In Österreich war der häusliche Unterrich bis zur Coronapandemie ein absolutes Minderheitenprogramm. Das änderte sich durch die Krise. Lehrer fordern nun ein Ende des häuslichen Unterrichtes.
Die Einführung von Fernunterricht, Test- und Maskenpflicht, die Schulabmeldungen haben sich aber während der 2021 auf immerhin 7.500 verdreifacht. Das Bildungsressort hat mit Verschärfungen reagiert, die letzte Regeländerung war gerade in Begutachtung. Die Lehrergewerkschaft fordert in ihrer Stellungnahme das völlige Ende des Heimunterrichts.
Lehrer für Ende des Unterrichts zu Hause und der Schulabmeldungen
Eltern können ihre Kinder daheim unterrichten, weil in Österreich keine Schul-, sondern nur eine Unterrichtspflicht gilt. Kinder können außerdem Privatschulen ohne Öffentlichkeitsrecht besuchen, die selbst keine Schulzeugnisse vergeben dürfen. Selbst am Höhepunkt 2021 war freilich nur rund ein Prozent der Schüler bis zur neunten Schulstufe zum Häuslichen Unterricht angemeldet, seither gab es einen deutlichen Rückgang. Zu Beginn dieses Schuljahr waren es nur noch rund 4.000. Bei einer Externistenprüfung muss am Ende des Schuljahres nachgewiesen werden, dass die Lernziele erreicht wurden. Die Bildungsdirektion kann den Häuslichen Unterricht außerdem dann untersagen, "wenn mit großer Wahrscheinlichkeit anzunehmen ist, dass die .... Gleichwertigkeit des Unterrichtes nicht gegeben ist".
Reaktion auf hohe Abmeldezahlen vom Schulunterricht
Als Reaktion auf die
vergleichsweise hohen Abmeldezahlen hat das Bildungsministerium schon
für das vorige Schuljahr die Regeln verschärft: Abmeldungen für das
nächste Schuljahr müssen seither schon bis Beginn der Sommerferien
angezeigt werden, nicht erst zum Ferienende. Um Prüfungstourismus in
bekannt "leichte" Schulen zu verhindern, nehmen eigene Kommissionen die
Externistenprüfungen ab. Zuletzt haben dabei deutlich mehr Schüler
schlecht abgeschnitten bzw. sind gar nicht erst angetreten und mussten
damit das Schuljahr wiederholen - und zwar an einer Schule mit
Öffentlichkeitsrecht.
Novelle zur Regelung der Schulabmeldungen in Österreich
Mit der aktuellen Novelle, für die jüngst
die Begutachtungsfrist geendet hat, werden diese Regelungen teils
erneuert: Bei der Abmeldung ist nicht mehr nur die Person anzugeben ist,
die das Kind (führend) unterrichtet, sondern auch der Unterrichtsort.
Das dürfte eine Reaktion auf Berichte über illegale Privatschulen sein.
Außerdem muss eine "Zusammenfassung des pädagogischen Konzepts für den
Unterricht" vorgelegt werden. Teils haben dies die Bildungsdirektionen
freilich - auch wenn nicht gesetzlich vorgeschrieben - schon bisher
verlangt.
Forderung nach pädagogischen Konzept
Diese Forderung nach einem pädagogischen Konzept hat nun
die Pflichtschullehrer-Gewerkschaft zum Anlass genommen, überhaupt die
Umwandlung der Unterrichtspflicht in eine Schulpflicht zu verlangen, wie
sie etwa in Deutschland gilt. Wenn man davon ausgehe, dass jeder
Elternteil bzw. Erziehungsberechtigte ohne jegliche
pädagogisch-didaktische Ausbildung die in der Verfassung recht vage
festgelegten Anforderungen an den Unterricht erfüllen könne, werde
jegliche Diskussion um die Lehrerausbildung konterkariert, zeigen sich
die Gewerkschafter verschnupft.
Kritik von Anti-Coronamaßnahmen-Partei MFG
Naturgemäß komplett konträr fällt
die Stellungnahme der Anti-Coronamaßnahmen-Partei MFG aus: Sie sehen
einen "Anschlag auf das verfassungsrechtlich gewährleistete Recht auf
Häuslichen Unterricht". Da dieser das Kind in den Mittelpunkt stelle,
brauche er per Definition kein pädagogisches Konzept mit Jahresplanung.
Ob der Unterricht daheim jenem in Schulen mit Öffentlichkeitsrecht
gleichwertig ist, werde außerdem ohnehin bei der Externistenprüfung
kontrolliert. Es wäre daher auch zu prüfen, ob nicht schon das seit 2022
verpflichtende Reflexionsgespräch am Ende des ersten Semesters
verfassungswidrig sei, so die MFG. Sie fordert eine völlige
Gleichstellung von Kindern im Häuslichen Unterricht und jenen in der
Schule. Ähnlich klingen viele der mehr als 700 Stellungnahmen, die
Privatpersonen zum Gesetzesentwurf abgegeben haben.
Stärkerer Abgrenzungsbedarf zum Unterricht zu Hause
Stärkeren
Abgrenzungsbedarf zum Unterrichten daheim sehen unterdessen die Schulen
in freier Trägerschaft (u.a. Waldorf-, Montessorischulen). Der
Dachverband European Forum for Freedom in Education (EFFE) plädiert
dafür, die geplanten Änderungen nur auf den Häuslichen Unterricht zu
beschränken und Alternativschulen gesondert zu regeln. Immerhin werde
deren Betrieb, Lehrplan, Personal etc. ohnehin von den
Bildungsdirektionen genehmigt und sie würden auch regelmäßig von deren
Schulqualitätsmanagerinnen und -managern kontrolliert.