Aufgrund von Mängeln gibt es beim Wechsel von der Bürgerkarte auf den Elektronischen Identitätsnachweis (E-ID) "wesentliche Verzögerungen".
Ursprünglich für Anfang 2020 angepeilt, kündigten die zuständigen Ministerien den Echtbetrieb jetzt für Mitte 2023 an, geht aus einem am Freitag veröffentlichten Rechnungshofbericht hervor. Mängel fanden die Prüfer vor allem im früher zuständigen Wirtschaftsressort, dort kam es wegen fehlender Finanzierung und Personal zu einem längeren Projektstopp.
Verzögerungen beim Wechsel von Bürgerkarte zu "E-ID"
Die vom Innenministerium eingerichtete Projektstruktur und -organisation "waren zweckmäßig", befanden die Prüfer, die die Abwicklung des 2017 im Parlament beschlossenen Projekts von 2018 bis April 2022 unter die Lupe genommen haben.
Im von
Margarete Schramböck (ÖVP) geführten "Bundesministerium für
Digitalisierung und Wirtschaftsstandort" (BMDW) fand der Rechnungshof
jedoch viele Mängel.
Nach Schramböcks Rücktritt im Mai 2022 wanderten die
Digitalisierungsagenden ins Finanzministerium, dort ist jetzt
Staatssekretär Florian Tursky (ÖVP) zuständig.
Geprüft hat der Rechnungshof die Umstellung auf E-ID in Zeiten Schramböcks. In ihrem Digitalisierungsministerium war die Weiterentwicklung der Bürgerkarte Teil der vielfach (etwa auch Anfang 2018 von
Schramböck selbst) angepriesenen digitalen Behördenwege-Plattform
"österreich.gv.at". Aber es wurde keine Projektorganisation für die
Umstellung auf E-ID eingerichtet. 2021 wurde ein Projektteam aufgestellt, aber weitere Strukturen "bestanden nicht", konstatierte der RH.
Digitalisierungsministerium: Dimension des Vorhabens unterschätzt
Im
früheren Digitalisierungsministerium wurden die Dimension und die
technische Komplexität des Vorhabens "deutlich unterschätzt", es gab
keine detaillierte Kostenanalyse in der Wirkungsorientierten
Folgenabschätzung (WFA). Nicht einmal die nötigen Personalressourcen
wurden ausgewiesen - und bei den Sachausgaben wurde z.B. 2021 mit 13
Mio. Euro der Kostenrahmen wesentlich überschritten. Ausbezahlt wurden
für den E-ID von
beiden Ministerium zusammen zwischen 2018 und 2021 19,44 Mio. Euro. Mit
63 externen Aufträgen an 13 Unternehmen gab es eine "strukturelle hohe
Abhängigkeit" von externen Dienstleistern.
RH-Prüfer: Gesamt-Kostenschau nicht möglich
Eine
Gesamt-Kostenschau war nicht möglich, stellten die RH-Prüfer fest. Denn
es war keine ressortübergreifende Gesamtprojektleitung eingerichtet -
und somit kein Gesamtüberblick über Projektumsetzung, Zeitplan oder
Gesamtkosten gegeben. "Fehlende Personalressourcen, die Komplexität der
Verfahren und Erweiterungen durch E-Government-Anwendungen sowie auch
ein aufgrund fehlender Finanzierung mehrmonatiger Projektstopp im BMDW
im Jahr 2021 führten zu wesentlichen Verzögerungen", konstatierte der Rechnungshof.
Einige Schritte in Richtung des elektronischen Ausweises - also staatlicher Dokumente am Smartphone - wurden mittlerweile gesetzt. So präsentierten Innenminister Gerhard Karner und Digitalisierungsstaatssekretär Florian Tursky (beide ÖVP) im vergangenen Oktober die App für den "digitalen Führerschein".