Nun haben nach der SPÖ und den Grünen auch die NEOS ihren Fraktionsbericht im ÖVP-Korruptionsuntersuchungsausschuss präsentiert.
Auf 105 Seiten will der Bericht über das im Ausschuss zu Tage gebrachte resümieren, aber auch "zeigen, wie man die Sümpfe der Korruption, in denen die ÖVP gewandert ist, trocken legen kann", sagte Fraktionsführerin Stephanie Krisper bei der Präsentation des Berichts vor Journalisten am Donnerstag.
U-Ausschuss: NEOS legen Fraktionsbericht vor
Der ÖVP-Korruptionsuntersuchungsausschuss - den die NEOS eigentlich gerne "Rechtsstaat-Untersuchungsausschuss" oder "Saubere-Politik-Untersuchungsausschuss" genannt hätten - hat zwar zu einigen Rücktritten geführt, das sei aber nur kurzfristig. Langfristig brauche es für Krisper dringend Reformen.
Die NEOS
fordern neben künftig öffentlichen Übertragungen von U-Ausschüssen,
einem Informationsfreiheitsgesetz und einem unabhängigen
Bundesstaatsanwalt sogenannte Concours, also Auswahlverfahren nach
europäischem Vorbild für die Vergabe von öffentlichen Posten. Eine
Kommission, externe Kontrolle durch Berater und öffentliche Hearings
sollen zu mehr Transparenz in der Postenvergabe und schließlich dazu
führen, dass "die Bestqualifizierten den Job bekommen", sagte der
stellvertretende Klubobmann Nikolaus Scherak.
Fraktionsbericht der Grünen: Kritik von Scherak und Krisper
Solche Concours
könnte Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) sofort umsetzen, betonte
Krisper. Auch die Regeln für Größe und Zusammensetzung der Kabinette -
die derzeit auf einem Höchststand seien - könnte Kogler ändern, so
Krisper. "Dass die ÖVP sich gar nicht mehr spürt, wissen wir schon
lange, aber es begeben sich auch die Grünen freiwillig in die Geiselhaft
der ÖVP".
Ausreichende Ressourcen und das beste Personal für das
Bundesamt zur Korruptionsprävention und Korruptionsbekämpfung (BAK) und
die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) seien nach
wie vor nicht in
Sicht, so Krisper. Solange hier nichts weitergehe, sei es "sinnlos, wenn
sich die Regierungsparteien über lange Verfahrensdauern beschweren".
Kritik gab es von Scherak und Krisper auch für den Fraktionsbericht der Grünen. "Diesem Hochglanzmagazin mangelt es an Verbesserungsvorschlägen. Das ist Jubel weit vor der Ziellinie", so Krisper. Die Grünen, die im Wahlkampf vor
der letzten Nationalratswahl unter anderem "Wen würde der Anstand
wählen" plakatierten, seien gewählt worden um die Korruption zu beenden,
sagte Scherak. Davon merke man jedoch wenig, und "frotzeln kann ich
mich selbst", kritisierte Scherak.
Nach wie vor korrupte Postenbesetzungen
Dass es nach wie vor
korrupte Postenbesetzungen gebe, zeige etwa der neue Job von Stephan
Tauschitz. Für den ehemaligen Leiter des Kärntner Landesamt für
Verfassungsschutz habe man "extra einen besser bezahlten Job im
Innenministerium geschaffen, nachdem man ihn nicht mehr halten konnte",
sagte Krisper. Tauschitz wurde von dem Posten vor
einem Jahr nach wenigen Tagen im Amt abgezogen, nachdem der Druck wegen
seiner Vergangenheit als Sprecher am als rechtsextrem eingestuften
Ulrichsbergtreffen zu groß geworden war.
Es liege nun "an allen Parteien in diesem Land, dafür zu sorgen, dass Österreich kein Selbstbedienungsladen ist", resümierte Scherak. An die Grünen appellierte Krisper: "Es gilt jetzt nicht nur von Reparatur zu reden, sondern endlich ins Tun zu kommen. Wir werden hier lästig sein".