwarze Dunkel gebracht haben, ist sie zu Staub zerfallen", resümierte Fraktionsführer Christian Hafenecker bei der Präsentation.
U-Ausschuss: FPÖ-Bericht ortet organisierte ÖVP-Korruption
Mit der "Selbstbedienungsmentalität" der ÖVP müsse Schluss sein, die Republik "auf Werkseinstellung zurückgesetzt werden", betonte Hafenecker. Und das werde wohl nur gehen, wenn "die Volkspartei von den Hebeln der Macht entfernt wird". Mit der derzeitigen ÖVP, die aus den Erkenntnissen des U-Ausschusses keine Lehren gezogen habe, sei "kein Staat zu machen", sagte Hafenecker mit Blick auf die nächste Nationalratswahl.
FPÖ: "Schwarzes System" stehe auf drei Säulen des "Tiefen Staates"
Klar geworden sei durch den U-Ausschuss, dass
das "Schwarze System" des "Tiefen Staates" auf drei Säulen stehe: dem
Justizministerium mit dem "System Pilnacek", dem Finanzministerium, wo
"Super-Reiche und ÖVP-Spender Steuerprivilegien erhalten. Stichwort:
Sigi Wolf" und dem Innenministerium. Die "Kloibmüller-Chats" würden
zahlreiche Interventionen des BMIs zeigen, so Hafenecker.
Letzten Jahre hätten gezeigt, wie korrupt die ÖVP sei
Allein
das letzte Jahr habe gezeigt, wie korrupt die ÖVP sei. Die
"Kasknöpfle-Affäre" in Vorarlberg, die zur "Blitzerkrankung" von
Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) geführt habe, die
"Speckknödel-Camorra" um die Tiroler Jungbauern und der "Skandal um den
oberösterreichischen Seniorenbund" - dem Hafenecker keinen
regionsspezifischen Titel gab - hätten gezeigt, wie sich ÖVP-nahe
Vereine bedienen würden. Insgesamt seien es fast drei Millionen Euro aus
dem NPO-Fonds, die an der ÖVP zuzurechnende Vereine gegangen seien und
zurückbezahlt werden müssen, so Hafenecker.
Das "Zentrum des Bösen" liege in Niederösterreich
Dabei dürfe man aber
nicht vergessen, dass das "Zentrum des Bösen" in Niederösterreich liege.
"Alles was an korruptivem Verhalten entwickelt wurde, hat seinen
Ursprung in Niederösterreich und wurde dann auf die Bundespartei
ausgerollt".
Kritik für das Auftreten im U-Ausschuss gab es von
Hafenecker aber nicht nur für die Volkspartei. Diese habe in vielen
Bereichen Aufklärung verhindert, so etwa am "Tirol-Tag" mit 283
Geschäftsordnungsmeldungen an nur einem Tag. Aber auch die NEOS hätten
durch ihre Weigerung, den U-Ausschuss zu verlängern, der Aufklärung
entgegengewirkt. "Sie dienen sich immer mehr der ÖVP an, vermutlich
spekulieren die NEOS schon mit einer Regierungsbeteiligung".
Hafenecker forderte einen Corona-Untersuchungsausschuss
Abermals forderte Hafenecker einen "-Untersuchungsausschuss". Sowohl die COFAG (Covid-19-Finanzierungsagentur) als auch zahlreiche Firmen mit Verbindungen zur ÖVP wie etwa "Hygiene Austria" oder die "Covid-Fighters" - die etwa Testungen in Schulen und im Parlament durchführten - sollten genauer unter die Lupe genommen werden.
Aus
seiner Sicht brauche es eine Übertragung des U-Ausschusses bei
Befragungen von Personen von öffentlichem Interesse. Auch sollten
Verfahrensanwälte abgewählt werden können. Außerdem müsse sichergestellt
werden, dass jede Fraktion bei jeder Befragung die Möglichkeit bekomme,
Fragen zu stellen. Das sei etwa bei Ex-Kanzler Sebastian Kurz nicht
möglich gewesen.
Österreich habe sich zur "internationalen Lachnummer" gemacht
Zur "internationalen Lachnummer" habe sich
Österreich durch die parteiische Auslegung der Vorsitzführung durch
Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka gemacht. Hafenecker sei - nur in
diesem Punkt - daher für die Rückkehr zur alten Geschäftsordnung, wonach
ein Abgeordneter zum Vorsitzenden gewählt werde. Er werde an alle
anderen Parteien wenden und einen Geschäftsordnungsgipfel initiieren,
damit diese bis zur Ausrichtung eines neuen U-Ausschusses geändert
werden könne, versicherte Hafenecker.
Ein wenig Lob gab es
abschließend dann doch noch von Hafenecker. Die Grünen hätten "durchaus
aktiv in die Vorgänge der ÖVP hineingeschaut" und die NEOS seien ein
verlässlicher Partner gewesen, bis Fraktionsführerin Stephanie Krisper
"von der Parteiführung ausgebremst wurde", was ihm persönlich leid tue.
Vielleicht schon mit Blick auf die nächste Wahl strich er aber besonders
die "enge Verzahnung" mit der SPÖ hervor, die der Grund für vieles
gewesen sei, das dieser U-Ausschuss zu Tage gebracht habe.